Kinding: Der Biberberater ist gefragt
Foto: Sabine Lund
Kinding

In den vergangenen Jahren ist ein Biber im Morsbachtal heimisch geworden und hat dort riesige Dämme gebaut. Nun ist das Nagetier zur Anlauter flussabwärts gewandert und erobert sein neues Revier zwischen Erlingshofen und Schafhausen. Bürgermeisterin Rita Böhm berichtete, dass nicht nur das Tier dort gesichtet wurde, sondern es inzwischen ganze Arbeit geleistet hat. Der Fluss wurde an mehreren Stellen aufgestaut, so dass bereits das Wasser in der Senke auf landwirtschaftlich genutzten Feldern steht. An der Brücke am Ortseingang von Erlingshofen hat er einen großen Baum gefällt, der nun als Hindernis im Wasser liegt.

Gemeinderat Norbert Merkl zeigte sich besorgt wegen der daraus entstehenden Gefahren und Schäden. Böhm hat bereits mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt in Ingolstadt Kontakt aufgenommen, das für den Unterhalt des Gewässers verantwortlich sei. Dort erfuhr sie, dass die Gemeinde eine Genehmigung benötigt, um das Tier zu fangen. Denn der Biber fällt unter die Bundesartenschutzverordnung.

Auch der Vorschlag der Gemeinderäte, einen Jäger mit dem Einfang zu beauftragen, sei nicht möglich, erklärte Böhm, denn der Biber sei nicht jagdbar. Um das Problem nun zu lösen, soll ein Biberberater aus dem Landkreis beauftragt werden, der die Situation untersuchen und eine Stellungnahme abgeben soll. "Es wäre sinnvoll, wenn sich auch jemand in der Gemeinde mit dem Thema Biber auskennen würde", regte Böhm an. Bürger aus der Gemeinde Kinding, die eine Schulung zum Biberberater machen möchten, werden gebeten, sich im Rathaus unter Telefon (08467) 840 10 zu melden. Die Kosten für die Schulung werden übernommen.

Auch das geplante Radwegenetz "Fränkischer WasserRadweg" war Thema der Sitzung. In einer Präsentation hatte Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland, das Projekt dem Kindinger Gemeinderat vorgestellt. Ab 2019 soll ein neues Radwegenetz von 420 Kilometern insgesamt 58 Städte und Gemeinden in Ost-West-Richtung miteinander verbinden: Von Rothenburg ob der Tauber bis Beilngries und von Wassertrüdingen bis Neumarkt können Radfahrer ihre Rundtour planen. Dabei finden sie immer einen Bezug zu den Themen Wasser, Seen und Burgromantik.

Diese Attraktionen finden sich auch auf dem 14,5 Kilometer langen Teilstück wieder, das von der Kratzmühle entlang der Altmühl durch die Ortsmitte von Kinding und Enkering verläuft. Neben dem Kratzmühlsee hat Kinding interessante Plätze am Wasser vorzuweisen, an denen sich Radtouristen sicherlich gerne aufhalten, sagte Niederprüm. In Sachen "Burgromantik" könnten die Kindinger Kirchenburg, die Rumburg und die Vorzeitfestung Schellenburg punkten. Niederprüm betonte, dass keine neuen Radwege gebaut werden müssen, sondern bereits bestehende Radrouten wie der Altmühl-, Wörnitz- und Limesradweg vernetzt werden.

Ein Serviceheft soll die Fahrer mit Kartenmaterial über die einzelnen Etappen und über Gastgeber, Gaststätten oder Radhändler informieren. Auf Radmessen soll für den neuen Fernradweg ebenso geworben werden wie in den sozialen Medien, einem eigenen Blog und auf einer Webseite. Die dabei entstehenden Kosten sollen die beteiligten Gemeinden tragen. Der Beitrag setzt sich aus einer Pauschale pro Kilometer und einem Grundbeitrag zusammen, der sich auf den Mitgliedsbeitrag im Tourismusverband Fränkisches Seenland bezieht. Die veranschlagten Kosten entsprächen in etwa dem Kostenanteil, den Kinding auch sonst für Messebeteiligungen und Anzeigen aufwendet, sagte Böhm. Kinding sei schon durch seine Lage als Verkehrs-Knotenpunkt prädestiniert, sich an diesem neuen Fernradweg zu beteiligen. Damit werde auch die Verknüpfung mit Franken gestärkt, erklärte Böhm. Sie sieht in dem Projekt "eine tolle touristische Möglichkeit, für unsere Gemeinde Werbung zu machen". Die Gemeinderäte sahen das genauso und stimmten dem Entwurf für einen Kooperationsvertrag zu.