Riedenburg: Eintauchen in die Welt der Bionik
Lernen per Selbstversuch: Andrea Kirsch (Mitte) von der TH Deggendorf erklärte den Schülerinnen das Experiment. - Foto: Schmied
Riedenburg

Was hat es mit dem Lotuseffekt auf sich? Wie funktioniert ein Klettverschluss? Und warum können sich tonnenschwere Flugzeuge in der Luft halten? Diesen Phänomenen sind die Achtklässlerinnen auf den Grund gegangen. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch bei verschiedenen Versuchen. Angeleitet werden sie dabei nicht von ihren Lehrkräften, sondern von vier jungen Studenten der Technischen Hochschule Deggendorf, die eigens für diesen Experimentiervormittag in die Dreiburgenstadt gekommen sind.

"Wir wollen Schüler, vor allem die Mädchen, für technische Studiengänge begeistern", erklärt Andrea Kirsch. Sie studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Begleitet wurde sie von ihren Kommilitonen Patricia Rockinger, die Wirtschaftsinformatik als Studiengang gewählt hat, sowie Stefanie Häusler und Ralf Pröls, die beide Technische Physik als Hauptfach belegen. Neben den Vorlesungen und Seminaren engagieren sie sich bei der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF) und besuchen dabei Schulen, um die Kinder mit Bionik vertraut zu machen. Jener Forschungsrichtung also, in der sich Naturwissenschaftler und Ingenieur Erkenntnisse aus der Natur zunutze machen, um neue technische Erfindungen zu entwickeln.

Der Klettverschluss ist dafür ein gutes Beispiel. "Der Schweizer Erfinder Georges de Mestral bemerkte nach Waldspaziergängen, dass er überall mit Kletten bedeckt war", können die Schülerinnen auf dem zum entsprechenden Experiment gehörigen Arbeitsblatt lesen. Unter dem Mikroskop sah der Forscher eine Vielzahl kleiner elastischer Haken, die es dieser Pflanze ermöglichten, fest im Gewebe seiner Hose zu haften, heißt es weiter. Die Schülerinnen schlüpfen in die Rolle des Klettverschlusserfinders und begutachten einerseits eine Klette in der Becherlupe, andererseits das Haken- und Flauschband eines Klettverschlusses unter dem Mikroskop.

Neben diesem Versuch gibt es drei weitere Experimente. Um die Gruppengröße überschaubar zu halten, verteilen sich die Schülerinnen auf zwei Räume. Bevor es praktisch wurde, lauschen die Mädchen einem Vortrag. Dass dieser Schulbesuch, der sich in der Regel an die Schüler der fünften bis zur siebten Jahrgangsstufe richtet, in Riedenburg in den beiden achten Klassen stattfindet, ist laut Andrea Kirsch kein Problem. Im Gegenteil: "Das technische Verständnis ist in dieser Jahrgangsstufe natürlich schon ausgeprägter als etwa in der fünften Klasse", sagt sie. Und auch ihre Kommilitonin Patricia Rockinger ist begeistert von der Arbeitsweise der Schülerinnen. "Sie machen wirklich super mit. Und sie verstehen gleich, was man von ihnen will", schwärmt sie.

Ein Versuchsaufbau nennt sich "Der Traum vom Fliegen". Die Hilfsmittel: Ein Flügelmodell, eine Waage und ein Föhn. Es geht darum, herauszufinden, wie sich die Masse des Modells je nach Neigung des Flügels verändert. Also um die Frage, wie es möglich ist, dass sich ein Flugzeug in der Luft halten kann. Auftrieb ist hier das Stichwort. Eigentlich müsste das Gewicht bei einer Flügelneigung von plus 15 Grad am geringsten sein. Bei den Mädchen, die diesen Versuch gerade ausprobieren, kommt aber etwas anderes heraus. "Das kann am Föhn oder am Abstand zum Modell liegen", erklärt Stefanie Häusler den Schülerinnen. "In der Realität führt man solche Versuche darum öfter durch, um sicher zu sein." Noch einmal von vorne, lautet also die Devise.

Konrektor Alfred Henneberger ist begeistert von der Veranstaltung, die auf Initiative von Lehrerin Elisabeth Marschall-Osterrieder stattfindet. "Wir sind sehr stolz, dass wir die jungen Studenten heute hier haben", betont er. Und auch den Achtklässlerinnen macht es sichtlich Spaß, einmal in die Forschungsrichtung Bionik einzutauchen.