Die Dietfurter Chinesen waren beim Rosenmontagszug in Bonn mit dabei. Foto: Palm
Daniela Palm
Bonn

Mit dabei waren Kaiser Fu-Gao-Di, der im bürgerlichen Leben Manfred Koller heißt, mit seinem Gefolge, die Kaisergarde, der Stadtrat Adolf Karg, die Bauhof-Mitarbeiter Andreas Heislbetz und Johann Mosandl, Mitglieder der Fröhlichen Runde, die Drachengruppe, und Mitglieder des TSV Dietfurt. Der Bus war mit 52 Personen fast voll besetzt. Los ging es am Faschingssonntag um 9 Uhr in Dietfurt. Nach einer knapp siebenstündigen Fahrt kam die Gruppe bestens gelaunt in Bonn an.

Am Rhein wurden die bayrischen Chinesen von Gisela Ewert-Rings, sie ist Vorstandsmitglied des Bönnsche Chinese Kultur- und Karnevalsvereins, und Wilfried Schatz, dem Vorstandsbeauftragten der Bönnsche Chinese, begrüßt. Beide hatten im vergangenen Jahr am Bayrisch-Chinesischen Sommer in Dietfurt teilgenommen und die Einladung für den Rosenmontagszug ausgesprochen.

Auslöser war der Chinesenfasching 2017, zu dem Volker Wagner, der Ehrenpräsident des Bund Deutscher Karneval, nach Dietfurt gekommen war. Er hatte sich vom hiesigen Faschingstreiben hellauf begeistert gezeigt und Kontakt zu Werner Knauf, dem Vorsitzenden des Bonner Vereins, aufgenommen. So kam es, dass die Bönnsche Chinese mit einer Abordnung und einer Löwentanzgruppe zum Bayrisch-Chinesischen Sommer im vergangenen Jahr kamen und eine Gegeneinladung aussprachen.

Am Sonntagabend waren die Dietfurter im chinesischen Restaurant Chengdu des Präsidenten der Bönnsche Chinese, Jin Jian Shu, zu Gast. Es gab einen chinesischen Feuertopf, der mit einem Fondue vergleichbar ist. Dabei wird in einer scharfen oder milden Brühe Fleisch oder Gemüse in kleinen Sieben gekocht.

Viel war los beim Bonner Fasching. Foto: Palm
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Bonn

Nach dem landestypischen Essen folgte die offizielle Begrüßung der bayrischen Chinesen. Jeder Faschingsgruppe wurde ein Karnevalsorden verliehen. Es waren hochrangige Persönlichkeiten wie die Botschaftsrätin von China, Miaozhen Zhu, und ein chinesisches Presseteam gekommen, um die Dietfurter in Bonn willkommen zu heißen.

Im Namen der Stadt Dietfurt überreichte die Tourismusreferentin Pia Pritschet Geschenke. Jeder Bönnsche Chinese erhielt ein Abzeichen vom Jubiläumsfasching unter dem Motto "90 Jahre Bayrisch China".

Gisela Ewert-Rings verkaufte im Anschluss Faschingsorden der Bönnschen Chinesen aus dem Dietfurter Bauchladen. Diesen hatte sie beim Bayrisch-Chinesischen Sommer von der Dietfurter Bürgermeisterin Carolin Braun (SPD) geschenkt bekommen. "Dieser Bauchladen hat mir schon wertvolle Dienste erwiesen. Ich habe ihn bei jeder Veranstaltung mit dabei und werde so sehr oft an Dietfurt erinnert," erzählte Ewert-Rings.

Die Dietfurter Chinesen waren willkommene Gäste im Rheinland. Foto: Palm
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Am Rosenmontagmorgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück los, die Kaisersänfte musste aufgebaut werden. Pünktlich um 12 Uhr sollte der Zug starten. Einige Wahlbonner und -Kölner, die ursprünglich aus Dietfurt stammen, kamen ebenfalls mit und unterstützen die Gruppe. Am Ende marschierten an die 55 bayrische Chinesen im Zug mit.

Die Stimmung war trotz der frostigen Temperaturen sehr gut. Bis sich die Dietfurter in den Faschingszug einreihen konnten, vergingen fast zwei Stunden. Die bayrischen Chinesen liefen unter den Bönnsche Chinesen mit. Der erste Wagen war der Deutsch-Chinesischen Freundschaft gewidmet, die zweite Gruppe waren Pandas und Chinesen in asiatischen Kostümen, diesen folgte der Bagagewagen, der bis oben hin mit Bonbons und Süßwaren bestückt war, danach kam die Kutsche China-Restaurant Cheng Du, die Hunnenhorde mit Rikscha, die bayrischen Chinesen mit ihrer Abordnung, eine Tanz- und Musikgruppe mit Großtrommeln, Becken und Gong und ein 16 Meter langer Handdrache. Den Schluss der Gruppe bildete die Chinesische Mauer.

Als der Zug sich schließlich bewegte, waren die Kälte und der eisige Wind schnell vergessen. Die Herzlichkeit der Bonner Karnevalisten und Zuschauer steckte alle an. Die Kinder riefen nach "Kamelle" und die Erwachsenen "Alaaf". Das Dietfurter "Kille-Wau" erscholl zwischen "Bonn Alaaf" und "Bönnsche Chinese Alaaf". Die bayrischen Chinesen ernteten viel Beifall. Von vielen Seiten war zu hören: "Schön, dass ihr dabei seid." Der Bonner Frohsinn steckte alle an, sodass die knapp vier Kilometer lange Zugstrecke wie im Flug verging. Die 16 Kaiserträger schoben den Kaiser Fu-Gao-Di durch die malerische Kulisse der Bonner Altstadt. Ihm voraus ging die Drachengruppe mit großen Fahnen, gefolgt von der Kaisergarde, den Hofdamen und dem Hofstaat mit dem lauten Gong.

Die Dietfurter Chinesen verbreiteten gute Laune. Foto: Palm
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Die Offenheit der Bonner Narren war überall zu spüren, das Interesse an der Dietfurter Gruppe war sehr groß. Es gab Live-Übertragungen beim WDR und im Internet auf www.kamelle.de. Auch die ARD war im Einsatz. Auf www.dietfurt.de gibt es die Möglichkeit, Videos und Fotos anzusehen. Oft wurde die Dietfurter Gruppe für kurze Interviews aufgehalten.

Mit rund 5200 Jecken war der diesjährige Bonner Rosenmontagszug der "größte aller Zeiten". Knapp 100 Wagen, 27 Live-Musikgruppen und Fußgänger zogen durch die Innen- und Altstadt. An den 19 Kommentatorenstellen erfuhren die Bonner und ihre Gäste auch einiges über die Bayrischen Chinesen.

Pia Pritschet freute sich sehr, dass die Fahrt zu einem wunderschönen Erlebnis für alle Teilnehmer wurde: "Ich denke wir haben die Stadt Dietfurt und Bayrisch-China wunderbar präsentiert und für unseren einmaligen Fasching geworben."

Nach dem Umzug wurde die Kaisersänfte wieder in ihre Einzelteile zerlegt. Dann mischten sich die Dietfurter unter die Bonner Narren. Der Bus trat pünktlich um 22 Uhr die Heimreise an. In den frühen Morgenstunden erreichten die bayrischen Chinesen müde aber voller Eindrücke die Heimat.