Dietfurt: Fröhlich bei Wind und Wetter
Foto: Andreas Müller
Dietfurt

Eine Arbeitshose mit zahlreichen Taschen - wie man sie von Handwerkern kennt. Einen Sommerhut - ähnlich dem eines Forschers. Ein Wanderrucksack - wie ihn Große tragen: Die 21 Drachenkinder des Waldkindergartens in Dietfurt sind bestens ausgerüstet für ihr tägliches Abenteuer im Wald. An einem Montagmorgen bei strahlenden Sonnenscheinen flitzen um 8 Uhr die Kleinen auf den Wiesen rund um ein Häuschen herum - es ist der übliche Treffpunkt. Die Mädchen sind in knalliges Pink oder dunkles Violett gekleidet, die Buben tragen lieber ein helles Grün oder Dunkelblau. "Eine ordentliche Bekleidung ist viel Wert", sagt Daniela Idzik-Neumann, die Kindergartenleiterin. Schließlich sind die Kleinen mit den zwei Erzieherinnen Idzik-Neumann und Birgit Kuffer bei Wind und Wetter im Wald bei Hebersdorf unterwegs.

Zwar unterscheidet sich das Konzept eines Waldkindergartens von dem eines städtischen Kindergartens, allerdings bleibt eines immer wieder gleich: Manche Kinder wollen sich nicht so recht von ihrer Mutter verabschieden. Mit viel Geduld geht Daniela Idzik-Neumann an solche Situationen heran, gibt den Kindern Zeit und versucht, sie mit Liedern abzulenken. Schließlich verabschiedet sich das gerade drei Jahre alt gewordene Mädchen und läuft an der Hand der Kindergärtnerin mit. "Bei uns können die Kinder ab drei Jahren kommen", erklärt Idzik-Neumann. Zwar haben die Mädchen und Buben im Wald in ihrem Lager alles Notwendige wie sanitäre Einrichtungen, Wasser und auch einen Unterstellplatz, aber dass ein Wickelkind den Waldkindergarten besucht, ist trotzdem nicht möglich.

Als schließlich auch das letzte Kind gegen 8.10 Uhr an der Holzhütte angekommen ist, geht es los. Das Ziel: der Waldkindergarten hinter der kleinen Steigung. Auf ihrem Weg dahin haben sich Idzik-Neumann und Kuffer ein paar Stationen einfallen lassen, die eine Art Morgenritual darstellen. Die erste Station auf ihrem Weg zum Kindergarten ist ein künstlicher Tannenbaum aus Holz. Als Idzik-Neumann ein Säckchen mit kleinen runden Holzstücken ausschüttet, entsteht vor dem Holzbaum ein massives Gedränge. Schließlich möchte jedes Kind sein Bild, das auf einem der runden Holzstückchen aufgeklebt ist, als Erstes an den Baum hängen. Es ist eine Art Anwesenheitsliste - heute sind es 17 Kinder. 17 Energiebündel, auf die zwei Erzieherinnen aufpassen. Dabei geht Idzik-Neumann mit beeindruckender Ausgeglichenheit an die verantwortungsvolle Aufgabe heran. Die Kindergärtnerin lässt den Mädchen und Buben ihren Freiraum, hat sie aber trotzdem alle im Blick. Nachdem die Holzstücke mit Foto in den richtigen Gruppen, also schlaue Füchse, flotte Hasen und die Igelkinder, hängen, stimmt Idzik-Neumann im Kreis das Drachenlied an - ein eigens für den Waldkindergarten getextetes Lied. Anschließend geht es weiter in Richtung Waldkindergarten.

"Ich würde nicht tauschen wollen", schwärmt Idzik-Neumann über ihren Beruf als Waldkindergärtnerin. Das Draußensein in der Natur gemeinsam mit den Kindern sei das Schönste. "Es ist nicht jedes Kind für den Wald geeignet", erklärt sie weiter. "Allerdings wird bei den Kindern, die hier sind, die Kreativität angeregt und sie trauen sich mehr." So seien die ersten Tage die Igelkinder, also die Kleinsten, zuerst nicht so recht auf einen Balken geklettert. "Jetzt sind sie schon etwas höher gerutscht", sagt Idzik-Neumann stolz. Auf die Frage, ob ihr Beruf im Winter besonders schwer sei, antwortet sie mit einem Lächeln: "Am meisten Spaß haben wir, wenn es schneit." Schließlich sei es dann nicht so kalt und es können Schneemänner gebaut werden. "Die richtige Kleidung ist ausschlaggebend", betont Idzik-Neumann.

Der nächste Halt auf dem Weg zum Waldkindergarten ist die selbstgebaute Wetterstation. Jeden Tag darf ein Kind die Temperatur ablesen, ein anderes das Wetter malen und wiederum ein anderes die Windstärke bestimmen - dabei hat die Kindergärtnerin immer ein Auge darauf, dass jeden Tag ein anderes Kind drankommt.

Vor dem Waldkindergarten erstreckt sich eine Wiese, auf der zwei Fußballtore stehen. Auf der Fläche können sich die Kinder austoben: Sieben aufgeschüttete Erdhügel und ein Hügel, der aus Ästen besteht, sind bei den Kindern sehr beliebt. "Magst du mit uns Dieb und Gefängnis spielen", fragt ein Bub Idzik-Neumann. Sie lässt sich nicht lange bitten und ist der Dieb. Es wird eines deutlich: Nicht nur die Fantasie und die Kreativität der Kinder sind grenzenlos, sondern auch die der Kindergärtnerinnen. Dabei stellen sich die Betreuerinnen stets auf die unterschiedlichen Charaktere der Kinder ein. Spielen sie in der einen Minute noch mit den Buben und rennen gemeinsam mit ihnen durch den Wald, setzen sie sich in der anderen Minute auf den Boden und lesen etwas vor. "Ida reitet aus", möchte ein Mädchen vorgelesen bekommen.

So singt Idzik-Neumann gemeinsam mit den Kleinen Lieder, liest Geschichten vor oder denkt sich welche aus und spielt mit ihren Schützlingen. Es wird deutlich, dass Idzik-Neumann ihren Beruf draußen in der Natur mit den Mädchen und Buben aus Leidenschaft ausübt und immer ein offenes Ohr für die Belange der Kinder hat.