Kelheim: Ein Sieger ohne Lächeln
Umringt von seinen Konkurrenten hat Wahlsieger Martin Neumeyer (Zweiter von rechts) die Glückwünsche seines Vorgängers Hubert Faltermeier (links) entgegen genommen. Auch Fritz Mathes (FW, von links), Alois Schweiger (Stand-Land-Union) und Fritz Zirngibl (Bayernpartei) hatten sich um das Amt des Kelheimer Landrats beworben.
Schmied
Kelheim

Noch ist die Aula des Wittelsbacher Schlosses ziemlich leer. Nur vereinzelt stehen Menschen an mit weißen Hussen überzogenen Stehtischen zusammen. "Kommen Sie herein. Es gibt Getränke und Brezen", sagt Heinz Müller, Pressesprecher des Landratsamts, zu einer Frau, die mit Regenschirm in der Hand durch die Tür kommt. "Ist das eine öffentliche Veranstaltung", fragt sie zaghaft. Ja, so die schlichte Antwort. Denn unter dem Dach der Behörde versammeln sich heute die Kreisbürger, die hautnah miterleben wollen, wie die Landratswahl ausgehen wird. In den Wochen zuvor haben sieben Kandidaten um die Gunst der Wähler gekämpft. "So viele waren es noch nie", sagt Müller. Sechs von ihnen haben an diesem Abend ihr Kommen angesagt. Die einzige Frau im Bunde dagegen, Birgit Wack (ÖDP), ist im Urlaub.

Es ist 18 Uhr. Mittlerweile kommen immer mehr Menschen in das Gebäude, von dem aus Hubert Faltermeier (FW) 24 Jahre lang als Landrat die Geschicke des Kreises gelenkt hat. Heute übernimmt er die Rolle des Wahlleiters. Pünktlich zur Schließung der 154 Wahllokale in den insgesamt 24 Gemeinden des Landkreises betritt er die Aula. Alois Schweiger (Stadt-Land-Union) und Fritz Mathes (FW) folgen unmittelbar darauf. Beide haben Vertraute mitgebracht. Noch ist die Stimmung locker. Von Anspannung vorerst keine Spur.

Das ändert sich schnell. Um 18.17 erscheint die erste Hochrechnung auf der Leinwand. Mittels Beamer wird sie darauf projiziert. Die wichtigsten Männer an diesem Abend kommen aus der EDV-Abteilung. "Die Ergebnisse gehen oben im Wahlamt ein und sind in derselben Sekunde hier an diesem Rechner", sagt Müller und deutet auf einen Laptop, den Stephan Ströll bedient. Sein Kollege Armin Hohmann sitzt im zweiten Stock. Neben dem Laptop steht ein Drucker. Für jede Gemeinde spuckt er ein Blatt mit dicken bunten Balken aus. Müller nimmt sie und bringt sie Faltermeier, der die Ergebnisse den Anwesenden vorliest. Aus Essing, Kelheim und Painten kommen die ersten Resultate.

"Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme, darum möchte ich noch nicht so viel sagen", sagt Fritz Mathes. 18 Wahllokale sind ausgezählt. CSU-Kandidat Neumeyer und er liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. "Das kann sich schnell wieder ändern", sagt der ehemalige Kelheimer Bürgermeister. Mittlerweile sind auch Heinz Kroiss (FDP) und Fritz Zirngibl (Bayernpartei) eingetroffen. Die Kandidaten begrüßen sich, tauschen sich aus. "Mal sehen, wie es ausgeht. Es ist auf jeden Fall spannend", sagt Alois Schweiger. In der Aula sind nun gut 40 Menschen.

Die schwarze Säule wächst und wächst. Martin Neumeyer lässt seine Konkurrenten hinter sich. Zu sehen ist von ihm noch nichts. Dafür treffen Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann und sein Parteikollege, SPD-Kandidat Stephan Schweiger, ein. Es ist 18.56 Uhr. 108 von 154 Wahllokalen sind ausgezählt. Am linken Rand der Leinwand ist eine Auflistung der Gemeinden zu sehen. Ist eine vollständig erfasst, wird das Symbol davor grün. "Die Schlacht ist geschlagen - mit oder ohne Stichwahl", raunt ein Besucher einem anderen zu. Laut ist es nicht im Landratsamt. Dafür beherrscht ein stetiges Murmeln den Raum.

Faltermeier liest das Ergebnis aus Riedenburg vor. Neumeyer: 46 Prozent. Mathes: 20 Prozent. Es ist 19.10 Uhr. Nur noch Neustadt fehlt. Insgesamt liegt Neumeyer bereits bei über 50 Prozent. Sicher ist aber noch nichts. Das rot regierte einwohnerstarke Neustadt könnte das Zünglein an der Waage für ihn sein. Als letzter Kandidat kommt nun auch der CSU-Politiker ins Landratsamt. Viele Menschen applaudieren. Er lacht, wirkt aber angespannt. "Noch ist nichts entschieden", sagt er. Das Ergebnis aus Neustadt lässt weiter auf sich warten. Neumeyer greift nervös zum Handy.

"Der Neustädter Bürgermeister ist nicht zu erreichen", sagt er. Minute um Minute verstreicht. Der Lärmpegel steigt. "In zwei bis drei Minuten kommt das Ergebnis", ruft Faltermeier in die Menge, nachdem auch er telefoniert hat. Die Anspannung aller Kandidaten ist nun doch fast mit Händen zu greifen. Doch plötzlich geht es ganz schnell: Um 19.43 Uhr zeigt die Leinwand das vorläufige Endergebnis. Martin Neumeyer fährt 51,3 Prozent ein. Applaus. Der künftige Landrat verzieht keine Miene. Im ersten Moment sagt er nichts. Eine Stichwahl? Mit diesem Ergebnis hinfällig.

Was er als neuer Landrat nun tun will? "Ich bin ja noch gar nicht installiert. Aber als erstes will ich mich um die Krankenhäuser und den ÖPNV kümmern", gibt Neumeyer vielen Fragenden Auskunft. Die Stimmung insgesamt wirkt gelöst, nur der Sieger mag nicht lächeln. Zu überwältigt scheint er davon zu sein, im ersten Wahlgang durchmarschiert zu sein. Mathes indes will sich nur noch zügig darum kümmern, seine Wahlplakate zu entfernen.