Abensberg: Wahlkampf mit Rhythmusgefühl
Musikalisch: Vor rund 30 Zuhörern hat die ÖDP-Landratskandidatin Birgit Wack (links) in Abensberg ihr Programm vorgestellt. Mit dabei: Liedermacherin Susi Wagenbauer, die Wacks Wahlkampfsong komponiert hat. - Foto: Bruckmeier
Abensberg

Die Kandidatin aus dem Neustädter Ortsteil Mühlhausen kam im feschen Dirndl, um sich und ihr Programm vor rund 30 Zuhörern vorzustellen. Dass sie vor 50 Jahren außerhalb der bayerischen Grenzen im hessischen Hanau geboren wurde, haben ihr ihre Anhänger gleich zu Anfang der Veranstaltung mit einem aufmunternden Applaus verziehen. "Mein Mann und ich haben uns vor 20 Jahren bewusst für Bayern entschieden", betonte sie und stellte ihren "typischen Werdegang als Frau und Mutter" vor.

Jetzt, mit 50, hat sie sich neue Ziele gesteckt. "Warum soll ich nicht als Landrätin kandidieren" Niemand im Saal widersprach. Bisher ohne politisches Mandat kann sie bereits einige Aktivitäten vorweisen: eine Fairtrade-Initiative in ihrer Heimatstadt Neustadt, der Kampf um die Ortsumfahrung von Mühlhausen und die Dorferneuerung, die jetzt in Gang kommt. "Das alles zeigt: Man kann sich als Bürger einbringen", gibt sich die ÖDP-Kandidatin selbstbewusst. "Was hilft denn jammern? Man kann doch etwas tun", rief sie ihre Anhänger zu mehr Engagement auf.

Mit ihrem Programm, das sie in den folgenden eineinhalb Stunden im Wechsel mit Songs der Liedermacherin Susi Wagenbauer präsentierte, kam Wack beim überwiegend aus Parteifreunden besetzten Publikum gut an. Das galt genauso für die Gäste aus den Reihen der "Ferkelnest"-Gegner aus Irnsing. Gerade sie versprechen sich von einer ÖDP-Landrätin offensichtlich Unterstützung in ihrem Kampf gegen einen Schweinemaststall mit 10 000 Tieren, wie ihr Sprecher Anton Eichinger wissen ließ. Bei Birgit Wack rennt er offene Türen ein. Massentierhaltung ist ihr ein Graus. Anders als beim amtierenden Kreischef Hubert Faltermeier (FW)? Die "Ferkelnest"-Gegner haben da so eine Ahnung: "Der Landrat hat uns behandelt wie Schulbuben", schimpfte Eichinger.

Echten Umweltschutz, direkte Demokratie und regionale Wirtschaftspolitik benannte Wack als Säulen ihres Programms. Die Vielfalt des Landkreises will sie nach eigener Aussage nutzen, "um diese schöne Region in Bayern voranzubringen". Dazu möchte sie Spielräume ausschöpfen, die trotz aller finanzieller Engpässe bleiben.

Freilich weiß sie auch um die Problemfelder der Kreispolitik, die sie nicht aussparen wollte. Zum Beispiel die Krankenhäuser, die sie "so attraktiv machen" will, "dass sie die Leute nicht nur bei einem Schwächeanfall nutzen". Dabei hilft aus ihrer Sicht kein rigoroser Personalumbau, vielmehr müssten die Mitarbeiter dort hingestellt werden, wo ihre Stärken sind", meinte Wack mit Blick auf die Ilmtalklinik. Defizite macht die ÖDP-Bewerberin auch bei der Energiewende aus. Das Umsteuern auf erneuerbare Energieformen geht ihr viel zu langsam voran.

Zwei Themenfelder wollte Birgit Wack an diesem Abend groß herausstellen. So forderte sie eine neue Initiative im sozialen Wohnungsbau im Landkreis. Zum anderen warb sie für ein neues Konzept im öffentlichen Personennahverkehr. Nachhaltigkeit ist ein weiterer Begriff, den Wack in den Fokus rücken will. Das beginnt für die dreifache Mutter im eigenen Haushalt. Besonders lobte sie die Initiative ihres Mainburger Parteifreunds Bernd Wimmer, der ein Repair-Café auf die Beine gestellt hat. "So etwas wünsche ich mir überall im Landkreis. Diese Wegwerfgesellschaft bringt uns doch nicht weiter." Nach dem Vorbild des ÖDP-Kreisvorsitzenden Peter-Michael Schmalz will die Kandidatin für mehr Transparenz in der Kreispolitik sorgen. Warum die von Schmalz einst erstrittene Informationsfreiheitssatzung in der Versenkung verschwunden ist, vermochte selbst der einzig anwesende Kreisrat Ferdinand Hackelsperger nicht zu sagen. Wack versprach aber, diese im Falle ihrer Wahl umgehend wieder einzuführen.

Bleibt noch die Sache mit dem Wahlkampfsong. Den singt mit Susi Wagenbauer eine gestandene bayerische Liedermacherin, die sich selbst mit der Gitarre begleitet. Zu hören ist der Song, unterlegt mit Bildern von verschiedenen Auftritten Wacks auf der Facebookseite der ÖDP-Kandidatin.