Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Frage beschäftigt derzeit die Parteigrößen im Kreis Kelheim. Angesichts der auslaufenden Ära von Hubert Faltermeier auf dem Chefsessel im Landratsamt sehen die politischen Gruppierungen ihre Chance für einen Wechsel gekommen. Den langjährigen Kreischef aus den Reihen der Freien Wähler, der bei der Wahl im September altersbedingt nicht mehr antreten darf, wollen derzeit fünf Politiker beerben. Martin Neumeyer (CSU), Fritz Mathes (FW), Birgit Wack (ÖDP) und Fritz Zirngibl (Bayernpartei) sind bereits offiziell nominiert, bei der Stadt-Land-Union sollen die Mitglieder Alois Schweiger demnächst zum Kandidaten küren.

Doch geht es nach dem Willen der Vorsitzenden von FDP und Grünen, wird es bald zwei weitere Bewerber um das höchste politische Amt im Landkreis geben. Das einzige Manko: Personell zeichnet sich bislang nichts ab. Beide Parteien haben sich deshalb intern eine Art Frist gesetzt - obwohl der offizielle Zeitraum für Vorschläge erst Ende Juli vorbei ist.

"Wir planen eine Aufstellungsversammlung", kündigt die liberale Kreisvorsitzende Maria Raum an. Voraussichtlich Anfang oder Mitte Mai sollen die FDP-Mitglieder einen Kandidaten küren; der genaue Termin steht noch nicht fest. Die Siegenburgerin macht jedoch deutlich, dass das Ziel klar darin bestehe, einen Bewerber zu finden und offiziell aufzustellen. Einer Wahlempfehlung für einen anderen Kandidaten erteilt sie daher zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage. "Diese Frage stellt sich für uns noch nicht", findet Raum.

Ergebnisoffen gehen die Grünen in die weiteren Beratungen. Ihr Sprecher Richard Zieglmeier macht jedoch keinen Hehl aus der Tatsache, dass die nächste Versammlung am 4. Mai in Bad Abbach eine Art letzter Aufruf ist. "Theoretisch haben wir noch Zeit", sagt er und erinnert auch an die Chance, die sich nun bietet. "Jetzt ist der politische Neubeginn möglich." Doch nach mittlerweile mehreren Monaten ist die Kandidatensuche aus seiner Sicht eigentlich zur Genüge diskutiert worden. Allzu große Hoffnungen machen sich der Abensberger und seine Mitstreiter daher nicht.

Dennoch bleiben bei den Grünen drei Optionen im Gespräch: ein Kandidat aus den eigenen Reihen, ein externer Bewerber sowie eine Wahlempfehlung. Für sich selbst schließt Zieglmeier diesen Schritt jedoch kategorisch aus, auch eine Kandidatur seiner Kreistagskollegen Christiane Lettow-Berger, Franz Aunkofer und Karl Mirwald scheint alles andere als wahrscheinlich. "Wir sind alle mittlerweile in einer bestimmten Altersklasse", weiß Zieglmeier, der ebenso wie seine Mitstreiter viele Wahlkämpfe hinter sich hat.

Während Grüne und FDP noch suchen, haben die Sozialdemokraten als einzige politische Kraft frühzeitig abgewunken. Schon Ende Februar schloss ihre Kreisvorsitzende Johanna Werner-Muggendorfer einen roten Kandidaten aus. "Für die SPD tut mir das sehr leid", sagt die Landtagsabgeordnete, die vor sechs Jahren selbst noch antreten wollte, dann aber wegen einer schweren Erkrankung passen musste. Jetzt darf sie diese Verantwortung zu ihrem Bedauern nicht wieder übernehmen; Werner-Muggendorfer ist im vergangenen Sommer 65 Jahre alt geworden und hat damit die Altersgrenze überschritten.

Dass sich nach dem Verzicht auf einen Kandidaten in den SPD-Ortsvereinen ein gewisser Unmut breitgemacht hat, kann die Neustädterin nachvollziehen. "Ich kann aber niemanden aus dem Hut zaubern", sagt sie fast schon etwas verzweifelt. Damit der Ärger in den eigenen Reihen nicht noch größer wird, erteilt sie einer Wahlempfehlung eine Absage. Obwohl sie sich einen Kommentar zu ihrem Parlamentskollegen Martin Neumeyer nicht verkneifen kann. Mit dem CSU-Mann arbeite sie in München seit Jahren gut zusammen.