Bad: Unzufrieden mit dem Wahlausgang
Lange Gesichter gab es bei der Jahresversammlung der Freien Wähler in Bad Gögging. Die klare Niederlage bei der Landratswahl schmerzte die Mitglieder. Der Vorsitzende Fritz Mathes und Fraktionssprecher Jörg Nowy (beide hinten, Mitte) analysierten die Gründe für das schlechte Abschneiden. - Foto: Rast
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"Ich war stolz, der Landratskandidat der Freien Wähler zu sein", erklärte Fritz Mathes am Donnerstagabend bei dem Treffen in Bad Gögging. Der FW-Kreisvorsitzende forderte die etwa 20 anwesenden Mitglieder aber auf, sich bei den nächsten Wahlen besser ins Zeug zu legen. "Wahlkämpfe gehen nicht ohne Arbeit", schrieb Mathes der FW-Basis ins Stammbuch. Er bedauerte, dass die Unterstützung durch die FW-Ortsverbände während seines Wahlkampfes "zwischen null und 100 Prozent" geschwankt habe. "Einen Informationsstand kann der Kandidat aber nicht alleine machen", kritisierte er.

Allerdings bereue er es nicht, sich zur Wahl gestellt zu haben. Der Wahlkampf sei eine sehr interessante Zeit gewesen. Er habe viele Vereine und Persönlichkeiten kennengelernt. Insgesamt, so berichtete Mathes weiter, sei er 7000 Kilometer durch den Landkreis gefahren. An jedem Wochenende habe er vier bis zehn Veranstaltungen abgehalten. Insgesamt habe er 46 Wahlversammlungen mit Ständen absolviert. "Mehr wäre nicht möglich gewesen", lautete sein Fazit.

Mathes vermutete, dass der neue Landrat Martin Neumeyer (CSU) für seinen Wahlkampf einen sechsstelligen Betrag ausgegeben habe, ein Vielfaches der Summe, die den Freien Wählern zur Verfügung stand. "Vielleicht ist mit Geld doch ein Wahlkampf zu gewinnen", mutmaßte Mathes. Er bedauerte zudem, dass die Freien Wähler während des Wahlkampfes wenig Unterstützung durch den damals noch amtierenden Landrat Hubert Faltermeier erhalten hätten. Das Problem sei allerdings gewesen, dass FW-Mitglied Faltermeier gleichzeitig als Wahlleiter fungiert habe und somit zur Neutralität verpflichtet war. In der Person von Faltermeier hatten die Freien Wähler 24 Jahre lang das Landratsamt beherrscht.

"Sehr enttäuscht" äußerte sich der FW-Vorsitzende über die Tatsache, dass in Person von Wolfgang Gural nun ein CSU-Politiker als Vize-Landrat fungiert. Es sei missachtet worden, dass bislang immer die nächst-stärkste Fraktion den Stellvertreter gestellt habe. Kritik äußerte Mathes zudem an der fortwährenden Tätigkeit Neumeyers als Integrationsbeauftragter der bayerischen Staatsregierung. Dieses Amt wird der Landrat aber am 28. Februar niederlegen.

Eine schonungslose Analyse der Landratswahl nahm der FW-Fraktionssprecher Jörg Nowy vor. "Die Stichwahl war unser Ziel, das haben wir nicht erreicht", stellte der Essinger Bürgermeister fest. Trotz des engagierten Wahlkampfes von Mathes habe man mit dem CSU-Kandidaten Neumeyer nicht mithalten können. "Das müssen wir neidlos anerkennen", sagte Nowy. Zudem sei die Stimmung gegen die Freien Wähler gewesen. "Wir hatten keine Chance und sind unter unseren Erwartungen geblieben." Immerhin aber habe Mathes das zweitbeste Ergebnis unter den sieben Kandidaten erzielt. Allerdings hätten die Freien Wähler fest damit gerechnet, die Stichwahl zu erreichen, sagte Nowy. "Deshalb sind wir mit dem Wahlausgang nicht zufrieden." Er wies die Mitglieder darauf hin, dass bereits in den kommenden Jahren weitere Wahlen anstehen würden. Deshalb gelte es, Lehren aus der Niederlage bei der Landratswahl zu ziehen. "Es ist fraglich, ob Wahlversammlungen noch zeitgemäß sind." Bei Informationsständen habe man dagegen eine bessere Resonanz erzielt. Das muss laut Nowy bei zukünftigen Wahlkämpfen bedacht werden.

Mitglied Ludwig Birkl forderte, die Gründe für die Wahlniederlage genau zu untersuchen. Die Freien Wähler hätten, wie bereits bei der Kreistagswahl, etwa 16 Prozent erzielt. "Bei diesem Wert scheinen wir festzusitzen", sagte Birkl. Er konstatierte, dass sowohl die SPD als auch die Stadt-Land-Union gegenüber der Kreistagswahl verloren hätten. Dennoch müssen sich die Freien Wähler laut Birkl einer wichtigen Frage stellen: "Wie kommen wir wieder in die Größenordnung von 20 Prozent"

Karl Zettl bezeichnete Neumeyer "als Hansdampf in allen Gassen, den jeder Bürger kennt". Damit erkläre sich der Durchmarsch des neuen Landrats im ersten Wahlgang. Der FW-Kreisrat aus Bad Gögging bemängelte jedoch, dass die Freien Wähler nach dem Ausscheiden des früheren Landrats Faltermeier kein Zugpferd für die Kreistagswahl mehr hätten.

Dem pflichtete FW-Kassier Heribert Schwindl bei: In den vergangenen fast 25 Jahren sei Faltermeier die Wahlkampf-Lokomotive der Gruppierung gewesen. "Doch er hat vergessen, einen Nachfolger aufzubauen", rügte Schwindl in Abwesenheit des Genannten. Er forderte, dass die Freien Wähler bei der nächsten Landratswahl unbedingt wieder einen eigenen Kandidaten aufstellen müssten.

FW-Kreisrat Sepp Egger aus Mainburg warnte davor, bei den kommenden Wahlkämpfen weniger Versammlungen abzuhalten. "Wir müssen die Nähe zum Bürger beibehalten, ein Sparwahlkampf hilft nichts." Der zweite Stellvertreter des Landrats verlangte, dass in jeder Gemeinde ein aktiver FW-Ortsverband aufgebaut werden müsse: "Weiße Flecken sind für uns tödlich." Dem stimmte Mathes zu: "Wir brauchen Nachwuchs." Dabei hätte die FW viele junge Mitglieder, doch diese müssten motiviert werden, um in der Kommunalpolitik aktiv zu werden.

"Die Landratswahl war in dieser Konstellation nicht zu gewinnen", erklärte der FW-Nachwuchspolitiker Christian Hanika aus Bad Abbach. Denn Neumeyer sei in den Medien omnipräsent gewesen. "Nun ist er gewählt, und wir müssen mit ihm zusammenarbeiten", sagte Hanika. Der FW-Kreisrat schlug vor, die Strukturen der FW für die kommenden Wahlkämpfe auszubauen, indem man die Zusammenarbeit zwischen den Ortsverbänden vertieft. Auch Hanika zweifelte am Sinn von Wahlveranstaltungen: "Da kommen immer die gleichen Sympathisanten." Etwa 95 Prozent der Bevölkerung seien generell nicht politikaffin. Doch diese Bürger gelte es zu erreichen. "Das ist die Hauptschwierigkeit", so Hanika.