Der: Gewässerschutz als Politikum
Große Resonanz: Die Podiumsdiskussion im Neustädter Bürgersaal lockte neben zahlreichen Fischern auch viele interessierte Bürger an.
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DIE INITIATIVE

 

Natürlich gibt es derzeit drängendere Probleme in Deutschland als den Umweltschutz. Das stellte Sebastian Hanfland als Moderator des Abends und zugleich Geschäftsführer des bayerischen Landesfischereiverbands gleich in seiner Einführung fest. Doch anders als die Flüchtlingskrise oder die aktuellen Sicherheitsbedenken sei die Umwelt ein Dauerthema, dem sich die Kandidaten ebenso widmen müssten. "Ein Landrat hat dabei die Möglichkeit, durch Auflagen regulierend einzugreifen", erinnerte der Fachmann die Kandidaten. Die Öko-Allianz, unter deren Dach sich zahlreiche Vereine, Gruppierungen und Einzelpersonen zusammengeschlossen haben, fordert daher nicht nur ein Umdenken, sondern auch "mehr und vor allem funktionierende Kontrollen", wie Hanfland betonte.

 

LANDWIRTSCHAFT IM KREIS

 

Was auf den Äckern im Landkreis Kelheim passiert, bewerten die Kandidaten zum Teil sehr unterschiedlich. Der SLU-Bewerber Alois Schweiger zum Beispiel hält es schlichtweg für falsch, von einer Monokultur auf den hiesigen Feldern zu sprechen. "Der optische Eindruck ist derzeit natürlich anders, weil eigentlich nur noch der Mais steht", wusste der Hienheimer, der auch Geschäftsführer des Bauernverbands im Landkreis ist. Doch regelmäßige Fruchtwechsel seien den Betrieben vorgegeben und daher zwingend umzusetzen - was laut Schweiger auch der Fall ist. Fritz Zirngibl von der Bayernpartei hält den für die Biogasproduktion angebauten Mais unterdessen für ein gewaltiges Übel. "Das nimmt überhand", erklärte der Teugner, der zunehmende Abschwemmungen befürchtet. "Der Dreck gehört aber auf die Felder, denn nur dort bringt er was." Einer zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft erteilten die Kandidaten indes eine Absage. "Wir benötigen stattdessen Betriebe, die im Einklang mit der Natur arbeiten", forderte etwa Birgit Wack von der ÖDP.

 

EROSION ALS PROBLEM

 

Sobald das Erdreich in Bewegung ist, droht Gefahr für die Gewässer. Doch schon jetzt gilt der Zustand der Donau laut Moderator Hanfland nur als mäßig, die Qualität der Abens sogar als unbefriedigend. Die Folge: Durch Abdeckung der Kiesgründe verschwinden die Laichstellen für viele Fischarten. Eine Lösung: Uferstreifen, mit denen sich alle Kandidaten anfreunden könnten. "Andere Länder haben hier gesetzliche Vorgaben", erklärte CSU-Kandidat Martin Neumeyer. Der Freistaat setze stattdessen auf Freiwilligkeit. Dem Abensberger und auch seiner Mitbewerberin Birgit Wack schwebt jedoch eine Art runder Tisch vor, an dem Verwaltung, Landwirte und Betroffene Lösungen erarbeiten. "Denn Erosion ist doch für keinen Bauern etwas Gutes", erinnerte Neumeyer. Der Sozialdemokrat Stephan Schweiger sieht auch die Gemeinde in der Pflicht. Diese müssten gewährleisten, dass die Straßengräben das Oberflächenwasser auch aufnehmen können.

 

 

GEFAHR DURCH BIOGAS

 

Der Fall Eschenhart lässt Fischer noch immer wütend werden. Nach einem Unfall in einer Biogasanlage in dem Wildenberger Ortsteil war vor rund zweieinhalb Jahren Gärsubstrat in den Perka-Bach und in die Abens geflossen. Zahlreiche Fische waren in der Folge verendet. Doch wie lässt sich ein solcher Vorfall in Zukunft vermeiden? "Wir müssen zusätzlichen Druck aufbauen", forderte FDP-Kandidat Heinz Kroiss und appellierte an den guten Willen der Betreiber. "Keiner lässt sich gerne als Umweltfrevler hinstellen." Fritz Zirngibl ging sogar noch weiter und forderte verstärkte Kontrollen. "Es geht dabei um unser Trinkwasser und da darf es kein Pardon geben", betonte er. Diesen Ansatz griff Martin Neumeyer auf. Er rief aber dazu auf, Verdachtsmomente sofort den Mitarbeitern im Landratsamt zu melden. "Wir haben dort sehr gutes Personal", erinnerte er. Fritz Mathes von den Freien Wählern sprach sich außerdem dafür aus, die Naturschutzverbände einzubinden. Unzufrieden ist unterdessen Manfred Beck, Vorsitzender des Kreisfischereivereins. "In Eschenhart haben wir zwei Jahre gebraucht, um den Bach wieder hinzubekommen", erklärte er. Doch ein Wall um die Anlage existiere noch immer nicht. "Warum dauert das so lange"

 

 

KLÄRSCHLAMM ALS DÜNGER?

 

"Klärschlamm hat als Dünger keine Zukunft", findet Stephan Schweiger. Der SPD-Kandidat sieht die Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen, durch die auch Schadstoffe in das Grundwasser gelangen, daher als Unding. Stattdessen fordert er eine zügige Umsetzung des kreisweiten Konzepts zur Trocknung und Verbrennung. "Das ist Aufgabe der Kommunen mit dem Landkreis als Koordinator." FDP-Bewerber Heinz Kroiss erinnerte an die gesundheitlichen Folgen durch Schwermetalle im Körper. "Die Verbrennung ist daher momentan der beste Weg." Als "Mammutaufgabe für die Gesellschaft" wertet Alois Schweiger das Problem. Er fürchtet, dass mit der Verbrennung wichtige Mineralien für immer aus dem Nährstoffkreislauf verschwinden. Fritz Mathes verwies auch auf die bereits vorhandene Möglichkeit, den Schlamm anders zu entsorgen. Die Anlagen in Mainburg und Saal sind seinen Worten zufolge bereits entsprechend ausgerüstet. "Doch derzeit besteht keine Pflicht", sieht er Nachholbedarf beim Gesetzgeber. Martin Neumeyer sprach sich unterdessen für einen Modellversuch mit einem der Nachbarkreise aus.

 

 

DIE ZUKUNFT

 

Wird der neue Landrat in Zukunft der Öko-Allianz bei deren Treffen über das Geschehen im Kreis berichten? Diese kleine Frage hatten gleich mehrere Kandidaten auf ihrem Fragebogen übersehen. Einig waren sich die sieben Politiker trotzdem: Ja, sie wollen diesen Wunsch erfüllen. Fischerchef Beck ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte, die Öko-Allianz bei sämtlichen Fragen der Ökologie in Zukunft anzuhören. Ob sich auch dieses Anliegen erfüllen wird, ließen die Kandidaten bei der Diskussion allerdings offen.