Aus Anlass des Geburtstages von Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor genau 200 Jahren nahmen die Vorstände der Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim nach der Bilanzpressekonferenz in Bad Abbach eine Nachbildung des legendären Gründers der Genossenschaftsbanken in ihre Mitte. Auch Landrat Martin Neumeyer (2.v.r.) machte den Bankern die Aufwartung.
Aus Anlass des Geburtstages von Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor genau 200 Jahren nahmen die Vorstände der Raiffeisenbanken im Kreis Kelheim nach der Bilanzpressekonferenz in Bad Abbach eine Nachbildung des legendären Gründers der Genossenschaftsbanken in ihre Mitte. Auch Landrat Martin Neumeyer (2.v.r.) machte den Bankern die Aufwartung.
Foto: Rast
Bad Abbach
Zum Kreisverband gehört auch die Raiffeisenbank Riedenburg-Lobsing. Sie steuerte im vergangenen Jahr 480 Millionen Euro, also rund ein Viertel, zur Bilanzsumme der Genossenschaftsbanken bei. Die weiteren Partner im Verband sind die Raiffeisenbanken in Bad Abbach-Saal, Bad Gögging und Aiglsbach sowie die Gastbanken Hallertauer Volksbank und Raiffeisenbank Hallertau. Der größte Partner ist Bad Abbach-Saal mit 690 Millionen Euro Bilanzsumme. Diese Bank soll noch heuer mit Bad Gögging (546 Millionen Euro Bilanzsumme) fusionieren (siehe eigenen Bericht). Durch den Zusammenschluss will man die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit beider Häuser nachhaltig sichern und Synergieeffekte bei den Kosten erzielen.

"Wir knüpfen an das gute Vorjahr an", sagte Albert Lorenz, der Vorsitzende des Kreisverbands. Er führte die erfreuliche Entwicklung auf die hervorragend laufende Konjunktur und die "gute Marktbearbeitung" durch die Mitarbeiter zurück. So gelinge es, die ständig sinkende Zinsspanne durch ein "starkes Wachstum des Volumens" auszugleichen. Generell könne man trotz der Null-Zins-Politik zufrieden sein. Lorenz sprach von einer "Renaissance des Regionalen". Die Kunden hätten Vertrauen in die Raiffeisenbanken und würden deren "regionale Produkte" denen der Großbanken vorziehen.

Im laufenden Jahr wollen die Genossenschaftsbanken ein ähnliches Betriebsergebnis ansteuern wie 2017. Lorenz bezifferte den Gewinn vor Steuern auf 17,4 Millionen Euro, etwa 500 000 Euro weniger als im Vorjahr. Von dieser Summe kassiert der Fiskus 4,6 Millionen Euro. Elf Millionen Euro sollen zur Erhöhung der gesetzlich vorgeschriebenen Eigenkapitalquote in die Rücklagen fließen.

Sorgen bereitet den Genossenschaftsbankern die ständig sinkende Zinsspanne. Sie hat sich in den vergangenen vier Jahren von 2,34 Prozent auf 1,93 Prozent verringert. Lorenz befürchtet, dass in den kommenden Jahren ein weiteres jährliches Minus von 0,1 bis 0,15 Prozent auf die Banken zukommt. Verantwortlich für diese Entwicklung ist das Auslaufen der vergleichsweise zinsstarken Altverträge. Obwohl die Zinsen global ihre Talsohle durchschritten haben, bleibt der Direktor skeptisch: "Die Frage, wann die Zinsen in Deutschland wieder steigen, kann derzeit kein Volkswirtschaftler beantworten."

Die Banken reagieren schon seit Jahren mit verstärkten Sparanstrengungen auf die Null-Zins-Politik der Zentralbank. Im Geschäftsgebiet der Raiffeisenbanken wurden im vergangenen Jahr fünf Filialen geschlossen: Hienheim, Schwaig, Biburg, Kirchdorf und Großmuß. "Das bedeutet aber keinen Rückzug aus der Fläche", betonte Lorenz. "Wir bleiben die Bank mit den meisten Geschäftsstellen im Kreis. "

Zu schaffen macht den Genossenschaftsbanken auch die ausufernde Kontrolle durch den Gesetzgeber. "Wir müssen die Anforderungen genauso umsetzen wie die Großbanken." Das habe zur Folge, dass jede einzelne der etwa 900 selbstständigen Raiffeisenbanken in Deutschland den gleichen Bericht an die Bankenaufsicht verfassen müsse, den eine Großbank nur einmal ausarbeite.

Lorenz ging auch auf das Engagement der Raiffeisenbanken im Warengeschäft ein. Wie berichtet, wird das Warengeschäft in der Raiffeisen-BayWa Waren GmbH gebündelt. Dadurch kommt es zum Neubau eines Lagerhauses in Dürnhart bei Biburg. Der Baubeginn soll noch heuer erfolgen, die Fertigstellung wird für das kommende Jahr angestrebt, die Ernte 2019 soll bereits im neuen Lagerhaus abgewickelt werden. Lorenz bezeichnete diese Investition als wichtig für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Landkreis-Mitte.

Stolz sind die Genossenschaftsbanker im Kreis auf ihr gesellschaftliches Engagement, das ihnen im vergangenen Jahr 227000 Euro wert war. Sie stehen hier in der Tradition ihres Gründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der vor genau 200 Jahren, im März 1818, im Westerwald geboren wurde. Der bekannte Sozialreformer gehört zu den Gründervätern der genossenschaftlichen Bewegung. Diese zähle heute alleine in Deutschland etwa 22 Millionen Mitglieder und erfreue sich in der hohen Politik zunehmender Wertschätzung, berichtete Lorenz. "2018 ist deshalb das Raiffeisen-Jahr", erklärte der Bankdirektor. "Die Idee von Raiffeisen trägt seit 200 Jahren", ergänzte Landrat Martin Neumeyer. Folglich müsse es eine hervorragende Idee sein. Der CSU-Politiker würdigte das "perfekte Image" der Raiffeisenbanken. Sie seien für die kleinen Leute und den Mittelstand ein verlässlicher Partner.