Riedenburg: Im Vertrauen auf Gott
Foto: Harald Rast
Riedenburg

Flinken Schrittes eilt Schwester Oberin Beatrix die Treppen im Kloster St. Anna hinauf und hinab. "Mir geht es gut. Ich stehe jeden Tag auf, ohne dass mir etwas weh tut", sagt sie lächelnd. Man merkt es der Leiterin der Riedenburger Niederlassung des Ordens der Klarissen nicht an, dass sie heute 80 Jahre alt wird.

Dabei hat Schwester Beatrix keineswegs nur ein weltabgeschiedenes und ruhiges Klosterleben geführt. Zwischen 1979 und 2006 war sie die tatkräftige und bisweilen gestrenge Chefin der Riedenburger Mädchenrealschule St. Anna. Dieses Amt hatte sie bis drei Monate vor ihrem 70. Geburtstag inne. Zudem ist sie seit 1985 die Oberin des Klosters. Bis zum Jahr 1999 gab es außerdem ein Internat, in dem bis zu 110 Mädchen lernten und lebten. Um diesen Leitungsfunktionen gerecht zu werden, musste die Ordensfrau auch Managerin sein.

Ingeborg Magdalena Riegelsberger wurde 1936 in Altmannstein geboren. Sie hat eine Zwillingsschwester, die inzwischen verwitwet ist und in Mitterfels bei Straubing lebt. "Wir feiern in diesem Jahr zusammen", freut sich Schwester Beatrix. Von ihren drei Brüdern sind inzwischen zwei gestorben, einer lebt in der Nähe von Ingolstadt. Den Eltern gehörte früher das Sägewerk in Hexenagger: "Wir hatten kein armes Elternhaus", betont sie.

Gerne erinnert sich die 80-Jährige an ihre Kindheit zurück: "Ich habe viel Sport gemacht, mit den Buben Fußball gespielt, bin in der Schambach zum Schwimmen gegangen und viel Ski gefahren." Ihre Familie sei nicht sehr religiös gewesen. Dennoch wusste die Jubilarin schon als kleines Mädchen, dass das Kloster ihre Berufung sein würde: "Ich hätte im Leben nichts anderes machen wollen." Sieben Jahre besuchte sie die Dorfschule in Schambach. Schon damals, in der unmittelbaren Nachkriegszeit, gab es dort viele Flüchtlingskinder. Nach dem Besuch des Ingolstädter Gnadenthal-Gymnasiums legte sie 1957 ihr Abitur ab. Doch die Eltern hätten darauf bestanden, dass sie vor dem Eintritt ins Kloster eine ordentliche Ausbildung absolvieren sollte, erinnert sich Schwester Beatrix. So habe sie in München und Heidelberg Deutsch und Englisch studiert, um Lehrerin zu werden. Weil sie so gut in Sport gewesen sei, habe sie kurzfristig sogar damit geliebäugelt, Sportlehrerin zu werden. Doch dieser Beruf, so sei ihr schließlich klar geworden, wäre mit ihrer Berufung zur Klosterschwester nicht zu vereinbaren gewesen.

Um ihre Englischkenntnisse zu vervollkommnen, studierte sie monatelang in Manchester, Cambridge und London. Nach ihrer Referendarzeit in Bayreuth trat sie im Alter von 28 Jahren in das Riedenburger Kloster ein, um dort als Lehrerin zu arbeiten. Nach einem Jahr erfolgte die Einkleidung. Aus Ingeborg Magdalena Riegelsberger wurde Schwester Beatrix. Diesen Ordensnamen hatte sich die junge Novizin gewünscht. "Damals lebten im Kloster 36 Schwestern, heute sind es nur noch acht - es war leider nie ein großes Haus." Im Jahr 1979 übernahm sie von Schwester Annuntiata die Leitung der Mädchenrealschule. Es war ihr stets ein Anliegen, den Schülerinnen gleichermaßen Wissen und Werte zu vermitteln. Das gelang, wie der bis heute hervorragende Ruf der Bildungseinrichtung zeigt. "Ich war immer gerne Lehrerin, aber bei den heutigen Verwaltungsaufgaben möchte ich keine Direktorin mehr sein." Zudem habe die Mädchenrealschule damals acht Klassen gehabt, heute sind es 14 bis 15.

Eine zusätzliche Herausforderung brachte auch das der Schule angeschlossene Internat mit sich. "Von 6 bis 22 Uhr war Betrieb und danach herrschte immer noch keine Ruhe", erinnert sich Schwester Beatrix lachend. Trotz einer ausreichenden Zahl an Anmeldungen habe man das Internat im Jahr 1999 schließen müssen, bedauert sie. "Aber wir haben keine Erzieherinnen mehr bekommen und die Schwestern sind immer älter geworden." Danach seien zwar viele Zimmer leer gestanden, aber inzwischen brauche die Schule immer mehr Platz, unter anderem für Gruppenräume.

Der nächsten großen Aufgabe musste sich Schwester Beatrix im Jahr 2006 stellen. Obwohl sie damals ihr Amt als Direktorin niederlegte, gelang es, die Mädchenrealschule dauerhaft zu erhalten. Dafür wurde unter der Leitung des damaligen Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller eine eigene Schulstiftung gegründet. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Schwester Beatrix. Inzwischen arbeitet in Person von Schwester Brigitta nur noch eine Ordensdame an der Schule. "Wir haben leider keinen Nachwuchs mehr im Kloster, diese Zeit ist vorbei."

Auch wenn die Ordensgemeinschaft inzwischen auf eine überschaubare Größe zusammengeschrumpft ist, hat die Oberin noch genug Arbeit. Sie genießt es aber, mehr Freizeit zu haben. Gerne liest die frühere Deutschlehrerin nach wie vor die Klassiker von Adalbert Stifter und Johann Wolfgang von Goethe. Langeweile ist für Schwester Beatrix auch im Ruhestand ein Fremdwort. Zudem muss sie viele öffentliche Verpflichtungen wahrnehmen. "Ich wünsche mir, dass es noch möglichst lange so weitergeht."

Angst vor der Zukunft kennt die Ordensfrau nicht. Sie weiß sich fest in Gottes Hand und zitiert Jesus: "Ich bin bei euch alle Tage." Dieses Bibelwort habe sie bei allem Auf und Ab gut durch das Leben getragen. Außerdem schätzt Schwester Beatrix einen Satz von Papst Johannes XXIII. Der habe einst gesagt: "Giovanni, nimm dich nicht so wichtig."

Auch der unweigerlich nahende Tod bereitet der 80-Jährigen keine Sorge. Sie hat ihre Eltern und zwei ihrer Brüder bei deren Sterben bis zum Schluss begleitet. "Der Tod ist immer da, er gehört doch zum Leben. Jeder, der glaubt, wird leben in Ewigkeit."