Riedenburg: Feind der Fremdenverkehrsabgabe
Der scheidende Gründer der Riedenburger Steuerkanzlei Halser und seine Nachfolger: Stephan Kiendl (obere Reihe, von links), Sebastian Lohner und Stefan Halser, Alois Halser (untere Reihe) und Christina Waldhier. - Foto: Ammer
Riedenburg

Das ist der Grundstoff, mit dem sich die bis zu 35 Mitarbeiter in der von Halser gegründeten Riedenburger Steuerberatungskanzlei täglich abmühen. Nun hat er seine Firmenanteile an seinen Sohn Stefan und den Hemauer Mitgesellschafter Stephan Kiendl verkauft.

Alois Halser wurde vor knapp 66 Jahren in Haidhof geboren. Er wuchs mit sechs Geschwistern auf. Sein Vater stammte aus dem Bayerischen Wald und arbeitete im örtlichen Sägewerk Dostert. Nebenbei betrieb die Familie ein kleines Lebensmittelgeschäft in dem Riedenburger Ortsteil.

Dazu war auch ein Minimum an Buchhaltung erforderlich. Deshalb beschloss der Vater, nachdem Alois mit 14 Jahren seinen Volksschulabschluss gemacht hatte, dass der Sohn eine Lehre als Steuerfachgehilfe beginnen sollte. "Über die Lehre hat mein Vater entschieden", erinnert sich Halser. Aber das sei im Endeffekt nicht falsch gewesen. "Denn diese Materie hat mich von Anfang an interessiert." So begann der 14-Jährige eine Ausbildung in der Riedenburger Steuerkanzlei Spranger, die später von der Sozietät Reuthlinger übernommen wurde.

Auf die dreijährige Lehrzeit folgten zehn Jahre Tätigkeit als Steuerfachgehilfe. Danach sei man, unabhängig von Abitur oder Studium, zur Prüfung für den Steuerberater zugelassen worden, erläutert Halser. Am 18. Dezember 1975 sei er von der Oberfinanzdirektion München zum Steuerberater bestellt worden. Damals war er 25 Jahre alt. Tatsächlich sei er dank seiner langjährigen praktischen Ausbildung den studierten Betriebswirten gleichgestellt.

Zeit seines Lebens hat Halser die Vielschichtigkeit dieser Aufgabe fasziniert. "Jeder Mandant ist einzigartig." Es gelte, die Besonderheiten bei jedem einzelnen Steuerbürger zu beachten. Dabei sei es gleichgültig, ob ein kleiner Arbeitnehmer oder ein Unternehmer im Büro vorstellig werde.

Am 1. Juli 1980 machte sich Halser als Steuerberater selbstständig. Sein erstes Büro war in Riedenburg in den Räumen, in denen später lange das Klingende Museum untergebracht war. Im März 1997 bezog er die ehemalige Polizeidienststelle. Halser begann als Ein-Mann-Büro plus eine Sekretärin. "Das war natürlich ein gewisses Risiko und ein Sprung ins kalte Wasser." Aber die Kanzlei expandierte rasch. Bereits im Jahr 1989 wurde in Hemau eine auswärtige Beratungsstelle eröffnet, die bis heute in Betrieb ist.

Schmunzelnd erinnert sich Halser an die Regale voll mit Fachliteratur, die früher im Büro standen. "Heute findet man das alles im Internet", erklärt er. Seine Kanzlei verfüge sogar über eine eigene Datenbank mit Kommentierungen. Das bedeute im Arbeitsalltag eine wesentliche Erleichterung. Halser freut sich, dass sein 39-jähriger Sohn Stefan bereits vor zehn Jahren in seine Fußstapfen getreten ist. Die Prüfung für den Steuerberater sei umfangreich und schwierig. "Das ist ein anspruchsvoller Beruf." Zudem sei diese Tätigkeit zeitraubend, weil man sich stets auf dem aktuellen Stand halten müsse. Früher habe man dazu Fachzeitungen gelesen und Lehrgänge besucht. Inzwischen könne man sich natürlich auch mit Hilfe des Internets weiterbilden.

Nach mehr als fünf Jahrzehnten der intensiven Beschäftigung mit dem deutschen Steuerrecht plagen Halser allerdings erhebliche Zweifel, dass dieses dem selbst erhobenen Anspruch, für Steuergerechtigkeit zu sorgen, tatsächlich gerecht wird. "Gerade durch diese Kompliziertheit gibt es viele Schlupflöcher und dadurch wird das Steuerrecht ungerecht." Der Steuerberater sei verpflichtet, seine Mandanten auf die Hintertürchen hinzuweisen. "Ich möchte ja das Optimale für diese Leute herausholen."

Halser zweifelt aber nicht nur an vielen Steuergesetzen, sondern auch am Sinn der in Riedenburg erhobenen Fremdenverkehrsabgabe. Er hat es sich zum Hobby, ja fast schon zur Lebensaufgabe gemacht, die Fremdenverkehrsabgabe zu Fall zu bringen. Dabei hat er Rückschläge erlitten, aber auch einen Triumph erlebt. Mit seinem Widerstand gegen die Fremdenverkehrsabgabe, welche die Stadt Riedenburg von seiner Kanzlei eintreibt, ist er in zweiter Instanz vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof unterlegen. Allerdings liegt ein weiterer Widerspruch bereits seit zwei Jahren beim Kelheimer Landratsamt, ohne dass bislang eine Entscheidung erfolgt sei.

Einen Erfolg feierte er am 20. Januar 2016. Damals gelang es ihm, als Steuerberater aus der Provinz beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine kleine juristische Revolution zu erwirken. Denn seitdem darf die Zunft der Steuerberater auch im Verwaltungs- und Abgabenrecht beratend tätig werden. Diese Aufgabe war zuvor ausschließlich Rechtsanwälten vorbehalten gewesen. Halser schrieb damit ein Stück deutsche Rechtsgeschichte.

In seinem Kampf gegen die Fremdenverkehrsabgabe wird er nicht müde. "Als Rentner habe ich nun mehr Zeit", sagt er mit einem vergnügten Schmunzeln. Zudem habe er eine Mitstreiterin in Bad Steben entdeckt, denn auch dort werde von allen Gewerbetreibenden eine Fremdenverkehrsabgabe verlangt. "Dagegen werde ich in Riedenburg weiter vorgehen", kündigt Alois Halser an.