Professor Joachim Vossen, der Leiter des eineinhalbjährigen Isek-Prozesses, lobte dessen professionelle Abwicklung. "Es ist alles gut und teilweise sogar unterhaltsam gelaufen", berichtete er mit einem Seitenhieb auf die vier Wirtshausgespräche, bei denen das Konzept unter intensiver Einbindung der Bürger besprochen worden war. Er betonte aber, dass sich aus Isek für die Kommune "keine zwanghafte planungsrechtliche Bindung" ergebe. Diese Tatsache fasste Vossen in die Formel: "Viel kann - wenig muss." Die Stadt Riedenburg genieße weiterhin "volle Entscheidungshoheit".

Der Geschäftsführer des Instituts für Stadt- und Regionalmanagement machte das Gremium aber darauf aufmerksam, dass die 60-prozentige Städtebauförderung für Isek-Projekte nur fließe, wenn die Vorhaben Bestandteil des nun verabschiedeten Maßnahmenkatalogs seien. "Nachmeldungen sind schwierig", sagte er.

"Man darf der Bevölkerung nichts überstülpen."

Vize-Bürgermeister Konrad Halbig

 

Beim Isek-Prozess sei sinnvoll Zeit investiert worden, meinte Stadtrat Thomas Zehetbauer. Deshalb dürfe das Konzept auf keinen Fall - wie früher geschehen - in einer Schublade verschwinden, sagte der Sprecher der CWG-Fraktion. In deutlichen Worten lehnte es Zehetbauer aber ab, nun womöglich "ein Prestigeprojekt in der Kernstadt" zu verwirklichen und die Dörfer außen vor zu lassen. "Dann wäre das Geld nicht sinnvoll angelegt."

Inwieweit das Institut für Stadt- und Regionalmanagement die Großgemeinde auf ihrem Isek-Weg weiter unterstützen wird, ist offen. Dieses Thema sprach der CSU-Stadtrat Josef Fuchs an. Die weitere Begleitung durch die Experten werde Geld kosten, erklärte Vossen. Die Kommune müsse selbst entscheiden, ob sie sich eine künftige Begleitung durch seine Firma Geld kosten lasse oder nicht.

Agnes Schindler von der Firma Dragomir Stadtplanung ließ den Isek-Prozess für die Stadträte nochmals Revue passieren. Isek sei ein Leitfaden für das weitere Vorgehen. In der Großgemeinde habe man die Siedlungsstruktur, Nutzungen und den Öffentlichen Personennahverkehr durchleuchtet. Mit dem Verkehr und den Grünräumen habe man sich im Zuge der Bestandsaufnahme auch in der Kernstadt beschäftigt. Dabei entdeckte man laut Agnes Schindler viele Standortvorteile: hochwertiger Landschaftsraum, attraktive Ortsteile, ausgebautes Wege- und Wandernetz, vielfältige Tourismusangebote, zahlreiche soziale Einrichtungen und Schulen sowie die historische Altstadt.

Nach Überzeugung von Schindler gibt es in der Großgemeinde aber auch Defizite, die es abzustellen gelte: fehlende Verknüpfung des Talraums mit der Juraebene, zahlreiche Ortsteile müssten aufgewertet werden, fehlende Barrierefreiheit in der Kernstadt, viele Leerstände und eine geringe Aufenthaltsqualität im Straßenraum. Daraus ergebe sich für das Entwicklungskonzept Handlungsbedarf bei der Verknüpfung und Bewahrung der Landschaftsräume, eine notwenige Stärkung der Verkehrsbindungen und eine behutsame und flächensparende Siedlungsentwicklung. In der Kernstadt müsse die Attraktivität der Grünflächen verbessert und die Barrierefreiheit in Angriff genommen werden.

Vize-Bürgermeister Konrad Halbig (CWG) sprach von einem "umfangreichen Maßnahmenkatalog", der für den amtierenden Stadtrat und den nach der nächsten Kommunalwahl noch viele Aufgabenfelder bereithalte. Allerdings dürfe man "der Bevölkerung nichts überstülpen", forderte er.

AUS DER SITZUNG

Bei der Sitzung des Riedenburger Stadtrates am Donnerstagabend wurden noch folgende Themen behandelt:

 

In Hattenhausen wird es auch weiterhin keine Straßennamen geben. Obwohl Rettungsdienste dafür plädiert hatten, die unübersichtliche Vergabe von Hausnummern aufzugeben, stimmte nur der CSU-Stadtrat Josef Fuchs für die Vergabe eines Straßennamens in Hattenhausen. Alle anderen Stadträte schlossen sich den Bedenken der dort lebenden Bürger an, die kostspielige Änderungen von Ausweisen, Briefköpfen und Ähnlichem befürchtet hatten.

 

Der Neubau einer Lagerhalle in Prunn wurde gebilligt. Zuvor muss die bestehende Lagerhalle teilweise abgebrochen werden.

 

Das Thema Gaslieferungsverträge für die städtischen Liegenschaften wurde vertagt. Laut Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU) liegt noch kein Angebot vor.

 

Bürgermeister Lösch musste die Sitzung vorzeitig verlassen . Vize-Bürgermeister Konrad Halbig (CWG) übernahm die Leitung. Der langjährige Hauptamtsleiter Günter Wagner wurde erstmals von Kristina Poschenrieder vertreten. | rat