Otterzhofen: Frauenpower in Otterzhofen
Foto: Andreas Müller
Otterzhofen

Zügig die blaue Funktionsjacke anziehen, schnell in die Schuhe schlüpfen, den Helm aufsetzen und zum Feuerwehrauto rennen. An dem knallroten Fahrzeug die Rolltüren hochschieben, das Equipment vorbereiten und den Wasserschlauch ausrollen. Dann heißt es: Wasser marsch! Der gesamte Prozess muss schnellstmöglich ablaufen - schließlich zählt im Ernstfall jede Sekunde, um den Brand zu löschen. Laut einer Statistik benötigt ein Team vom Alarm bis zum Eintreffen am Einsatzort rund sechseinhalb Minuten. Damit ein Einsatz reibungslos abläuft, müssen die Feuerwehren kontinuierlich üben - so auch die Feuerwehr in Otterzhofen.

Zwar kommt ein Ernstfall in dem Ortsteil von Riedenburg glücklicherweise nicht allzu häufig vor, allerdings nimmt die Wehr ihre Aufgabe sehr ernst. So ist man über jedes aktive Mitglied froh - besonders in Zeiten, in denen die Zahl der Freiwilligen stetig abnimmt. Der Landesfeuerwehrverband Bayern verzeichnet seit 2003 einen Rückgang durch Auflösung oder Zusammenlegungen der Feuerwehren von insgesamt 8045 auf aktuell 7884 Wehren. Ein Grund, warum in Otterzhofen viel Zeit in die Jugendfeuerwehr investiert wird. "Wir gehen zum Jugendzeltlager, machen Ausflüge wie beispielsweise Bootsfahren und nehmen an den Kreisjugendübungen teil", erklärt Johannes Mayer, einer der Jugendwarte. Gemeinsam mit Markus Mayer und Martin Werner kümmert er sich um die Jugendlichen in der Feuerwehr Otterzhofen. Dabei wird schon einmal nach einer erfolgreichen Übung gemeinsam am Feuerwehrhaus gegrillt. Dabei sticht eine Tatsache hervor: Die Jugendfeuerwehr besteht fast nur aus Mädchen. Genau genommen sind es drei Buben und acht Mädchen.

Eigentlich ist der Frauenanteil in den Feuerwehren Bayerns sehr niedrig. Laut einer Statistik des Landesfeuerwehrverbandes Bayern sind 2017 von den insgesamt 324 898 aktiven Mitgliedern gerade einmal 27 475 Frauen. Doch warum ist der Mädchenanteil in Otterzhofen so hoch? "Vor vier bis fünf Jahren sind die ersten Mädels in die Jugendfeuerwehr gekommen", erklärt Mayer. Und seien erst einmal die ersten Mädchen da, kämen immer wieder neue hinzu.

So haben die Mädchen in der Jugendfeuerwehr Otterzhofen eindeutig die Hosen an. "Wir sind nicht dominant", betont eines der Mädchen aus der Gruppe mit einem Schmunzeln. Sind allerdings alle Jugendlichen versammelt, kommen die drei Buben nicht unbedingt zu Wort. "Die Mädels reden schon mehr", gibt Mayer zu, allerdings würden sich die Mädchen und Buben im Hinblick auf Geschicklichkeit und Engagement nichts nehmen. "Wir sind ganz brav", betont ein anderes Mädchen. Allerdings nimmt man ihnen das bei dem vielen Gelächter und Geschmunzel nicht so recht ab.

Trotzdem wird deutlich, dass die Jugendlichen mit Spaß und viel Engagement in der Jugendfeuerwehr tätig sind. Manchmal trifft man die Jugendlichen auch am Feuerwehrhaus an, wenn keine Übung ist. "In unserem Dorf gibt es einfach mehr Mädels", wird fast einstimmig von den Jugendlichen auf die Frage, warum so viele Mädchen in der Wehr sind, geantwortet. Schließlich sind die meisten aktiven Mädchen gemeinsam vor zwei Jahren der Jugendfeuerwehr beigetreten und verbringen auch ihre Freizeit miteinander.