"Grundsätzlich geht es aus naturschutzfachlicher Sicht nicht allein um den Nationalpark, sondern um den Naturschutz in schützenswerten Gebieten", sagt er. Dazu führt er an, dass die Auengebiete in den vergangenen Jahrzehnten die größten Verluste hinnehmen mussten und daher immenser Handlungsbedarf bestehe. "Unsere alpinen Flüsse weisen nur noch wenige frei fließende Teilabschnitte auf", meint er. Umso mehr sollte man den Erhalt der Donau-Auen, von denen es nur noch vereinzelte Restbestände gebe, besonders ins Auge fassen. Nach Überzeugung Pöppels müssen in der Diskussion um den Schutzgebietstyp "Nationalpark" also naturschutzfachliche Argumente im Vordergrund stehen. Natürlich seien daneben auch Erwägungen zu Finanzen und Arbeitsplätzen von Bedeutung. Der BN-Vertreter ist optimistisch, den gesamten Block der "Freizeitnutzung vor Ort" bei gutem Willen auf beiden Seiten in einem "ehrlichen Dialogprozess über abgestimmte Nutzungskonzepte und Nutzungsalternativen" lösen zu können. Dass beide Seiten Abstriche werden machen müssen, dessen ist sich der ÖDP-Politiker bewusst. Aber in einem ist er sich sicher: "Am Ende können bestimmt alle Seiten guten Gewissens zustimmen."

Sein persönliches Schlüsselerlebnis hatte Pöppel im vergangenen Frühjahr, als er auf einer Wanderung durch die Weltenburger Enge eine wilde Party auf den Inseln des Donaudurchbruchs beobachtete, wo zwei Dutzend Feierwütige mit Booten anlandeten, mit Lautsprecherboxen die ganze Gegend beschallten, grillten, tranken und sich auch sonst alles andere als gesittet benahmen. "Auch andere Wanderer waren entsetzt darüber, dass so etwas in einem Naturschutzgebiet zugelassen sein soll." In einem Nationalpark würden speziell ausgebildete Ranger ihre Runden drehen und bei solchen Auswüchsen schnell eingreifen.

Nach Einschätzung Pöppels führt an einem Nationalpark Donau-Auen kein Weg vorbei. "Sollte es mit dem Nationalpark nichts werden, sollten unbedingt andere Schutzgebietstypen für die Weltenburger Enge hinsichtlich ihrer Eignung geprüft werden", sagt Pöppel und nennt etwa den Typ eines "Nationalen Naturmonuments", mit dem möglicherweise viele Finanzierungslücken zum Überleben einheimischer Arten geschlossen werden könnten.

Dass es zu solchen Szenen wie der besagten Party kommen kann, führt Pöppel auf die massiv gestiegenen Besucherzahlen zurück. Abhilfe schaffen könne nur eine professionelle Besucherlenkung, wie sie ein Nationalpark möglich macht. Dass dabei das eine oder andere Freizeitvergnügen gestrichen werden muss, räumt er ein. Das müsse aber nicht das Ende des Kanu- oder Klettersports auf der Donau bedeuten. "An der einen oder anderen Stelle muss man sich halt ein wenig zurücknehmen, es könnten aber auch Alternativen wie zum Beispiel ein Kletterfelsen in der Nähe geschaffen werden."

Keine glückliche Rolle spielt nach Auffassung des ÖDP-Kreisrats die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in der Debatte. Dass diese Fachbehörde mit ihrem Know-how nicht die Federführung für das Kelheimer Gebiet bei dem wichtigsten Naturschutzthema im Freistaat übernimmt, ist Pöppel absolut unverständlich. Ihm scheint es so, als sei die Fachbehörde vor Ort kaum eingebunden. "Von dort würde ich mir zum Beispiel die detaillierten naturschutzfachlichen Fakten, die gesamte Rechtssituation von Verordnungen und Ausnahmegenehmigungen für Naturschutz- und FFH-Gebiete an der Donau sowie die Entwicklung der Menge an Verstößen gegen Schutzbestimmungen wünschen." Dass die vorliegenden Daten nicht veröffentlicht werden, macht es nach den Worten des Politikers für alle Beteiligten nicht leicht, einen fairen Dialogprozess zu führen.

"Verzicht fordert Einsicht. Einsicht braucht Fakten." Unter dieser Prämisse will Pöppel in ein ehrliches Dialogverfahren einsteigen und ist auch gespannt auf die Argumente der Gegenseite. Neben Landrat Martin Neumeyer (CSU) war er Ende vergangenen Jahres einer der wenigen Kreisräte, die das Gespräch mit den Demonstranten suchten, die am Rande einer Sitzung des Umweltausschusses ihrem Unmut über die Nationalparkpläne kundgetan hatten. Die Debatte will er nun fortsetzen und Freizeitnutzer, insbesondere aber eine deutliche Mehrheit der Anwohner der Weltenburger Enge und der Donau für ein solches Projekt gewinnen. "Bestimmt gibt es viele gemeinsame Interessen, die wir so noch gar nicht herausgearbeitet haben." Dazu zählt Pöppel im Zusammenhang etwa mit der Fischerei Themen wie die Verbesserung der Wasserqualität. Er setzt sich aber genauso mit den Argumenten der Kanufahrer oder der Schifffahrt auseinander. Dem Nationalparkgegner und Landtagsabgeordneten Hubert Aiwanger (FW) hält er entgegen, dass die Idee eines Auennationalparks kein Blödsinn sei und mit Ideologie nichts zu tun habe. Im Gegenteil: "Nationalparks sind fachlich notwendig, um dem Artensterben in Verantwortung für die Schöpfung etwas entgegenzusetzen."

Anders als viele Beobachter der bayerischen Politik glaubt Pöppel nicht, dass mit dem Wechsel auf dem Ministerpräsidentenposten von Horst Seehofer zu Markus Söder (beide CSU) die Nationalparkidee vom Tisch ist. "Nach meiner festen Überzeugung wird es am Ende sicherlich heißen: Wir sind Nationalpark-Landkreis Kelheim."