Riedenburg: CSU und Freie Wähler wollen Vize-Landrat stellen
Josef Egger (l.) und Wolfgang Gural.
Freie Wähler/Rast
Kelheim

Wer von den beiden erfahrenen Kommunalpolitikern am Ende das Rennen machen wird, bleibt abzuwarten. Denn die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag lassen viel Raum für Spekulationen. Spannung ist vor dem Wahlgang im Kreistag also garantiert. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im neuen Landratsamt.

Die Favoritenrolle nimmt dabei wohl Wolfgang Gural ein, der diese Woche in einer Fraktionssitzung seinen Hut in den Ring geworfen hat. "Ja, ich bin der Kandidat", bestätigt der Sprecher der größten Fraktion im Kreistag gegenüber unserer Zeitung. Dass er mit CSU und Junger Liste, die sich bereits für ihn ausgesprochen hat, keine Mehrheit hat, weiß der 71-Jährige aus Abensberg natürlich. Er will aber nicht zum Klinkenputzen bei anderen Fraktionen gehen. "Ich stelle mich zur Wahl, alles andere lasse ich auf mich zukommen."

Ganz ähnlich sieht es bei den Freien Wählern aus, die mit Josef Egger (70) einen erfahrenen Kreispolitiker ins Rennen schicken. "Wir gehen mit ihm in die Wahl und müssen sehen, was dabei herauskommt", sagt Fraktionssprecher Jörg Nowy schlicht. Dass die CSU am Anspruch auf den Vize-Posten festhält, wie deren Fraktionschef Gural bestätigt, hält der Essinger Bürgermeister indes für fragwürdig. "Vor zwei Jahren hatten wir ganz andere Voraussetzungen", erinnert er an die damalige Konstellation mit Hubert Faltermeier von den Freien Wählern an der Spitze. Nachdem nun der Christsoziale Martin Neumeyer neuer Landrat ist, wäre nach Nowys Dafürhalten seine Fraktion bei der Besetzung des Vize-Postens am Zug.

Damit nennt er zugleich den Hauptgrund für den Anspruch, den die Freien Wähler nun geltend machen. "Andernfalls würde die CSU drei von fünf Posten besetzen", erinnert FW-Fraktionschef Nowy an die vierte Stellvertreterin Hannelore Langwieser. "Aus unserer Sicht spiegelt das nicht die Verhältnisse im Kreistag wider."

Die Gespräche sind unterdessen noch lange nicht abgeschlossen. Ganz im Gegenteil: Für Gural hat eine Nachfrage bei den Freien Wählern nach deren eindeutiger Positionierung genauso wenig Sinn wie bei der Stadt-Land-Union, die sich klar gegen einen Vize aus den Reihen der CSU ausspricht. Da gibt aber noch die SPD sowie eine Reihe kleinerer Fraktionen, Einzelkämpfer und unabhängige Kreisräte, bei denen man anklopfen könnte. Nach den Worten Gurals wird Landrat Neumeyer für ihn sondieren. "Wir haben mit der SPD gesprochen", sagt auch Nowy, ohne jedoch Details zu nennen. Bei den Sozialdemokraten ist derzeit jedoch nur eines klar: Spekulationen über einen eigenen Kandidaten sind Unfug, wie Willi Dürr bestätigt. Der Fraktionschef und seine Genossen wollen sich am Sonntag auf eine Marschrichtung einigen. "Doch eventuell wird es bei uns keine einheitliche Meinung geben", sagt der Paintener Altbürgermeister.

Dass die Christsozialen an ihrem Anspruch festhalten, stößt auch bei einigen weiteren Gruppierungen auf Ablehnung. Fritz Zirngibl von der Bayernpartei fürchtet "eine Dominanz der CSU". FDP-Einzelkämpfer Heinz Kroiss wünscht sich "eine Person, die in Gesellschaft und Kreistag akzeptiert" ist. "Es wäre fair, wenn eine andere Fraktion als die CSU zum Zug kommen würde", findet der Abensberger. "Ich glaube nicht, dass das dem Wählerwillen entspricht", empört sich auch SLU-Fraktionssprecher Josef Reiser über die Wünsche der Christsozialen, der davon "gelinde gesagt überrascht" ist. Seine Gruppierung werde sich nach einer Fraktionssitzung noch positionieren, sagt der Mainburger Rathauschef. Gleiches gilt für die Grünen und die ÖDP, bei denen die Gespräche noch laufen. Während Peter-Michael Schmalz für die Ökopartei eine einheitliche Linie ankündigt, kann sich Richard Zieglmeier (Grüne) auch einen ganz anderen Namen vorstellen. "Uns treibt außerdem die Anzahl der Stellvertreter um", erklärt er und kündigt an, die Situation bis zur Haushaltssitzung im Februar genau zu beobachten.

Für die Junge Liste hat sich nach der Entscheidung in der Mutterpartei an der Ausgangslage hingegen nichts geändert. Bastian Bohn bestätigte gegenüber unserer Zeitung noch einmal, dass die drei JL-Kreisräte den Vorschlag aus den Reihen der CSU mittragen werden. Aber wird es am Ende auch reichen? Bastian Bohn gibt sich optimistisch: "Ich gehe davon aus, dass wir uns durchsetzen werden."