Daheim: "Ich will Gemeinsamkeiten herausstellen"
Befürworter einer transparenten Kreispolitik: Alois Schweiger will für die Stadt-Land-Union das Landratsamt erobern. Dabei setzt der 57-Jährige aus Hienheim auch auf einen offenen Umgang mit den Bürgern. - Foto: Janda
Daheim

Daheim im Wintergarten hat der Hausherr seinen Stammplatz. Am Kopfende des rustikalen Esstischs sitzt er gerne und versammelt seine Familie mit Frau Brigitta und den vier inzwischen erwachsenen Kindern um sich. "Weil ich viel unterwegs bin, ist für mich mein Zuhause ein wichtiger Rückzugsort", sagt Alois Schweiger. Nun will der Hienheimer mit dem Chefsessel im Kelheimer Landratsamt aber einen zweiten Stammplatz erobern. Für die Stadt-Land-Union (SLU) bewirbt er sich um den Posten. Seine Chancen? Da gibt sich der Landwirt betont gelassen. "Das lassen wir mal lieber den Wähler am 18. September und am 2. Oktober bei der Stichwahl entscheiden", lacht Schweiger die Frage weg. Eine Prognose ist ihm nicht zu entlocken.

Wie er es von seinem Beruf als Geschäftsführer des Bauernverbands gewohnt ist, hat er sich nach einem akribischen Aktenstudium tief in die Materie der Kreispolitik hineingearbeitet. Die wichtigsten Zahlen und Fakten sind ihm präsent. Die Antworten kommen im Gespräch mit unserer Zeitung abwägend, aber nicht zögerlich. Er will Klartext reden, "so wie ich es mit meinen Bauern gewohnt bin". Aber keinesfalls wolle er eine Politik nur für die Landwirte machen. "Manche glauben schon, wenn ich Landrat werde, dann werden überall riesige Sauställe gebaut", doch so sei das nicht. "Ich will Gemeinsamkeiten herausstellen."

Die Asylproblematik hat der Landkreis nach dem Dafürhalten des Hienheimers "recht gut gemeistert". Nun aber stehe die weit schwierigere Aufgabe der Integration an. "Da muss noch mehr passieren", sagt er und wünscht sich ein vom Landkreis angestoßenes Wohnungsbauprogramm nach dem Vorbild von Abensberg auf dem Gelände der Firma Stanglmeier. Freilich weiß der Stadt- und Kreisrat, dass die Planungshoheit bei den Gemeinden liegt, "aber wir müssen alle ins Boot holen". Schweiger warnt aber: "Es darf keine Ghettos für anerkannte Flüchtlinge geben."

Dass er im Falle seiner Wahl in ein neues Landratsamt einziehen wird, nimmt der 57-Jährige so hin, wie es nun einmal gekommen ist. Dass er lange ein Befürworter einer Sanierung gewesen ist, will er gar nicht verschweigen. Schließlich habe er sich aber von den vorgelegten Zahlen überzeugen lassen und für einen Neubau gestimmt. Dass nicht zuletzt dadurch die Verschuldung des Landkreises in die Höhe geschnellt ist, sieht der SLU-Kandidat mit Sorge. Er ist aber durchaus optimistisch, den Schuldenberg aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage abbauen zu können. "Unsere kleinen und mittleren Unternehmen und unsere Industrie sind gut aufgestellt."

Mehr Kopfzerbrechen bereitet dem Hienheimer die zunehmende Belastung des Landkreises im sozialen Bereich, die durch Bund und Land nicht mehr kompensiert wird. "Ich sehe da kein Ende." Die übrigen Ausgaben seien dagegen durchaus überschaubar. Das gilt für Schweiger auch in Bezug auf die beiden Krankenhäuser, für deren Erhalt es in seinen Augen keine Alternative gibt. "Auf gut Bayrisch: Da ist einiges in der Geschäftsführung schiefgelaufen." Nun setzt er für die Ilmtalklinik auf die Umsetzung des Gutachtens einer Beraterfirma, während an der Goldbergklinik der B-Bau so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden muss. Der Erhalt der beiden Häuser "um jeden Preis" steht nicht im Programm des SLU-Kandidaten. "Aber eine halbe Million Euro im Jahr sollten uns die Kliniken schon wert sein."

Ein klar umrissenes 100-Tage-Programm hat Alois Schweiger nach eigener Aussage nicht. Er weiß allerdings, dass schon bald nach seinem möglichen Dienstantritt am 1. November die Verabschiedung des neuen Haushalts anstehen wird. "Daher ist es für mich wichtig, dass die Verwaltung gleich nach dem Wechsel reibungslos weiterläuft." Irgendwelche Überraschungen im Etat für das kommende Jahr erwartet er nicht. "Das können wir uns auch nicht leisten."

Das gilt für den Neustädter Stadtrat in gewisser Weise auch im Zusammenhang mit einem möglichen Gymnasium in seiner Heimatstadt. "Ich bin ein Befürworter jeder weiterführenden Schule. Also wenn die Schülerzahlen stimmen, dann sollte der Landkreis zuschlagen." Das Gleiche gilt für den gelernten Maschinenbauer und Diplom-Agraringenieur (FH) für eine mögliche Hochschulansiedlung im Kreisgebiet.

Am Herzen liegt dem in der Öffentlichkeitsarbeit erfahrenen BBV-Mann eine Öffnung des Landratsamts zu den Bürgern. So will er die Protokolle der öffentlichen Sitzungen ins Internet stellen. "Die Informationspolitik für den Bürger soll transparenter werden." Auch in der Verkehrsinfrastruktur erkennt der Hienheimer "so manche Baustelle". Für einen durchgängigen dreispurigen Ausbau der B 16 würde er den dazu notwendigen Flächenverbrauch in Kauf nehmen.

Am scheidenden Landrat Hubert Faltermeier hat Alois Schweiger im Rückblick nichts auszusetzen, will sich aber auch nicht weiter mit dessen Bilanz auseinandersetzen. Nicht ganz nachvollziehen kann er es jedoch, dass es der FW-Politiker in fast einem Vierteljahrhundert nicht geschafft hat, den seit Mitte der 1980er Jahre außerturnusmäßigen Wahltermin des Kreisoberhaupts wieder mit den Kommunalwahlen zusammenzulegen. "Das kostet die Kommunen doch immer einen Haufen Geld." Alois Schweiger verspricht daher schon jetzt, sich mit dann knapp 61 bereits in vier Jahren erneut dem Votum der Bürger zu stellen.