Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.02.2012 19:24 Uhr | 124x gelesen
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"Politiker sind normale Menschen"


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Riedenburg (uke/rat) Hoher Besuch in Riedenburg: Die bayerische FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß hat sich am Freitag in der Klosterrealschule St. Anna über die Bildungssituation und im Kurhaus Altmühltal über die Probleme im Pflegebereich informiert. Gruß kam auf Einladung der Riedenburger FDP.


Riedenburg: "Politiker sind normale Menschen"
Spannender Vortrag: FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß berichtete den Schülerinnen an der Klosterrealschule St. Anna von ihrem abwechslungsreichen Leben als Abgeordnete in Berlin. Auch Schulleiterin Anna Maria Müller (rechts) hörte interessiert zu - Foto: Kirschner
„Politiker sind ganz normale Menschen. Sie haben die gleichen Probleme wie jeder Durchschnittsbürger und durchaus Ahnung vom richtigen Leben“, beantwortet Miriam Gruß eine der Fragen, die ihr die Mädchen der Klosterrealschule St. Anna stellen. Der erste Tagesordnungspunkt der liberalen Bundestagsabgeordneten war das Gespräch mit den Zehntklässlerinnen, denen sie 90 Minuten lang aus ihrem Alltag als Politikerin erzählte und anschließend für deren Fragen zur Verfügung stand.

Und auch ihr Tag in Riedenburg wies ganz normale Züge auf. So hatte sich Gruß zunächst in einer Bäckerei in der Innenstadt mit einem zweiten Frühstück versorgt, das sie im Fond ihrer schwarzen Limousine eiligst verspeiste, während ihr Fahrer die Realschule ansteuerte. Allerdings die Falsche. Der Wagen rauschte flott über die Kreuzung, anstatt nach rechts abzubiegen, und ließ das Empfangskomitee in Gestalt von Darinka Frommelt zunächst in der Kälte stehen. Die Initiatorin des Projekts „Jung trifft Alt trifft Jung“ hatte den Besuch der Politikerin in der Mädchenrealschule organisiert.

Schnell war der Irrtum erkannt und mit minimaler Verspätung konnten Frommelt und Direktorin Anna Maria Müller den Gast aus Berlin begrüßen.

Sollten die Mädchen mit dem Vorurteil, dass Politiker grundsätzlich langweilig sind, in diese Veranstaltung gegangen sein, so wurden sie schnell eines besseren belehrt. Gruß langweilte keine Minute mit einem Monolog über trockene Sachthemen. Sie verzichtete wohlweislich auch darauf, Werbung für die Liberalen zu betreiben, sondern schilderte vielmehr zunächst ihren Werdegang. Als Studentin war sie 1997 in die FDP eingetreten, „in einer Zeit, in der die Situation ähnlich schwierig war wie heute“. Während des ersten Bundestagswahlkampfs vor sieben Jahren hätten ihre Handballfreundinnen abwechselnd ihren kleinen Sohn als Babysitter betreut, berichtete sie. Und als es tatsächlich mit dem Einzug ins Parlament klappte, sei sie selbst am meisten überrascht gewesen. Heute ist Groß familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion.

Lacher erntete die 37-Jährige, als sie zum Beispiel den Auftritt des Papstes schilderte, der vor seiner Rede im Bundestag das falsche Rednerpult ansteuerte, und interessiert hörten die Schülerinnen, dass auch Kanzlerin Angela Merkel während der Sitzungen regelmäßig ihr iPad benutzt.

„Im Bundestag ist essen, trinken und schlafen verboten“, erzählte sie, aber Letzteres zu vermeiden, sei nicht immer einfach. Die Kleiderordnung, beantwortete Gruß eine weitere Frage, sei durch die Abgeordneten der Grünen und der Linken aufgeweicht worden. Jeans seien im Bundestag ebenso möglich wie Nadelstreifenanzüge und Krawatte.

Die Mutter eines achtjährigen Sohnes machte auch keinen Hehl daraus, dass es ihr immer noch schwerfalle, morgens zu gehen und das Kind in der Obhut ihres Mannes zurückzulassen, der zwischenzeitlich Hausmann sei.

„Frauen sind das ungenutzteste Potenzial der Welt, appellierte sie an die Mädchen, sich nicht beirren zu lassen und ihren Weg zu gehen, wenn sie von dessen Richtigkeit überzeugt seien. Sich nicht einschüchtern zu lassen und auch nach Misserfolgen immer wieder aufzustehen, lautete ihre zweite Empfehlung. Sie selbst sei glücklich, diesen Weg eingeschlagen zu haben, beantwortete Gruß eine der letzten Fragen – sogar falls es angesichts der aktuellen Lage der FDP nach den Bundestagswahlen im nächsten Jahr vorbei sein sollte mit der politischen Karriere. „Dann waren es auf jeden Fall acht tolle Jahre“, meinte Gruß.

Von der jüngsten Generation begab sich Gruß direkt zu den Senioren im Seniorenhaus Riedenburg. Dessen Eigentümer Reinhold Höppner und der stellvertretende Heimleiter Christoph Wöhrl stellten der Politikerin die Einrichtung vor. Angetan zeigte sich Gruß von einem speziellen Betreuungskonzept für Demenzkranke. Man biete diesen Menschen an, beim Kochen oder dem Zusammenlegen von Wäsche zu helfen, erläuterte Wöhrl. Die Tätigkeiten sollten unbedingt einen Bezug zur früheren Biographie haben. Bislang habe man Bastel- oder Malkurse abgehalten – obwohl kaum einer der Bewohner diesen Hobbys jemals nachgegangen sei.

Die FDP-Generalsekretärin lobte die „menschenwürdige Betreuung, die sogar im hohen Alter viel Freiheit“ lasse. Sie zeigte sich bei ihrer ersten Visite generell begeistert von der Dreiburgenstadt, und versprach, im Sommer wiederzukommen.

 




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