Steinsdorf: Schicht um Schicht zur Stuckdecke
Die Stuckateure Andreas Quaas (rechts) und Daniel Geitner tragen Schicht um Schicht Gips auf, bis am Ende die fertigen Stuckelemente entstehen. - Fotos: Ammer
Steinsdorf

Steinsdorf (DK) Das Dach der Steinsdorfer Kirche strahlt in neuem Glanz, von den geborstenen Ziegeln und verkohlten Balken ist nicht mehr geblieben als die Erinnerung an jenen 3. März 2017, an dem das Kirchlein lichterloh brannte. Die Malerarbeiten außen ruhen momentan, wie Kirchenpfleger Wolfgang Roth erzählt, erst im Frühjahr wird es hier weitergehen. "Das Wichtigste war aber, dass das Dach fertig wird", betont Roth. Sogar die Spenglerarbeiten sind hier abgeschlossen. Als nächstes steht die Elektrik an, weiß der Kirchenpfleger. Bis die Kirchturmuhr wieder funktioniert, dürfte es allerdings trotzdem noch dauern - da müsse erst jemand von der Turmuhrenfirma nach Steinsdorf kommen. "Aber im Ort hat sich eh jeder daran gewöhnt, dass die Uhr nicht stimmt", erzählt Roth mit einem Lächeln. Schließlich stehen die Zeiger am Gotteshaus schon seit fast einem Jahr auf kurz vor halb acht.

Im Inneren des Gotteshauses herrscht momentan reger Betrieb. Andreas Quaas und Daniel Geitner stehen mitten im leeren Kirchenschiff und formen aus Gips die Stuckteile nach, die dem Brand zum Opfer gefallen sind. Scheinwerfer beleuchten ihren Arbeitsbereich, rund herum ist es dunkel in der Kirche. Stuckteile, die heruntergefallen aber noch ganz sind, dienen ihnen als Vorlage. Auf diese Weise haben sie sich zwei verschiedene Schablonen, sogenannte Schlitten, aus Holz und Blech gefertigt. In Schichten tragen die beiden den Gips auf eine Platte, bis nach und nach eine etwa einen Meter lange Leiste des Stucks entsteht. Diese wird später - je nachdem, welche der beiden Formen sie hat - an der Kirchenwand oder der Kirchendecke angebracht.

Daniel Geitner rührt frischen Stuckgips an und löffelt mit einer Kelle direkt eine weitere Schicht auf das Element, das vor ihm langsam Form annimmt. Dann zieht er den Schlitten mit der Schablone des Wandstucks darüber und nimmt so Überstände weg. Das wiederholt er so lange, bis das Stuckelement exakt die zum Schlitten passende Form hat, vollkommen glatt, ohne Kanten und Löcher. Aus rund fünf Schichten besteht jedes dieser Elemente, manchmal kommt noch eine sechste Feinschicht darauf. Dabei müssen die beiden Stuckateure zügig arbeiten, der Gips zieht innerhalb von fünf Minuten an. Dann beginnt er zu dampfen und lässt sich nicht mehr formen.

Neben ihnen, in den Schatten, liegen bereits einige fertige Elemente, die schließlich wieder in einem großen Ganzen als Leisten die Kirchendecke und die Wand direkt unterhalb der Decke zieren sollen. Einmal rundum laufen die Stuckbahnen - im neuen Teil der Kirche sind sie durch den Brand beinahe komplett zerstört. Im alten Teil ist an manchen Stellen noch etwas davon zu sehen, doch viele der Stuckelemente sind lose. "Die müssen wir sichern und festigen", erklärt Andreas Quaas. Feuer und Wasser hätten hier viel kaputt gemacht.

Für die ausgebildeten Kirchenmaler und Restauratoren aus Neumarkt ist die Arbeit in der Kirche eine spannende Herausforderung. Schließlich fertige man sonst eigentlich so gut wie nie eine komplette Stuckdecke neu. Um die 100 Meter Stuckelemente brauchen sie zum Beispiel alleine an der Wand. Beinahe einmal rundum eben. "Das nimmt schon Zeit in Anspruch", weiß Quaas. Dafür sei der Stuck in der Steinsdorfer Kirche aber relativ einfach gehalten. Es gebe hier zum Beispiel keine freihändigen Ellipsen zu ziehen, das sei um einiges schwieriger, wissen die Profis. Sie arbeiten als Selbstständige, im Fall der Kirche für die Firma Lerchl aus dem Landkreis Dachau, die unter anderem auf die alte Handwerkskunst des Stuckmarmors sowie auf maßgeschneiderten Stuck wie in der Steinsdorfer Kirche spezialisiert ist.

"Es ist auf jeden Fall ein interessantes Projekt", freut sich Andreas Quaas, während er auf eine leere Arbeitsfläche die erste Schicht Stuckgips aufträgt, aus der später ein weiteres Stück der Stuckleiste für die Decke werden soll. "Man darf nicht zu breit beginnen", verrät der Profi. Mitte der kommenden Woche wollen er und sein Kollege bereits damit beginnen, die Stuckelemente an Wand und Decke zu montieren.

Damit geben sie den Steinsdorfern wieder ein Stückchen mehr ihres Gotteshauses zurück - bis es schließlich wieder in seiner ganzen Pracht die Gläubigen anziehen wird. Allerdings in ganz neuem Glanz, versteht sich.

 

Einen Fernsehbeitrag über die Arbeiten an den Bänken für die Steinsdorfer Kirche und damit über mehrere Tonnen Eichenmassivholz bei der Schreinerei Treffer in Sandersdorf gibt es in der Mediathek von Intv im Internet unter www.intv.de/191438/ zu sehen.