Riedenburg: Fernseh-Fahndung nach dem Hundehasser
Die fünfjährige Amelie möchte mit dem Boxerwelpen Tyson bald wieder unbeschwert draußen spielen.
Riedenburg
Lucky, Angie und Tyson tollen verspielt über die Krieger-Wiese am oberen Hang. Ein seltener Spaß, denn normalerweise ist dieser Ort schon seit Monaten für die Hunde tabu. Wo früher auch zahlreiche Kinder tobten, ist es an diesem Mittwoch menschenleer. Schuld ist der Hundehasser, der derzeit Riedenburg unsicher macht. Seit auf der Wiese Giftköder gefunden wurden, trauen sich kaum noch Hundehalter an diesen Ort, und auch Mütter halten ihre Kinder lieber fern.
 

Doch heute ist alles anders: Ein Team des Fernsehsenders TV-Aktuell ist gekommen; so schnell wie möglich soll ein Bericht über die Taten des Unbekannten ausgestrahlt werden. Riedenburgs Hundebesitzer haben es satt, in Angst zu leben. Sie suchen die Öffentlichkeit, um dem Treiben des Täters ein Ende zu bereiten. "Wir glauben, dass es jemand ist, den man im Ort kennt", erklärt Simone Schels vor laufender Kamera. Um ihre Theorie zu untermauern, führt die Hundehalterin das Kamerateam in den Garten der Familie Gmeiner. Hier, wo alles so friedlich scheint, schlug der Hundehasser im September des vergangenen Jahres zu: Er warf Giftköder über den Gartenzaun. Der Hund der Familie überlebte nur knapp. "Wir sind hier in einer Sackgasse", erklärt Schels dem Fernsehteam. "Kein Fremder bleibt ungesehen, die Menschen passen aufeinander auf." Umso größer ist daher die Verzweiflung, den Täter noch nicht gefunden zu haben.

Bereits mehrere Tiere haben die Giftköder gefressen. Zwei Hunde überlebten die Gräueltat nicht. Sie starben unter elenden Schmerzen. Einer von ihnen ist Dackeldame Aika. Ihre Besitzerin Gabriele Geber hält das Foto ihres geliebten Tieres in der Hand, während sie dem Fernsehteam vom qualvollen Tod Aikas erzählt. Sie meint traurig: "Vielleicht hört der Täter ja auf damit, Giftköder zu verteilen, wenn er den Bericht sieht."

Doch so recht daran glauben mag niemand. Deshalb vergisst Simone Schels bei ihrem Fernsehinterview auch nicht, die Belohnung zu erwähnen, die insgesamt 43 Riedenburger Tierfreunde zusammengetragen haben. Insgesamt 1770 Euro soll die Person bekommen, die der Polizei den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Täters gibt.

Die Beamten unterstützen dieses Engagement. Im Gespräch mit dem DONAUKURIER betont Erich Banczyk, Chef der Kelheimer Dienststelle, dass auch die Polizei inzwischen verstärkt nach dem Hundehasser sucht. "Wir ermitteln in alle Richtungen." Banczyk appelliert an betroffene Hundebesitzer, sich telefonisch unter (0 94 41) 5 04 20 bei der Kelheimer Polizei oder persönlich beim Riedenburger Beamten zu melden. "Wir können nur mit den Fällen arbeiten, die bei uns zur Anzeige gebracht werden", stellt der Dienststellenleiter klar. Bisher seien das lediglich fünf. In diesem Zusammenhang bittet Banczyk auch andere Tierhalter dem Aufruf zu folgen. Er sagt: "Wir haben in der Zeitung gelesen, dass insgesamt 20 Katzen an den Ködern gestorben sein sollen. Aber unsere Nachforschungen haben in dieser Richtung nichts ergeben." Auch eine heiße Spur, die zum Täter führt, gibt es nach seiner Auskunft trotz intensiver Ermittlungen noch nicht.

Um das zu ändern, setzen die Tierfreunde Riedenburgs nun auf den Fernsehbericht. Auch TV-Aktuell-Redakteurin Friederike Gottschalk hofft, etwas bewirken zu können. Sie sagt: "Das ist ein wichtiges Thema, das man möglichst weit streuen muss." Denn solange weiter Giftköder im Umlauf sind, bleibt den Hundebesitzern neben ihrer Sorge um Kinder und Tiere nur eines: die Hoffnung, dass der geheimnisvolle Hundehasser durch Hinweise aus der Bevölkerung bald ein Gesicht bekommt und für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann.