Da: "Ich will mehr Transparenz wagen"
Kritiker und Denker: Heinz Kroiss fordert mehr Flexibilität bei schwierigen Themen. Nur auf diese Weise kann der Landkreis aus Sicht des FDP-Landratskandidaten in Zukunft seinen erfolgreichen Kurs fortsetzen. - Foto: Janda
Da

Von seinen Vorstellungen, manchmal auch Visionen, erzählt der dreifache Familienvater in seinem Haus mitten in der Babonenstadt. Für das Gespräch hat er die vertraute häusliche Umgebung einem Lokal oder der Hektik seiner Praxis vorgezogen. Hund Leo genießt den warmen Sommertag draußen im Garten, während der Hausherr drinnen sein Programm erläutert. "Alles in allem läuft es ganz passabel", beurteilt Kroiss die Lage des Landkreises. "Aber es gibt durchaus Defizite." Über die Bilanz von Landrat Hubert Faltermeier (FW) spricht der FDP-Politiker nicht gerne. "Mir geht es mehr um Chancen für die Zukunft."

Obwohl lange Verfechter einer Sanierung des Wittelsbacher Schlosses, sieht Kroiss im neuen Landratsamt die Chance für einen Neustart. Nach dem Dafürhalten des Liberalen könnte die Verwaltung durchaus verschlankt werden. "Vieles könnte flexibler gemanagt werden", sagt er und nennt als Beispiel die Asylpolitik. "Da hat die Verwaltung schon gestöhnt und geächzt. Ohne eine funktionierende Bürgergesellschaft wäre das Problem nicht zu lösen gewesen", sagt der Initiator des seit einigen Jahren verliehenen liberalen Bürgerpreises.

Dass die Integration der anerkannten Asylbewerber eine Herkulesaufgabe wird, weiß Kroiss. "Vor allem die Schaffung von Wohnraum ist eine Herausforderung für die Kommunen", sagt der Abensberger Stadt- und Kreisrat. Ganz Liberaler, setzt er auf die Mechanismen des Markts anstatt auf staatliche Initiativen; Wohnbauprogrammen der öffentlichen Hand kann er nichts abgewinnen. Da vertraut er lieber privater Investitionsfreudigkeit. Und das stellt er sich so vor: "Wenn Eigentumswohnungen gebaut werden, dann ziehen Leute ein, deren frühere Wohnungen frei werden."

Soll der Landkreis seine beiden Krankenhäuser erhalten? Kroiss beantwortet diese Frage mit einem klaren "Ja". In kommunaler Hand? "Ja, ich bin da kein Hurra-Privatisierer." Und mit allen Mitteln? Da zögert er dann doch etwas. "Es sind in jüngster Vergangenheit viele Fehler gemacht worden", findet der Mediziner, der zuletzt harte Kritik am Aufsichtsrat der Ilmtalklinik geübt hatte. Freilich weiß der Liberale, dass das politische Umfeld für kleinere Häuser schwierig ist. Eine Reihe von Fehlern hält er allerdings für hausgemacht. "Es wurde oft zu spät und zu zögerlich reagiert."

Mit Sorge blickt Kroiss auf die Verschuldung des Landkreises - obwohl er kein Projekt der vergangenen Jahre sieht, "das für die Katz gewesen wäre". Einen Masterplan, den Schuldenberg abzubauen, hat er nach eigenem Bekunden nicht. "Es wären aber heute nicht 28 Millionen Euro Schulden, wenn wir nicht jedes Jahr eine halbe Million Defizite in den Krankenhäusern hätten." Daher hält es der FDP-Politiker für die dringendste Aufgabe des neuen Landrats, die Kliniken wieder in die Spur zu bringen. "Kleine Krankenhäuser sollten sich auf ihre Stärken in der Grundversorgung konzentrieren und keine Experimente wagen."

In Bezug auf die Schulen sieht der Kandidat den Landkreis gut aufgestellt. Also kein Gymnasium in Neustadt? "Das hat für mich keine Priorität. Aber man muss sich die Schülerzahlen noch einmal genau anschauen", sagt Kroiss, dessen Gattin Karin am Rohrer Gymnasium unterrichtet. Dass trotz der Millioneninvestitionen für den Neubau der Staatlichen Realschule in Riedenburg und die neue Realschule in Mainburg in den vergangenen Jahren nicht alles rund gelaufen ist, macht Kroiss am Beispiel des Sonderpädagogischen Zentrums in Thaldorf fest. Die Sanierung des maroden Gebäudes ist seiner Ansicht nach zu halbherzig erfolgt. Die Ansiedlung an der Grund- und Mittelschule Saal wäre in seinen Augen nicht zuletzt unter dem Aspekt der Inklusion die bessere Lösung gewesen.

Seinen Wahlkampf bestreitet Kroiss zum Großteil als Einzelkämpfer. Aber das ist der FDP-Politiker gewohnt, dessen einzig im Kreistag verbliebener Parteifreund Andreas Fischer unlängst ins Lager der SLU gewechselt ist. Den üblichen Wahlkampfmarathon mit Auftritten in jedem Winkel des Landkreises wird er sich nicht antun. "Aber ich scheue mich nicht, mit den Bürgern im Wirtshaus zu sitzen und zu diskutieren", will er betont wissen.

Seine Chancen, am 1. November tatsächlich im Chefsessel des neuen Landratsamtes Platz zu nehmen, schätzt Kroiss "realistisch" ein. Nach 14 Jahren im Stadtrat und genauso lange im Kreistag traut er sich die Aufgabe zu. Als Verlegenheitslösung seiner Partei oder gar Zählkandidat sieht er sich nicht. "Ich will den Bürgern ein Angebot machen, das sie so bei meinen Mitbewerbern bestimmt nicht finden werden."