Die: "Ich will den Kreis in Schwung bringen"
Voller Ideen und Tatendrang: Martin Neumeyer will für die CSU neuer Kelheimer Landrat werden. Für den 61 Jahre alten Landtagsabgeordneten ist es nach 1998 und 2010 der dritte Versuch, das Amt zu erobern. - Foto: Janda
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Doch seine Kandidatur galt lange als unsicher. Als Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch vor gut eineinhalb Jahren vorpreschte und Neumeyer schon als Landrat in spe feierte, war diesem das gar nicht recht. "Ich kenne mein Alter", erklärt der 61-jährige Vater zweier erwachsener Söhne sein anfängliches Zögern. Im Falle seiner Wahl verspricht er aber schon jetzt, mehr als eine Periode zur Verfügung zu stehen. Da kommt dem Abensberger eine Änderung des Wahlrechts zupass, die für 2020 eine Anhebung des Höchstalters von Wahlbeamten auf 67 Jahre vorsieht. Dadurch könnte er bis zum Jahr 2026 im Amt bleiben.

Dass der Landkreis im Falle seiner Wahl den direkt gewählten Landtagsabgeordneten verliert, ist auch so ein Argument, das Neumeyer entkräften muss. "Das ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang. Das gab es in anderen Landkreisen auch schon." Für den Abensberger würde Florian Hölzl aus Pfeffenhausen ins Maximilianeum nachrücken.

Neumeyer, der seit 28 Jahren mit seiner Frau Maxi verheiratet ist, hat nie die Bodenhaftung verloren. Er gibt sich leutselig, hat immer einen Scherz auf den Lippen. Mit seiner offenen Art hatte er nie Probleme, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Das rechnet er sich als großes Plus an. "Ich war immer schon gerne im Garten, im Biergarten halt", flachst er. "Aber zu Hause ist für mich der wichtigste Rückzugsort", sagt er und streichelt Hündin Berta.

Was würde er anders machen, wenn er die Richtlinien der Kreispolitik bestimmen könnte? Die Frage ist für Martin Neumeyer eine Steilvorlage. "Ich will den Landkreis in Schwung bringen", sagt er. Seine mitunter pfiffigen Ideen wie etwa die kleine Landesgartenschau auf dem Gelände des Donauparks sind bekannt. Dass er damit aus seiner Sicht bewusst missverstanden wurde, wurmt ihn bis heute. "Kelheim hat eine Entwicklungschance leichtfertig vertan."

Natürlich beginnt der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung mit seinem Spezialthema. Der Landkreis habe die Unterbringung der Flüchtlinge im vergangenen Jahr gut gemeistert, so sein Urteil. "Diese Menschen hatten sich ja nicht angemeldet." Jetzt gelte es jedoch, denjenigen, die hierbleiben, eine Perspektive zu geben. Und das will er an der entscheidenden Schaltstelle im Landkreis umsetzen.

Martin Neumeyer setzt auf Bürgernähe. "Jeder Bürger muss innerhalb von 24, maximal 48 Stunden, eine Antwort auf seine Fragen bekommen." Den Landkreis will er "als Produkt besser verkaufen". Das heißt für ihn, die Öffentlichkeitsarbeit mit regelmäßigen Pressekonferenzen und Informationen in den Medien zu forcieren. Er kann sich vorstellen, den Neujahrsempfang wieder einzuführen oder einen Sommerempfang zu geben, so wie er es als CSU-Kreischef vorgemacht hat. Die Schönheiten der Landschaft und die Freizeitangebote können nach seinem Dafürhalten touristisch noch besser vermarktet werden. "Wir leben im Paradies, da wo andere Menschen Urlaub machen."

Ein klares Bekenntnis legt Neumeyer zum Erhalt der Krankenhäuser ab und warnt vor einer Negativdebatte. Um die Kliniken wieder in die Spur zu bringen, darf es in seinen Augen keine Denkverbote geben. Dazu gehöre auch die Suche nach einem "starken Partner". Was im Falle der Goldbergklinik die nahe Uniklinik Regensburg ist, könnten für die Ilmtalklinik Landshut oder Ingolstadt sein. "Wir müssen zukunftsorientiert denken, zur Grundversorgung gehört parallel auch ein medizinisches Angebot auf einem hohen Level."

Im Falle seiner Wahl werde er die Amtsgeschäfte "relativ zackig" in Angriff nehmen. Eine Einarbeitungszeit braucht er nach eigenem Bekunden nicht. "Wunderdinge darf man aber nicht erwarten", so der CSU-Politiker aus seiner Erfahrung nach mehr als 30 Jahren im Kreistag. Den neuen Haushalt werde er voraussichtlich von seinem Vorgänger übernehmen. Eine Bilanz der Amtszeit Hubert Faltermeiers überlässt er aber lieber anderen. Es ist bekannt, dass sich die beiden Alphatiere in der Kreispolitik seit vielen Jahren in herzlicher Abneigung verbunden sind.

Trotz einer relativ hohen Verschuldung sieht Neumeyer den Landkreis gut aufgestellt. Die rund 28 Millionen Euro an Verbindlichkeiten sind in seinen Augen kein Hemmschuh für die Entwicklung. "Aber wir müssen die Wirtschaftsförderung intensivieren." Dazu schwebt dem Diplom-Betriebswirt ein Gründerzentrum vor. Im öffentlichen Personennahverkehr setzt er auf alternative Bedienformen, eine Idee, mit der er sich als "einfacher Kreisrat" nie durchsetzen konnte. "Dafür bin ich jahrelang ausgelacht worden, aber es zeigt sich jetzt: Ich hatte recht."

Wird es im dritten Anlauf mit dem Einzug ins neue Landratsamt klappen? "Ich kämpfe", sagt Martin Neumeyer. "Aber ich musste nicht in den Wahlkampfmodus hochschalten, weil ich immer nahe bei den Menschen bin", bemüht er einen bekannten Slogan seiner Partei. "Die Chancen stehen auf alle Fälle nicht schlecht."