Riedenburg: Das Geschäft mit den alten Lumpen
Etwas Gutes tun für Bedürftige: Für viele Menschen ist das der Beweggrund, ihre getragenen Kleider in Container zu werfen. Doch es gibt unter den Sammlern auch schwarze Schafe, die in dem gestiegenen Preis für eine Tonne Altkleider ein lukratives Geschäft wittern. - Fotos: Wilcke
Riedenburg

Doch warum lohnt es sich, Altkleidercontainer zu stehlen? Ein Branchenkenner aus der Gegend kennt drei mögliche Beweggründe: Einerseits könnte es die Konkurrenz sein, die – nachdem der Container in den Firmenfarben lackiert wurde – diesen selbst benutzt. Eine zweite Möglichkeit sieht er darin, dass diejenigen, die einen Stellplatz vermieten, einen besseren Vertrag einer Wettbewerbsfirma haben und deshalb dafür sorgen, dass der Container wegkommt. Immer häufiger kommt es aber auch vor, dass Gruppen gezielt auf die Suche nach Altkleidercontainern gehen, sie stehlen und anschließend die Kleidung verkaufen.

Kaum einer weiß, dass sich der Verkauf von Altkleidern lohnt: Das bestätigt auch das Bayerische Rote Kreuz. „Wegen des gestiegenen Tonnenpreises ist das schon ein Geschäft“, sagt BRK-Pressesprecherin Hanna Hutschenreiter. Bis zu 800 Euro lassen sich mit einer Tonne erzielen. Wird der Container dann noch verschrottet, kommt der Gewinn aus dem Metallverkauf hinzu.

Nach Jahren des fallenden Altkleiderpreises steigt dieser wieder an. Innerhalb von drei Jahren hat sich der Preis teilweise verdoppelt. Denn die Nachfrage nach Secondhandware ist vor allem in Afrika und Osteuropa stabil. Die Eurokrise tut ihr Übriges dazu, da sich die Menschen in Südeuropa seltener von ihrer Kleidung trennen, viele sind gezwungen, Secondhand zu kaufen.

Der Branchenkenner gibt jedoch auch zu bedenken, dass es kinderleicht sei, Altkleidercontainer zu stehlen. „Meistens stehen die Container ja ganz anonym. Wem fällt da schon auf, dass jemand einen auf einen Lkw lädt, der das eigentlich nicht darf“, sagt er. Die Kelheimer Polizei spricht jedoch bei dem Paintener Containerdiebstahl „vom ersten Fall dieser Art“. Öfter komme es hingegen vor, dass die Kleidung direkt aus der Box gestohlen werde. Auch das BRK kämpft damit: „Unsere Fahrer berichteten häufig davon, dass sie Spuren sehen, dass Leute versucht haben, etwas heraus zu holen“, sagt Hutschenreiter.

Das Geschäft mit den Altkleidern haben aber nicht nur Diebe für sich entdeckt, sondern auch unseriöse Firmen, die ihre Container ohne Genehmigung aufstellen. In den vergangenen ein bis zwei Jahren mussten die bayerischen Malteser verstärkt gegen diese „illlegalen Sammler“ vorgehen, wie der Malteser-Pressesprecher Wilhelm Horlemann erklärt. Diese Firmen stellen Container auf und täuschen mit einem Etikett einen karikativen Zweck vor. Bis die Kommune, das Rote Kreuz oder die Malteser bemerken, dass die Stahlkisten illegal sind, haben die Mitarbeiter jener Firmen den Container bereits mehrmals geleert.

„Es ist mittlerweile ein umkämpfter Markt um Altkleider geworden“, sagt Horlemann. Die Spender könnten oft gar nicht erkennen, dass sie ihre Kleider nicht für einen guten Zweck abgeben, sondern profitorientierten Firmen. „Mit den Gewinnen aus unseren Sammlungen finanzieren wir die sozialen Dienste wie die Besuchsdienste oder die Arbeit in Hospizen“, erklärt der Malteser. Wer also seine alten Kleider in einen der Malteser-Container im Bistum Regensburg wirft, unterstützt ehrenamtliche Arbeit in der Region.