Dietfurt: Einlass nur mit Schärpe und Hut
Foto: Anton Bachhuber
Dietfurt

An diesem Abend, der heuer ein Jubiläum feiern kann, verwandelt sich der Wirtshaussaal in die "Katakombe". Nur Männer bekommen Einlass zur Diplomaten-Sitzung, einzig Kellnerin Maria ist geduldet. Die versierte Bedienung muss die Männerschar mit Essen und Trinken versorgen. Das ist schon seit vielen Jahren nicht anders, weshalb Servicekraft Maria von Präsident Ha-Nu-Se alias Alfred Haselbauer auch eigens in der Eröffnungsrede willkommen geheißen wird.

Auch wenn die Diplomaten weit weniger bekannt sind als der Dietfurter Chinesenfasching, so sind sie mindestens genauso einmalig wie das gelbe Treiben in Bayrisch-China.

Das "Diplomatische Corps", so nennen sich die China-Diplomaten, ist aus dem Gesellschaftstag entstanden. Früher fand dieser wöchentlich zweimal - am Mittwoch und am Samstag - statt. Er hat sich bis zum heutigen Tag erhalten, doch finden die Treffen nur noch einmal wöchentlich statt, und zwar am Donnerstagabend - wechselweise in den verschiedenen Gaststätten der Sieben-Täler-Stadt.

Im Jahr 1956 hielt man in der Faschingszeit im Gasthaus Tratz einen Kappenabend ab, bei dem die Teilnehmer manche aktuelle Dinge und auch die Kommunalpolitik "diskutierten". Um sich zu schützen, wenn das eine oder andere hart angesprochen wurde, nannte man sich "Diplomaten", da dieser Berufsstand bekanntlich einen besonderen Schutz genießt. Nachdem dieser Abend allen gefiel, wollte man den Männerabend richtig etablieren und somit war spätestens im nächsten Jahr 1957 die Tradition der Diplomaten-Sitzungen geboren. Längst gibt es das Gasthaus Tratz, genannt "Irrler am Eck", nicht mehr. Jetzt sind die Diplomaten im Bräu-Toni zu Hause.

Dass nur Männer den Zutritt bekommen, war rasch festgelegt. Auch eine Kleiderordnung gibt es: So muss jeder Diplomat in Festtagskleidung mit Kopfbedeckung - Zylinder oder Melone - und einer Schärpe erscheinen, so wie es zum diplomatischen Stand gehört. Im Laufe der Zeit wurde der Tagesordnungspunkt "Heid red i mi aus", immer stärker genutzt, es entstand die Bütt. Wie im richtigen Fasching konnte hier jeder frei von der Leber weg reden. Zudem wurde ein Präsident als Versammlungsleiter bestimmt. Der Erste war Max Prestel, ihm folgten Egid Prock und Hans Geyer. Seit 2001 führt Alfred Haselbauer als Präsident Ha-Nu-Se die Diplomaten. Er hat vor fünf Jahren ein Siegel als besonderes Merkmal eingeführt. Zum Führungskreis gehören noch Christian Linz als Vorsitzender sowie Andreas Werner und Helmut Baumer als dessen Stellvertreter.

Verschiedene Ereignisse haben dafür gesorgt, dass in der 60-jährigen Geschichte der China-Diplomaten einige Jahreskonferenzen ausfallen mussten. Deshalb findet heuer erst die 56. Tagung statt. Sie beginnt morgen um 19.30 Uhr in der Katakombe des Bräu-Toni. Nach dem Einzug des Präsidenten erwartet das Corps ein Festessen. Ihm schließt sich die Ehrung verdienter Diplomaten an. Dann heißt es: "Konzentration auf eine besondere Attraktion." Was dahinter steckt, bleibt bis zuletzt streng geheim. Anschließend sind die Diplomaten aufgerufen "im Brunnen zu brummen", denn die Diplomaten-Bütt ist dem Chinesenbrunnen nachgebaut.

Um den Rednern "das Brummen" zu erleichtern, hat ihnen das Führungsteam der Diplomaten Themen vorgegeben. Dazu zählen unter anderem die neu eingeführte Parkaufsicht in der Innenstadt und wie diese von den Bediensteten der Stadt umgangen wird, das neue Café am Stadtplatz, das immer noch nicht gelöste Hochwasserproblem sowie der Laufende Hund am Kulturhaus, der sich ein neues Opfer sucht. Zum wiederholten Male steht auch die Sanierung alter Häuser auf dem Programm. Natürlich können die Diplomaten sich auch anderer Themen annehmen, derer es sicher viele gibt. Damit jeder dran kommt, ist die Redezeit begrenzt. Wie alljährlich, so wird auch heuer als Kulturattaché Karl-Heinz Bauer den Abend musikalisch gestalten, schon beginnend mit dem Einzug des Präsidenten und der Vorstandsmitglieder.

Es wird sicher wieder eine lange Nacht, meist dauert die Feier bis zum frühen Morgen. Offiziell beendet wird sie mit dem gemeinsamen Gang rund um den Chinesenbrunnen am Rathaus. Auch das ist seit vielen Jahren schon Tradition.