Geht: "Ich will eine andere Politik machen"
Glühender Patriot und Bürokratiegegner: Fritz Zirngibl will für die Bayernpartei Kelheimer Landrat werden. Der 61 Jahre alte Kreisrat aus Teugn setzt dabei auf unkonventionelle Lösungen und will sich nicht von Regeln ausbremsen lassen. - Foto: Janda
Geht

Geht nicht, gibt's nicht!" Dieser Satz von Fritz Zirngibl beschreibt das politische Wesen des 61-Jährigen so gut wie wohl kein anderer. Denn der Kreisrat aus Teugn hält nichts von unnötigen Regeln und von bürokratischen Hürden. Ein bisschen Rebell ist er. Und ein bisschen Freigeist, der für Kuba ebenso schwärmt wie für den Freistaat. Genau diesen Stil will Zirngibl nun auch in Kelheim umsetzen. Als Landratskandidat der Bayernpartei geht er am 18. September ins Rennen um das höchste politische Amt im Kreis.

Die Motivation für diesen Schritt ist schnell erklärt. "In meiner Zeit im Kreistag habe ich gesehen, dass vieles nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle", erklärt der Politiker, der dem Gremium seit zwei Jahren angehört. Zirngibl sitzt im Garten hinter dem Haus in Teugn, das er vor Jahrzehnten mit seinem Vater Stein für Stein selbst errichtet hat und heute mit seiner Frau bewohnt. Lange habe er gebraucht, um zu merken, dass er sich daheim am Wohlsten fühlt, berichtet er von Reisen in rund 80 Länder - viele davon nur mit Rucksack und Motorrad. Die Liebe zu seiner Heimat trieb ihn jedoch stets zurück. Und sie ist es auch, die den bekennenden Fan des bayerischen Unabhängigkeitsgedankens jetzt zur Kandidatur bewegt hat.

"Ich denke, ich bringe einen frischen Wind rein", sagt Zirngibl, für den eine Wahlniederlage keinen Weltuntergang bedeuten würde. Sollte er jedoch am 1. November auf dem Chefsessel im neuen Landratsamt Platz nehmen, verspricht er "eine andere Politik". Dazu gehört beispielsweise eine Abkehr von der zunehmenden Zentralisierung im Landkreis. Dass alles auf die großen Städte zugeschnitten ist, hält er für den falschen Weg. Bei der Unterbringung von Asylbewerbern ebenso wie bei den Krankenhäusern. Sogar eine Außenstelle des Landratsamts in Riedenburg kann er sich vorstellen. "Warum auch nicht"

Die Kliniken in Mainburg und Kelheim sind aus seiner Sicht trotz der Defizite zum Erhalt der Grundversorgung zwingend erforderlich. Die schlechten Zahlen, vor allem bei der Ilmtalklinik, erklärt sich der Bayernpartei-Kandidat mit Fehlern im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung. "Da lief über Jahre hinweg etwas falsch, da sind wir an der Grenze", findet Zirngibl. Bei der Integration der Flüchtlinge will er solche Versäumnisse daher vermeiden. "Das funktioniert nur über Arbeit", betont der Teugner, der auch stellvertretender Landesvorsitzender seiner Partei ist. Einer Willkommenskultur erteilt Zirngibl zwar keine Absage, die Neuankömmlinge müssten sich jedoch einbringen. "Wir müssen diejenigen fördern, die dieses Angebot annehmen, und denjenigen mit Sanktionen begegnen, die sich verweigern."

Überhaupt ist die Flüchtlingsproblematik ein Leib- und Magenthema für Fritz Zirngibl. Das einzige ist es jedoch beileibe nicht, wie der selbstständige Immobilienmakler betont. Allein schon von Berufs wegen spricht er sich für den Erhalt alter Gebäude aus. "Das alte Landratsamt mit dem Wittelsbacher Schloss hätte mir zum Beispiel besser gefallen als der Neubau", erklärt er und kündigt an, sich für eine Nachfolgenutzung des Gebäudes einzusetzen. Gleiches gilt für die Neuansiedlung von Schulen, die Zirngibl lieber in bestehenden Immobilien als in Neubauten sieht. Den Zustand der A 93 und vieler Kreisstraßen hält der begeisterte Motorradfahrer für ebenso verbesserungswürdig wie die touristische Ausrichtung im Landkreis.

Eine tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft hat sich der passionierte Karatesportler ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. "Doch bisher hieß es immer, dass das keine Landkreisthemen sind", bedauert er. Apropos Landwirtschaft: Um die kleinen Milchbauern zu stärken, will der Teugner gleich nach der Wahl eine regionale Milchvermarktung für den Kreis ins Gespräch bringen. "Dadurch würden wir einen Preis erreichen, mit dem die Landwirte überleben."

Dass es in Kelheim wegen der hohen Schulden in Zukunft vermehrt um Geld gehen wird, ärgert Zirngibl. "Wenn ich es nicht habe, kann ich es auch nicht ausgeben", findet er. Sein Plan, um den Berg an Verbindlichkeiten abzubauen, klingt aber recht einfach: Die Gemeinden sollen seiner Meinung nach ihre Gewerbesteuersätze senken und dadurch zusätzliche Firmen anlocken - eine Senkung der Kreisumlage würde den Einnahmenausfall der Kommunen ausgleichen. "Dadurch käme letztlich wieder mehr Geld rein", erklärt er. Gleichzeitig fordert der Bewerber der Bayernpartei einen runden Tisch mit Gewerbetreibenden und Experten aus dem Landratsamt, um eine Art Stadtmarketing auf Kreisebene zu forcieren. Die Belebung der Innenstädte gehört dabei ebenso zu Zirngibls Zielen wie der unbürokratische Ausbau von Gewerbegebieten.

Überhaupt diese Bürokratie - ein Dorn im Auge des Kreisrats. "Wir müssen doch auf Kreisebene nicht immer alles umsetzen, was aus Berlin oder Brüssel kommt", kritisiert er. "Da erwarte ich mir in Zukunft etwas mehr Mut." Gleiches gilt aus seiner Sicht für den Umgang mit den Bürgern. Mehr Offenheit und Beteiligung fordert Zirngibl, der sich noch immer über das Vorgehen beim neuen Landratsamt ärgert. "Die Menschen waren im Bürgerentscheid dagegen, dann hat man das einfach ausgesessen." Eine solche Politik werde es mit ihm nicht geben, kündigt der Kreisvorsitzende der Bayernpartei an. "Ich will auf die Menschen schauen."