Der Ehrengast der Saisoneröffnung war in diesem Jahr der Kabarettist Wolfgang Krebs, der bei dieser Gelegenheit in seine Paraderollen als Edmund "Ede" Stoiber und Markus Söder schlüpfte, um die ersten weißen Stangen aus dem Boden zu holen. Passanten am Feld von Albert Handschuh in Sandharlanden dürften sich am Samstagnachmittag verwundert die Augen gerieben haben. Steht da nicht der leibhaftige Edmund Stoiber und buddelt den Spargel aus? Oder ist es vielleicht doch der Söder Markus? Des Rätsels Lösung: Es ist Wolfgang Krebs, der für den offiziellen Saisonstart in Abensberg sehr zum Gaudium der Zuschauer die beiden Ministerpräsidenten beim Spargelstechen doubelte.

Mittendrin in der launigen Szene stand Landrat Martin Neumeyer (CSU), der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel den Saisonstart organisiert hatte. Seinen Ehrengast begrüßte der gut aufgelegte Gastgeber als "Ministerpräsident a. D., a. D., a. D.", als dieser zum zackigen Ruetz-Marsch der "MAI-Musi" durch die Reihen der Gäste und dann zur Tat aufs Feld schritt. "Wenn man mir einen Spaten gibt, dann grab' ich das ganze Feld um", ließ Krebs in seinem unnachahmlichen "Stoiber-Sprech" verlauten.

Der prominente Kabarettist freute sich, wieder einmal in Abensberg zu sein. Denn für Wolfgang Krebs ist die Aventinusstadt keine Unbekannte. Elf Jahre lang brillierte der Verwandlungskünstler auf dem Gillamoos in den verschiedenen Rollen der bayerischen Ministerpräsidenten. Damit ist jetzt Schluss, und so gab Krebs auch so etwas wie eine Abschiedsvorstellung in der Babobenstadt.

Auf fünf Hektar, davon ein Hektar Grünspargel, baut Albert Handschuh das Edelgemüse an. Der Familienbetrieb gehört zu den 25 Spargelhöfen, die sich in der Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen haben. "Wir setzen auf Qualität, das ist für uns das Wichtigste", sagt der Spargelbauer über sein Produkt, das unter anderem mit dem EU-Gütesiegel "geschützte geografische Angabe" (g. g. A.) werben darf.

In Abensberg und Umgebung wird nachweislich seit 288 Jahren Spargel angebaut. Davon zeugt eine erhaltene Rechnung des Bettelordens der beschuhten Karmeliter aus dem Jahre 1730. Vor etwa 90 Jahren setzte der Feldanbau ein, und vor gut 20 Jahren gründete sich die Erzeugergemeinschaft mit heute etwa 80 Mitgliedern. Inzwischen haben sich Folien und sogar kleine Gewächshäuser über den Bifängen durchgesetzt, die das Wachstum der weißen Stangen beschleunigen, aber auch für Erntesicherheit sorgen. Eines hat sich in all den Jahrhunderten aber nicht verändert: die harte Arbeit auf den Feldern. Die unverzichtbaren Erntehelfer kommen aus dem europäischen Ausland.

Wolfgang Krebs alias "Ede" Stoiber hat sein Tagwerk nach einem Stangerl bereits vollbracht: "Ich hab' heute schon eine Spargelpflanze hingerichtet", diktiert er den umstehenden Pressevertretern in die Blöcke und lächelt in die Kameras. Und nur einen kurzen Perückenwechsel später kommt auch noch der "Söder Markus" daher und wiederholt den Akt ein zweites Mal. Ob nun der Abensberger oder der fränkische Spargel besser ist, diese Antwort erspart der Gastgeber dem amtierenden Ministerpräsidenten da an seiner Seite. Wie er denn den Spargel am liebsten genieße?, will Neumeyer am Schluss noch von "Ede" Stoiber wissen. "Mit einem Steak, ganz fein, mmhhh - da könnte ich den Spargel glatt weglassen." Sagt es und entschwindet in einen Abensberger Gasthof, um sich zusammen mit den anderen Ehrengästen ein Menü mit frischem Spargel auftischen zu lassen.