Waldjugendspiele im Frauenforst bei Kelheim Fotos: Erl
Erl, Lorenz, Riedenburg-Deising (Lorenz Erl)
Riedenburg/Kelheim

Für viele Kinder im Landkreis ist es gar nicht so einfach, das viele Grün im Wald auseinanderzuhalten. „Nein, es ist nicht die Fichte – es ist die Kiefer“, wiederholt Forstpate Hubert Beslmeisl auch bei den 48. Waldjugendspielen immer wieder geduldig. Er kennt diese Situation, sie wiederholt sich fast in jedem Jahr: die Drittklässler im Landkreis sind hier gemeinsam mit einem Förster im Wald und dabei so aufgeregt, dass sie schon mal das frisch gehörte im Handumdrehen vergessen. Doch Förster Beslmeisl vom Revier Riedenburg nimmt das gelassen. Er hat lieber viel Freude daran, einmal im Jahr nicht nur Waldbesitzer zu beraten und zu fördern. Ihm ist wichtig, die Kinder für den Wald zu begeistern und die Tage bei den Waldjugendspielen als Gegensatz zum Schulalltag zu gestalten. „In den dritten Klassen sind die Kinder noch nicht von Computern und Smartphones beeinflusst. Ihr Interesse am Wald und allem, was sich darin bewegt, ist phänomenal“, lautet seine Erfahrung.

In diesem Jahr waren 27 Schulen aus dem gesamten Landkreis mit 57 dritten Klassen und insgesamt 1142 Schülern zu insgesamt drei Schultagen im Wald willkommen. Auch zwei Klassen aus Riedenburg waren für Donnerstag angemeldet, doch leider musste dieser letzte Tag der Waldjugendspiele wegen Starkregens abgesagt werden. Auch der neue Leiter des Forstbereichs am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg als Chef des Organisationsteams war vom Feuereifer der Schulkinder an den verbliebenen beiden Tagen gefesselt. „Es ist reizvoll zu sehen, wie engagiert die Kinder mitmachen“, betonte Peter Enders.

Für die Drittklässler sind die Waldjugendspiele eine abwechslungsreiche Mischung von Geschicklichkeits- und Schnelligkeitsspielen, von Wissenstests rund um den Wald und seine Bewohner sowie von ruhigen Beobachtungsaufgaben. Eingebunden ist das alles in eine gut dreistündige Wandertour durch einen vielfältigen Mischwald nahe des Frauenhäusls bei Kelheim. Dabei haben Kinder und Lehrer die Gelegenheit, „ihren“ Förster mit Fragen zu löchern oder lieber den Hund zu streicheln.

„Hier dürfen die Kinder selber mit machen. Das ist ja auch die Basis unseres Bildungsauftrages, die Kinder zu integrieren und das Interesse am Wald und an der Natur zu wecken“, weiß Hubert Beslmeisl aus der Praxis. Als Klassenleiterin der Eduard-Staudt-Förderschule Thaldorf erlebt Valerie Reindl diese Art der Waldjugendspiele zum ersten Mal. „Einen Tag in der Natur zusammen mit einem Förster zu verbringen, ist super,“ bestätigt sie und sieht diesen Erlebnistag im Grünen als Chance für die Kinder, den Wald intensiv zu erleben. „Ich glaube schon, dass da mehr hängen bleibt, als wenn ich es an der Tafel erzähle“, sagt sie.

Waldjugendspiele im Frauenforst bei Kelheim Fotos: Erl
Erl, Lorenz, Riedenburg-Deising (Lorenz Erl)
Riedenburg/Kelheim

Der Blick auf die strahlenden Kinder und ihren Tatendrang unterstreicht dies. Schon an der ersten Spielstation können die Buben und Mädchen beim „Sterschlichten“ ihre überschüssige Energie abbauen. Es gilt, einige Holzprügel in möglichst kurzer Zeit von einem Lagerplatz zum nächsten zu bringen. Natürlich dürfen die Klassenkameraden ihre Läufer nach Leibeskräften anfeuern und das sind Momente, in denen sich nicht nur Förster über Kindergeschrei im Wald freuen.

Ein paar Stationen weiter müssen Baumarten anhand von Zweigen und Holzteilen erkannt werden. Beim Wissenstest über die Zusammenhänge im Wald zeigt sich später, wer dem Förster aufmerksam zugehört oder zuvor beim Unterricht an der Schule aufgepasst hat. Doch für diese Stunden im Wald werden keine Noten verteilt, sondern nur Erinnerungsstücke. Neben einem Gruppenfoto und orangefarbenen Mützen bekommt jedes Kind eine Teilnahmemedaille aus Holz umgehängt. Und so fällt die Frage der Forstpaten am Ende des abenteuerreichen Waldwandertages, ob ein Tag im Wald schöner sei als einer in der Schule, immer mit einem donnernden „Jaaa!“ aus vielen Kinderstimmen aus.