Dietfurt: Sonnensohn auf dem Kaiserthron
Nichts für Weichlinge: Die Männer vom Stammtisch Fröhliche Runde wärmten sich zunächst in des Kaisers Schwitzstube auf, bevor sie sich bei winterlichen Temperaturen auf die Massagebank legten. Die rechte Hand des Kaisers ist seit Jahren der Zeremonienmeister Kai-Ze-Mai.
Dietfurt

Pünktlich um 13.61 Uhr war der bunte Zug gestartet. Und pünktlich um 13.61 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Eisigkalter Regen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt machten den Zugteilnehmern wie Zuschauern zu schaffen. Deshalb werden es wohl auch weniger Faschingsfreunde gewesen sein, die zum Umzug nach Dietfurt gefahren waren. Die Polizei in Parsberg nannte eine Zahl von "10 000 bis 12 000 Zuschauern". Bei besseren äußeren Rahmenbedingungen waren es schon bis zu 20 000.

Doch was ein echter Dietfurter Chinese ist, der lässt sich nicht so leicht verdrießen. Fröhlich feierten die Zugteilnehmer ihren neuen Kaiser, nachdem sein Vorgänger Ko-Houang-Di im vergangenen Jahr abgedankt hatte. Regenschirme, farblich zu den Kostümen passend, waren nur ein Beispiel dafür, dass man im Dietfurter Fasching für alle Fälle gerüstet ist.

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Auf der Ehrentribüne hatten sich - so wie jedes Jahr - Landrat Willibald Gailler und Staatssekretär Albert Füracker (beide CSU) eingefunden, außerdem der Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (SPD). Vom Konfuziusinstitut in München verfolgten das närrische Treiben die Leiter Gao Fangfang und Li Kaning und Kang Wei, der Projektmanager für Kulturaustausch. Auch Touristen aus dem Reich der Mitte waren gekommen. Fantasievoll hatten die Zugteilnehmer ihre Themen vorbereitet und umgesetzt. Den neuen Kaiser begrüßten Untertanen aus der ganzen Welt - aus Afrika, von den Inkas und aus Ungarn - und sogar aus den Weiten des Alls.



Für Furore sorgten die Männer vom TSV Dietfurt, die sich als Blechtrommelarmee eine Rampe hinunterrollen ließen. Und die leichtest bekleideten Herren vom Stammtisch Fröhliche Runde, die in des Kaisers Schwitzbude die Hüllen fallen ließen, entfachten Begeisterungsstürme.

 

Eltern hielten den Froschkönigen und Prinzessinnen, Indianern und Hippies die offenen Sammeltüten ihrer Kinder entgegen, damit die begehrten Süßigkeiten nicht im Regen landeten. Trotzdem prasselten viele Bonbons auf die nasse Straße - was die Kinder weniger störte. "Ist doch ein Papier drum rum", erklärte ein kleiner Koch auf den kritischen Blick seiner Mutter hin.

Nach dem Umzug sammelten sich wieder alle am Podium. majestätisch schritt Sonnensohn Fu-Gao-Di die Stufen empor - und begrüßte das ihm liebste Volk: die bayrischen Faschingschinesen. Fast etwas mystisch wurde es, als der Kaiserahne hinter den Thron trat und die neue Drachenkrone bedächtig auf das Haupt des neuen Herrschers setzte. Großer Jubel war von unten zu hören - sehen konnte Fu-Gao-Di seine Untertanen kaum, zu viele Regenschirme waren auf dem Marktplatz aufgespannt. Doch das tat der Feierstimmung keinen Abbruch, als ihr Herrscher "Atemlos, Fu-Gao-Di" anstimmte, tanzten die fröhlichen Faschingsnarren tapfer gegen die Kälte an.