Riedenburg: Sternekoch kommt nach Riedenburg
Guten Appetit: Ab April schlägt Regensburgs erster Sternekoch Rüdiger Forst im Riedenburger Krieger’s Braustüberl seine Zelte auf und betreibt dort das Restaurant und das Hotel. - Foto: Landgraf
Riedenburg

Noch fehlt die richtige Idylle in der Mühlstraße. Seit Mitte Januar haben in dem alteingesessenen Riedenburger Restaurant die Handwerker das Sagen. Es wird renoviert, von Grund auf. „Es gibt Einiges zu tun. Neue Möbel, neue Fenster, ein neuer Anstrich und viele Kleinigkeiten sind nötig“, sagt Forst. Bereut hat er seine Entscheidung angesichts der vielen Arbeit aber nicht: „Es war richtig, nach Riedenburg zu gehen“, ist sich der 52-Jährige sicher. Zumal er mit Hausherr Uwe Rosenmüller und dessen Frau Partner an seiner Seite hat, mit denen ihn nicht nur freundschaftliche Bande verbinden, sondern die seine Vorstellungen in enger Absprache bestens umsetzen.

Vor rund einem Vierteljahrhundert begann seine Karriere als Koch. Im Jahr 1988 gründete er zusammen seinem damaligen Geschäftspartner Stefan Memmer in Regensburg das Restaurant Historisches Eck. Der erste Schritt in die Selbstständigkeit, denn zuvor hatte Rüdiger Forst bei keinem Geringeren als Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann sein Handwerk zwei Jahre lang verfeinert. Er war sogar dessen Meisterschüler. Die eigenen Erfolge ließen logischerweise nicht lange auf sich warten.

Denn nach nur einem Jahr wurden Forst und sein Team als Newcomer des Jahres in „Meyer’s Guide“ lobenswert erwähnt. Es folgten schöne Empfehlungen im „VIF Gourmet-Journal“ (heute „Der Feinschmecker“), im damaligen „Aral-Schlemmer-Atlas“ und in der Schweizer Gastro-Zeitschrift „La Tavola“. Im April 1990 erschien ein begeisterter Bericht von Hans Eckart Rübesamen im „Feinschmecker“, der sich nach Hummer in Pernod-Butter und Steinbutt auf Gemüsenudeln in weißer Trüffelsauce auch noch Hals über Kopf in den Grießflammerie mit Blaubeeren verliebt hatte: „Vermutlich die Nummer eins in Regensburg“, jubelte dieser damals.

Aber es kam noch besser: Im Oktober 1990, nur knapp zwei Jahre nach Eröffnung des Historischen Ecks kam die neueste Ausgabe des „Guide Michelin Deutschland“ auf den Markt. Und die hatte den ersten Stern für Rüdiger Forst parat. Zehn Jahre lang – von 1990 bis 2000 – hat ihn der Meisterkoch dann gehalten. Der „Gault Millau“ vergab zudem noch zwei Kochmützen.

Doch im Jahr 2000 gab Forst das Historische Eck wegen stark erhöhter Mietforderungen auf. „Eine vernünftige Bewirtschaftung war nicht mehr möglich“, blickt er zurück. Nach einigen Zwischenstationen war er zuletzt drei Jahre lang Küchenchef im Brauereigasthof Eichhofen, wo seine Frau Gabriele auch im Service arbeitete. „Wir haben lange überlegt, ob wir nochmals einen Neuanfang wagen und uns wieder selbstständig machen“, sagt er.

Mit dem ehemaligen Krieger’s Bräustüberl, das seit mehr als zwei Jahren leer gestanden war, fanden die Forsts schließlich das geeignete Objekt, um die eigenen Vorstellungen einer außergewöhnlich guten Küche und eines gemütlichen Hotels zu verwirklichen. Die Riedenburger Brauerfamilie hat das Haus vor einigen Wochen verkauft. Es war für Forst quasi Liebe auf den ersten Blick: „Uns hat die Aufteilung mit einer großen und kleinen Wirtsstube, dem Freisitz am Bach und das Hotel mit seinen drei Einzel-, zwei Familien- und acht Doppelzimmern auf Anhieb gefallen“, erzählen Gabriele und Rüdiger Forst. „Einfach perfekt auf uns zugeschnitten. Hier können wir unsere Ideen ideal umsetzen.“

Klar, dass sich Forst als Küchenchef ums Essen kümmern wird. Seine Frau Gabriele arbeitet im künftigen neuen Krieger’s Bräustüberl im Service, seine Schwester Antje ist für das Hotel und die Zimmer verantwortlich. Ein richtiger Familienbetrieb, der seine Gäste kulinarisch verwöhnen und mit großer Gastfreundlichkeit empfangen wird. Alles ganz bodenständig, keinesfalls abgehoben.

Frisch, regional, saisonal und originell – so lässt sich Forsts Koch-Philosophie, die er schon seit Jahren verfolgt, auf einen Nenner bringen. „Es wird bürgerliche und auch feinere Küche geben – eben eine gute Mischung; für jeden etwas, preislich absolut erschwinglich“, gibt er schon jetzt einen kleinen Einblick in sein Konzept. Selbstverständlich dürfen das Altmühltaler Lamm und der Abensberger Spargel auf der Karte nicht fehlen. Dazu setzt er auf ausgesuchte Produkte und Zutaten aus der Region, garniert mit einheimischen Wildkräutern. Alles ergänzt durch eine große Auswahl an hervorragenden Weinen.

„Wir freuen uns ab April auf unsere Gäste. Riedenburg liegt strategisch zwischen Regensburg und Ingolstadt ungemein günstig, so dass uns hoffentlich auch unsere bisherige Stammkundschaft die Treue halten wird. Hinzu kommt die sehr gute touristische Infrastruktur, die den Fremdenverkehr das ganze Jahr über belebt“, schwärmt Forst über sein neues Restaurant und Hotel, als er wieder einmal auf die beruhigend dahinplätschernde Schambach schaut.