Riedenburg: 100 000 Tonnen weniger
Der Aufwärtstrend an der Riedenburger Güterlande konnte heuer nicht fortgesetzt werden: Hatte die bewegte Tonnage im vergangenen Jahr noch 52 000 Tonnen betragen, so sind im Gewerbegebiet Haidhof bis einschließlich Oktober nur 27 000 Tonnen verladen worden. Bis Jahresende könnten es noch 40 000 Tonnen werden. - Foto: Schmied
Riedenburg

Die aktuellen Zahlen des Hafenzweckverbandes zum 31. Oktober fallen unerfreulich aus. Beim Schiffsverkehr hat man bei einem Haushaltsansatz von 500 000 Tonnen nur 305 550 Tonnen erreicht. Zwar hofft Engl, dass im November und Dezember weitere rund 80 000 Tonnen umgeschlagen werden. Doch selbst dann würde man die Vorjahresmarke von 404 000 Tonnen nicht knacken. Der Geschäftsführer des Hafenzweckverbandes befürchtet, dass man unter dem Strich etwa 20 000 Tonnen unter den schon nicht berauschenden Zahlen des Vorjahres bleibt. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 1998 wurden 1,2 Millionen Tonnen umgeschlagen.

Die Riedenburger Güterlände, die in den vergangenen Jahren einen Aufwärtstrend verzeichnet hatte, trägt heuer ebenfalls nicht zur Verbesserung der Bilanz bei. Im vergangenen Jahr hatte die bewegte Tonnage 52 000 Tonnen betragen, doch bis einschließlich Oktober waren im Gewerbegebiet Haidhof nur 27 000 Tonnen verladen worden. Auch hier schätzt Engl, dass man im Jahresendspurt noch auf 35 000 bis 40 000 Tonnen kommt. Aber die Vorjahreszahlen dürften nicht erreicht werden, prognostiziert er. "Die 52 000 Tonnen schaffen wir nicht."

In Riedenburg und Kelheim habe der Hafenzweckverband alleine im ersten Quartal diesen Jahres rund 30 000 Tonnen an Güterumschlag eingebüßt, weiß Engl. Er macht dafür wetterbedingte Behinderungen des Schiffsverkehrs verantwortlich. "Da ist Ware vom Schiff auf den Lastwagen gewandert." Vor allem Transporte, die termingerecht beim Kunden ankommen müssen, seien von diesem Trend betroffen. Gegen diese Entwicklung helfe auch die höhere Wirtschaftlichkeit der Wasserstraße nicht.

Engl bedauerte, dass vor allem beim Transport von Düngemitteln der traditionelle Wasserweg verlassen werde. Gerade der Dünger werde vermehrt auf der Straße transportiert, weil man ihn auf diese Weise direkt und ohne weiteres Umladen von der Produktionsstätte zum Endverbraucher bringen könne. "Volkswirtschaftlich ist das widersinnig", schimpft Engl und verweist auf die überfüllten Autobahnen sowie die hohen Emissionen. "Der Straßenverkehr ist zu günstig", glaubt Engl. Er fordert den Gesetzgeber deshalb zum Gegensteuern auf, um Transportvolumen weg von der Straße und zurück auf den Wasserweg zu verlagern.

Dass die Schiffsbetreiber ihre Preise senken könnten, um gegenüber den Lastwagen an Wettbewerbsfähigkeit zuzulegen, schließt der Geschäftsführer des Hafenzweckverbandes aus: "Die Preise sind schon ausgelutscht." Der Staat müsse schon an der Maut-Schraube drehen, damit die Güter auf dem Schiff bleiben.

Diese Forderung hält Georg Moser für einen "Wunschtraum". Der Inhaber des Agrar- und Baufachzentrums Moser in Schweitenkirchen, das an der Riedenburger Güterlände eine große Niederlassung betreibt, verweist darauf, dass der Gesetzgeber nicht alles regulieren dürfe. Die Öffnung der Europäischen Union nach Osten habe dem Lastwagentransport einen weiteren Schub beschert. Firmen aus Rumänien und Bulgarien würden den Markt dominieren. "Deutsche Fahrer sind fast nicht mehr zu finden", bedauert Moser. Auch die relativ niedrigen Diesel-Preise würden den Lkw-Transport billig machen.

Moser hält aber auch die über Monate niedrigen Wasserstände auf der Donau und auf dem Rhein für einen entscheidenden Faktor. Die Schiffe laden dann weniger, damit sie nicht auf Grund laufen. Das treibe die Frachtraten nach oben, erläutert er. "Ein Niedrigwasserzuschlag von 100 Prozent macht den Schiffstransport uninteressant." Auch sein Unternehmen habe Ware, statt sie in Riedenburg zu verschiffen, in Ingolstadt auf die Bahn umgeleitet. Für gewöhnlich werde Weizen,

Wintergerste, Mais und Raps zu den großen Verarbeitungsbetrieben wie Kraftfutterwerken und Mühlen am Rhein nach Norden transportiert. Wenn dies mit dem Schiff nicht möglich sei, entfielen zudem die Rückfrachten nach Süden. Ein Teufelskreis. Denn Schiffe benötigen nach den Worten von Moser zwingend eine Rückfracht. Zwischen 50 und 65 Prozent der in Riedenburg und Kelheim verladenen Güter entstammen der Land- und Forstwirtschaft. Neben den bereits aufgezählten Produkten nennt Geschäftsführer Engl noch Sojaschrot und Holzpellets für Heizungen. Zudem werde in Kelheim viel Tonerde verladen, die vor allem aus Amsterdam, Rotterdam und vom Schwarzen Meer kommt. Tonerde ist das Grundprodukt für Katzenstreu.

Mit dem in Kelheim intensiv betriebenen Umschlag an Fahrzeugen ist Engl zufrieden. Dieser erfolgt überwiegend mit der Bahn. Bei einem Haushaltsansatz von 80 000 Tonnen für das laufende Jahr habe der Hafenzweckverband bis Ende Oktober 66 000 Tonnen erreicht. "Hier sind wir gut ausgelastet und mit den Zahlen zufrieden", sagt Engl. Für das laufende Jahr prognostiziert der Hafenzweckverband laut Haushaltsansatz einen Gewinn von 426 000 Euro. Im Vorjahr hatte man sogar einen Überschuss von 562 000 Euro und im Jahr 2015 von 369 000 Euro verzeichnet.

Diese schwarzen Zahlen resultieren vor allem aus dem Immobiliensektor. Bekanntlich vermietet und verpachtet der Hafenzweckverband die Grundstücke am Hafen. Daraus resultierten im vergangenen Jahr Einnahmen von etwa 1,7 Millionen Euro. Insgesamt geht der Verband für das laufende Jahr laut Haushaltsansatz von Erlösen in Höhe von 2,6 Millionen Euro aus. Diese Summe speist sich aus den Miet- und Pachteinnahmen sowie den Erlösen aus dem Hafenbetrieb.

Angesichts der konstant fließenden Gewinne schüttet der im Jahr 1974 gegründete Hafenzweckverband erstmals in seiner Geschichte einen Gewinn an die Gesellschafter aus. Die Summe beträgt immerhin eine Million Euro. Nach einer Steuerzahlung von 150 000 Euro verbleiben dem Kreis Kelheim 70 Prozent der Restsumme, der Stadt Kelheim 20 Prozent und der Gemeinde Saal zehn Prozent.

Zu den Gesellschaftern des Hafenzweckverbandes zählt auch die Stadt Riedenburg. Doch diese Kommune geht leer aus. Engl begründete diese Entscheidung mit der Tatsache, dass Riedenburg erst seit dem Jahr 1991 Mitglied im Hafenzweckverband ist. Gerade in den Anfangsjahren hätten die Alt-Gesellschafter aber gewaltige Investitionen zu stemmen gehabt.