Kelheim: Der Mensch im Mittelpunkt
Offizieller Amtseid: Der älteste Kreisrat Heinz Reiche (r.) von der SPD vereidigte den neuen Landrat Martin Neumeyer bei der Sitzung am Montagabend. - Foto: Janda
Kelheim

Statt eines parlamentarisch anmutenden Halbkreises waren im Sitzungsaal des neuen Landratsamts im Donaupark lange Tischreihen aufgestellt, passend zur Feierstunde im Anschluss an die Sitzung. "Das wird sich noch ändern", versprach der in der Vorwoche ins Amt gestartete Kreischef und kündete eine Sitzordnung an, mit der alle Gruppierungen zufrieden sein können.

Große politische Weichenstellungen standen am Montagabend ohnehin nicht auf der Agenda. Der einzig erforderliche Beschluss, nämlich der über die Neufassung der mittlerweile etwas angestaubten Satzung für den Zweckverband der Kreissparkasse, fiel ohne Beratung von der Tagesordnung - weil die Abstimmungsreihenfolge der beteiligten Gremien nicht richtig war. Stattdessen standen neben der Wahl des neuen Vize-Landrats Wolfgang Gural (wir berichteten) und der Vereidigung von Kreisrat Raimund Fries, der für Martin Neumeyer in die CSU-Fraktion nachrückt, dessen erste Schritte als Landrat im Mittelpunkt. "Lassen Sie uns gemeinsam einen Anfang wagen, das biete ich Ihnen an", erklärte der Landrat und wünschte sich selbst und den Kreisräten "Demut und Geduld".

Den Amtseid nahm dem Abensberger Heinz Reiche (SPD) ab. Der Vierte Landrat ist mit 75 Jahren ältestes Mitglied des Kreistags und zeigte sich geehrt, diese Aufgabe wahrnehmen zu dürfen. Dem neuen Landrat wünschte Reiche "viel Kraft für das schwere Amt". Großartig bemerkbar macht sich diese Bürde bislang aber noch nicht. Neumeyer ließ zwar anklingen, dass die ersten Schritte auf der neuen Position nicht ganz einfach waren, zeigte sich zugleich aber überzeugt, diese kleinen Anlaufschwierigkeiten gemeinsam mit den Mitarbeitern der Kreisbehörde in den Griff zu bekommen. "Wir haben die Herausforderungen, das Geld wird aber nicht mehr", erinnerte der Landrat an die Finanzen des Kreises mit mehreren Millionen Euro Schulden.

An Ideen für die kommenden Jahre mangelt es Neumeyer unterdessen nicht. Ganz im Gegenteil: Die Aufgaben sprudelten nur so aus dem CSU-Politiker heraus. Neues Engagement bei der Digitalisierung, neue Wege für den Öffentlichen Personennahverkehr, die richtige Richtung bei den Krankenhäusern - nur einige Punkte, die er in seiner ersten Kreistagsrede als Landrat anführte. "Wir müssen Politik für junge Leute machen, damit diese Menschen dableiben", verkündete er. Inwieweit sich dieser Ansatz im ersten Haushalt mit Neumeyers Handschrift finden wird, muss sich noch zeigen. Die Vorberatungen beginnen bereits diese Woche. Voraussichtlich im Februar soll der Kreistag den neuen Etat verabschieden.

Damit, einfach die politische Agenda abzuarbeiten, ist Neumeyer aber bei Weitem nicht zufrieden. Vielmehr will er im neuen Verwaltungsgebäude im Kelheimer Donaupark verstärkt in den Dialog mit den Menschen treten. "Wir wollen wichtige Themen hier besprechen und die Leute in den Mittelpunkt stellen", kündigte er an. Dazu schwebt ihm nicht nur der intensive Kontakt mit Bürgern, Behörden, Vereinen und anderen Stellen vor. "Wir müssen wieder mehr erklären, was Kommunalpolitik bedeutet", betonte der Landrat und wiederholte einen Ansatz, den er bereits kurz nach seiner Wahl ins Gespräch gebracht hatte. Neumeyer will verstärkt Schulklassen, Seniorenklubs und andere Gruppen in das Landratsamt einladen und die Aufgaben der Behörde, der einzelnen Kreisgremien und des Landkreises vorstellen. Gleichzeitig plant er, die Internetseite des Landratsamts neu zu gestalten und den Kontakt zu den Medien weiter auszubauen. Neu ist auch, dass der Landkreis Kelheim seit einigen Tagen auf der Internetplattform Facebook vertreten ist. Und schließlich will der Landrat der Bevölkerung bei deren Sorgen verstärkt zeigen, dass das Landratsamt sie ernst nimmt. "Mit einer Antwort binnen einiger Stunden nach ihrer Anfrage", gab der Politiker als Ziel vor.