Riedenburg: 100 Schultaschen für Indien
Sie haben getanzt, gesungen und gemeinsam gegessen: Im August besuchte der Riedenburger Pfarrvikar Xavier Raj Chinnappan (Mitte) seine Heimat, um bei einer Feier Schultaschen an rund 100 Kinder zu überreichen. Mit dabei war auch Generalvikar John Robert (rechtes oberes Bild, links). Vor fünf Jahren hat Chinnappan das Projekt BACE ins Leben gerufen. - Fotos: Chinnappan
Riedenburg

"Mir ist wichtig, dass die Leute wissen, dass es ein ehrliches Projekt ist", sagt Chinnappan. Für ihn heißt das, dass die Menschen, die ihn und damit die Kinder unterstützen, auch erfahren, wohin die finanzielle Hilfe fließt. BACE nennt sich die Initiative des Geistlichen. Die Abkürzung steht für Basic aid for children's Education. "Ich habe das mit Hilfe für die Ausbildung von Kindern in Indien übersetzt", erklärt Chinnappan. Sein Ziel: Er möchte den Kindern aus seinem Heimatdorf Madurampattu und der Ortschaft Pulavanpadi, in der er als Pfarrer tätig war, gute Schulbildung, gesundes Essen, medizinische Versorgung und angemessene Kleidung ermöglichen. Darum wird Xavier Raj Chinnappan auch jetzt, wo er fern der Heimat ist, nicht müde, Spenden für sein Projekt zu sammeln.

Denn die Lebensumstände der Mädchen und Buben kennt Chinnappan genau. Wenn er Vorträge hält, um über sein Projekt zu informieren, erzählt er den Zuhörern stets etwas zum Kastensystem, in dem die Menschen in Indien stark verwurzelt sind. Vier dieser gesellschaftsstrukturierenden Kategorien gibt es. Mit jeder gehen Rechte und Privilegien einher. Und dann gibt es die Menschen, die aus diesem System einfach herausfallen. Das sind die Dalit, die Gebrochenen, die Schmutzigen. Etwa 19 Prozent der indischen Bevölkerung, also ungefähr 140 Millionen Menschen zählen zu den Dalit. Selbst die Dalit christlichen Glaubens werden in der Kirche diskriminiert. Hinzu kommt die große Armut des Landes. Drei von vier Indern leben von weniger als fünf Euro pro Tag, sagt Chinnappan in seinen Vorträgen. "Ich zähle selbst zu den Dalit und kenne die soziale Diskriminierung."

Für den Geistlichen, der als jüngstes von acht Kindern in einer großen katholischen Familie aufgewachsen ist, ist der persönliche Hintergrund Ansporn genug, aktiv zu werden. Vor etwa fünf Jahren sei ihm dann eine Idee gekommen, erzählt Xavier Raj Chinnappan. "Ich hab die Kinder in der Schule gesehen, ihre schmutzige Kleidung", erinnert er sich. Er spricht von schwierigen Familienverhältnissen der Mädchen und Buben. Viele Väter alkoholsüchtig, viele Mütter hart arbeitend, damit der Nachwuchs etwas zu essen hat. Manche Kinder sind Halbwaisen. "Ich habe mir gedacht, ich muss etwas machen für sie." Er hatte Bekannte in der benachbarten Stadt, er bekam erste Spenden. Zu Weihnachten gab es dann zum ersten Mal Kleidung für etwa 30 Kinder.

2015 waren es schon 60. Und mittlerweile kann der Geistliche 100 Kindern helfen. Für ein Kind kosten Nahrung, Kleidung und Schulbildung etwa 240 Euro pro Jahr. Xavier Raj Chinnappan steuert jedes Jahr einen Teil seines Gehalts zur Spendensumme dazu. 2014 kam er nach Österreich, auch dahin hat er noch Kontakte, besucht seine ehemalige Pfarrei und freut sich stets, wenn er eine Finanzspritze für sein Herzensprojekt mit nach Riedenburg nehmen kann. Und auch in der Dreiburgenstadt gibt es Unterstützung für BACE. "Ich habe Kontakt mit dem Frauenbund und der Kolpingfamilie aufgenommen. Sie wollten das Projekt kennen lernen", erklärt der Pfarrvikar.

Heuer ist nun eine stattliche Summe von 4050 Euro zusammengekommen, 1250 Euro davon aus Österreich, 2300 Euro aus Riedenburg und der Rest von Chinnappan selbst. 2800 Euro davon hat er schon ausgegeben - für Schultaschen, Hefte und Stifte und Geometriekästen. Im August besuchte er seine Heimat, um die Geschenke bei einer Feier den Kindern, die er beinahe alle persönlich kennt, zu überreichen. "Der Generalvikar meines Heimatbistums John Robert und der Direktor der Diözesansozialhilfe waren auch dabei", freut sich Xavier Raj Chinnappan noch immer.

Und er will weitermachen. Nicht nur, weil es für die restliche Spendensumme etwas zu Weihnachten gibt. Sondern einfach, weil er Bildung für Kinder als wichtig erachtet. "Es ist wichtig, dass sie selbstständige Menschen werden und dass sie später Arbeit finden, damit sie genug zu essen haben. Und damit sie vielleicht selbst anderen helfen können."