Riedenburg: Ein Schritt in Richtung Inklusion
Der Erlanger Arzt und Kinderbuchautor Holm Schneider hat in Riedenburg aus seinem Buch „Warum Vampire nicht gern rennen“ gelesen. Initiatorin des Abends war die Riedenburgerin Ingrid Meyer - Foto: Binder
Riedenburg
Als Veranstalter traten die beiden Kindergärten Maria Schutz und St. Johannes auf. Zwar reichten Kaffee, Gebäck und Kuchen, für die nur eine Spende erbeten wurde, bei Weitem aus, aber mit einer so großen Resonanz hatte wohl niemand gerechnet. Unter den Zuhörern waren auch etliche Interessierte aus den Nachbargemeinden.

Schneider, selbst Vater von vier Kindern und wohnhaft in Erlangen, bewundert Ingrid Meyer für ihren Mut, dieses Thema in den Mittelpunkt zu stellen und öffentlich zu machen, wie er betonte. Meyers dreijährige Tochter Theresa ist selbst davon betroffen. Der Kinderarzt und Professor am Universitätsklinikum Erlangen befasst sich seit vielen Jahren mit angeborenen Krankheiten wie dem Down-Syndrom und setzt sich für Kinder ein, die anders aussehen als die meisten. In seinem Buch „Warum Vampire nicht gern rennen“ erzählt er die Geschichte von Carolin und Flo, die beide das Down-Syndrom haben. Es handelt sich um zwei besondere Kinder, die sehr aufmerksam zuhören können. Wie Schneider im Gespräch erklärte, basiert die Geschichte auf wahren Begebenheiten. Er habe nur andere Namen verwendet. Und mit der Zeit habe die Handlung eine Eigendynamik bekommen. Deshalb wird die Geschichte von Carolin und Flo weitergehen, schon bald soll es eine Fortsetzung geben.

Ausschlaggebend für das Buch sei die Einführung eines Bluttests für Schwangere gewesen, der im Mai auf den Markt kommen wird, so Schneider. Der Test könne schon in der zehnten Schwangerschaftswoche Gewissheit darüber liefern, ob das ungeborene Kind Trisomie 21 hat. „Wenn Krankenkassen solche Tests bezahlen, kann es sein, dass solche Kinder überhaupt nicht mehr zur Welt kommen“, stelle er unmissverständlich fest. Vom Würde-Begriff, wie er im Grundgesetz verankert ist, sei man dann weit entfernt.

Schneider las lediglich einen Auszug aus dem Buch vor. Die Zuhörer bekamen aber nicht nur einen Einblick in das Werk, sondern zudem jede Menge Informationen. Im Anschluss stand er den Besuchern Rede und Antwort. Wie Schneider erklärte, habe er die Erfahrung gemacht, dass solche Veranstaltungen, bei denen eine Gemeinschaft von Kindern mit und ohne Down-Syndrom im Saal ist, wichtig seien. Denn durch Kontakte würden Berührungsängste abgebaut. Deutschland sieht er beim Thema Inklusion dennoch nicht als Schlusslicht. Es gebe diese kleinen Leuchttürme, kleine Erfolgsspitzen. Menschen mit Behinderungen hätten heute die Möglichkeit, sich in der Gesellschaft zu entfalten. An den Grundschulen werde beispielsweise versucht, gemeinsame Stunden zu unterrichten.