Die großflächigen Kulissen und die Ölberggruppe der Jünger hatte Restaurator Günter Schlagbauer auf dem Hof vor sich ausgebreitet, als er vorsichtig die Ausbesserung des Anstrichs vornahm.
Die großflächigen Kulissen und die Ölberggruppe der Jünger hatte Restaurator Günter Schlagbauer auf dem Hof vor sich ausgebreitet, als er vorsichtig die Ausbesserung des Anstrichs vornahm.
Götz
Dietfurt

Vor der diesjährigen Fastenzeit zählte die Restaurierung der Kulissen für die Ölberg-Szenerie über dem Altar zu den Vorbereitungen. Die Arbeiten begannen bereits im Sommer. Den leidenden Jesus stellt eine bewegliche Figur dar, die schlafenden Jünger sind auf einem Gemälde zu sehen. Die Ansicht des Ölbergs in Jerusalem vermitteln Leinwände, die auf Holzkonstruktionen gespannt sind. Seit 170 Jahren bilden sie den Hintergrund, vor dem der tröstende Engel dem leidenden Heiland erscheint. Eine Auffrischung der Kulissen war nach dieser langen Zeit unbedingt nötig.

Der Restaurator und Malermeister Günter Schlagbauer aus Deising wurde für die Ausführung der Arbeiten gewonnen. Bereits Ende des Sommers hatte der erfahrene Kunsthandwerker mit seinem anspruchsvollen Auftrag begonnen. Zunächst musste dem Holzwurm in der altehrwürdigen Holzkonstruktion mit zweifacher Behandlung zu Leibe gerückt werden. Durch Abdichten und Verkleben der behandelten Hölzer wurde der Parasit in einer längeren luftdichten Verpackung unschädlich gemacht, bevor die Malerarbeiten beginnen konnten.

Zur besseren Übersicht und um einen gründlichen Eindruck vom Gesamtwerk zu erhalten, lagerte der Fachmann die Teile auf dem Hof. Die Leinwand war vom Zahn der Zeit schon recht strapaziert und hatte teilweise so stark gelitten, dass das Bemalen eine Herausforderung darstellte. In einer intensiven dreiwöchigen Arbeitsphase wurde die Ausbesserung der Farbschäden vorgenommen und anschließend das restaurierte Gemälde zum Schutz mit Firnis behandelt.

Gereizt habe ihn diese Aufgabe, weil sie nicht so ganz einfach war, bekannte Schlagbauer, dessen Kunstfertigkeit für sakrale Darstellungen geschätzt ist. Auch die Kulissen für das Passionsspiel in Altmühlmünster tragen seine Handschrift. Gerne habe er sich für das Dietfurter Ölbergspiel eingebracht, "eine Ehre" sei ihm dieser Auftrag gewesen. "Schon als Kind haben mich die Ölbergandachten beeindruckt", zu denen er mitgehen durfte, erinnert er sich.

Das technische Ölbergteam kümmerte sich um den Einbau der renovierten Kulissen hinter dem Klosteraltar..
Das technische Ölbergteam kümmerte sich um den Einbau der renovierten Kulissen hinter dem Klosteraltar.
Götz
Dietfurt

Kürzlich hat ein Team von Freiwilligen die restaurierten Kulissen über dem Klosteraltar wieder eingebaut. So können in dieser Woche die Ölbergandachten, die seit dem Jahr 1680 an den Donnerstagen bis zum Palmsonntag in der Klosterkirche abgehalten werden, wieder beginnen.

Die "Angst-Andacht", die es schon vor 1486 in der Stadtpfarrkirche Dietfurt gab, ist die Vorläuferin dieser kirchlichen Betrachtungsform des Leidens Christi. Von 1802 bis 1827 wurde die szenische Aufführung in der Zeit der Säkularisation unterbrochen. Die Bevölkerung bemühte sich nachdrücklich um den Fortbestand des Klosters und wurde, vertreten durch den Bürgermeister und einen Bierbrauer persönlich bei König Ludwig I. in München vorstellig. Dessen positiver Bescheid ermöglichte dann die Fortführung der Ölbergandachten. Selbst während der Nazidiktatur fanden sie statt, von 1942 an den Sonntagen, weil viele Menschen an den Wochentagen zu Arbeitsdiensten verpflichtet waren. Die Dietfurter Geschäftswelt setzte sich nach Kriegsende für den Donnerstag ein und seit 1950 sind die Ölbergandachten wieder am angestammten Wochentag, dem Donnerstag. Der Ablauf hat sich seit den Ursprüngen weitgehend erhalten.
 

Informationen

Am Donnerstag um 13 Uhr sind die Gläubigen zum Rosenkranzgebet willkommen, dem um 13.30 Uhr die Fastenpredigt folgt. Während früher alle Ansprachen ein Prediger hielt, wendet sich seit 25 Jahren jeweils ein anderer Geistlicher an die Zuhörer. Provinzvikar Pater Franz Josef Kröger aus München hält die erste Fastenpredigt.

Beim anschließenden szenischen Ölbergspiel senkt sich ein großes Kreuz auf die Christusfigur. Ein Engel, verkörpert von einem Dietfurter Buben, schwebt in heller Beleuchtung in die bedrückende Szene und spendet Trost im Lied. Engeldarsteller ist diesmal Lukas Neger und Christussänger Karl Mayerhöfer. Das schlichte Spiel als Zeichen früherer Volksfrömmigkeit hat auch in unserer modernen Zeit nichts an Attraktivität eingebüßt. Alljährlich finden sich viele Besucher, auch aus dem weiteren Umkreis, in der Klosterkirche ein. Informationen erteilt das Franziskanerkloster Dietfurt, Telefon (08464) 6520, wo auch Anmeldungen von Gruppen entgegengenommen werden. | gtz