Die Zeiten der regelmäßigen Polizeipräsenz an der Einfahrt zum Luft-Boden-Schießplatz in Siegenburg sind vorbei.
Die Zeiten der regelmäßigen Polizeipräsenz an der Einfahrt zum Luft-Boden-Schießplatz in Siegenburg sind vorbei. Nach der Räumung der Kampfmittel wird das Gelände ein Naturschutzgebiet, in dem schon jetzt seltene Vogelarten brüten.
Rast
Siegenburg

Die am Ende noch etwa 200 Mitglieder der im Jahr 1978 im Kampf gegen das "Bombodrom" vor den Toren Siegenburgs gegründete Organisation hatten im Frühjahr verfügt, das restliche Vereinsvermögen einer gemeinnützigen Einrichtung zu überlassen. "Ich bin wohl der einzige Vorsitzende, dessen oberstes Ziel es ist, dass sich sein Verein irgendwann einmal selbst auflöst." Mehr als ein Jahrzehnt flachste Wolfdietrich Rading immer wieder mit dieser Bemerkung und erntete dafür mitunter nur ein mitfühlendes Lächeln. Denn der Luft-Boden-Schießplatz von Bundesluftwaffe und Nato-Streitkräften schien wie festzementiert am Rande des Dürnbucher Forst. Doch der umtriebige BI-Chef selbst war sich immer sicher, dass er sein Ziel, die Schließung des ungeliebten Bombenabwurfplatzes, erreichen kann. "Manchmal haben wir gegen Windmühlen gekämpft, aber unserer Forderung niemals aus den Augen verloren: Das Ding muss weg."

"Wir machen das Ding dicht." Der damalige Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) sollte dann am 27. März 2013 fast die gleichen Worte wählen, als er im großen Sitzungssaal des Kelheimer Landratsamtes, damals noch im Wittelsbacher Schloss, die gute Nachricht verkündete. Inzwischen ist der Bombenabwurfplatz Geschichte und über das militärische Gelände längst Gras gewachsen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn die BI unter der geschickten Verhandlungsregie von Rading verstand es, die Weichen in eine ganz bestimmte Richtung zu stellen. Auf dem mit viel (Flug-)Lärm verbundenen Militärareal sollte eine Oase der Ruhe mitten im Landkreis Kelheim entstehen. Da machte die örtliche Politik natürlich freudig mit, denn wann kommt man schon zu einem Naturschutzgebiet direkt vor der eigenen Haustür und das praktisch zum Nulltarif?

Hier kommt nun der Bund Naturschutz ins Spiel. Dachte man in den Reihen der BI anfangs noch an eine Satzungsänderung, um sich in den Prozess der Entwicklung naturnaher Flächen einzuklinken, kommt diese Aufgabe nun den Naturschützern zu. Allerdings wird die schleppende Kampfmittelräumung des Geländes noch lange dauern. Deshalb halten es Fachleute nach wie vor für viel zu gefährlich, das mehr als 80 Jahre militärisch genutzte Areal einfach so der Öffentlichkeit zu übergeben. Derzeit gilt ein von der Marktgemeinde Siegenburg verhängtes, striktes Betretungsverbot.

Einen Scheck über 4008,48 Euro überreichte der BI-Vorsitzende Wolfdietrich Rading (v.l.) an Hubert Weiger, den Vorsitzenden des Bund Naturschutz, sowie an den BN-Ortsvorsitzenden Georg Flaxl und den BN-Kreisvorsitzenden Peter Forstner. Das Geld stammt aus dem Vereinsvermögen der aufgelösten BI gegen Fluglärm.
Einen Scheck über 4008,48 Euro überreichte der BI-Vorsitzende Wolfdietrich Rading (v.l.) an Hubert Weiger, den Vorsitzenden des Bund Naturschutz, sowie an den BN-Ortsvorsitzenden Georg Flaxl und den BN-Kreisvorsitzenden Peter Forstner. Das Geld stammt aus dem Vereinsvermögen der aufgelösten BI gegen Fluglärm.
BI Siegenburg
Siegenburg

Inzwischen zählt der Übungsplatz zum Nationalen Naturerbe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Darüber ist man beim Bund Naturschutz froh. Das betonte auch deren Landesvorsitzender Hubert Weiger, der am Rande der Scheckübergabe das über Jahrzehnte praktisch unberührte Gelände in den höchsten Tönen lobte. Im Dürnbucher Forst fänden sich nicht nur die bedeutendsten Dünenlandschaften Süddeutschlands mit einer reichhaltigen Pflanzenwelt, sondern auch viele Brutstätten seltener und bedrohter Vogelarten. Den Scheck, den er in Empfang nahm, verstand der oberste Naturschützer im Freistaat deshalb auch als einen großen Vertrauensbeweis der Bürger seiner Organisation gegenüber. Georg Flaxl, der Siegenburger BN-Vorsitzende, und seine Mitstreiter werden den Prozess vom Militärgelände hin zum Naturschutzgebiet weiter begleiten. Er überreichte Weiger dazu noch ein Geschenk mit historischem Wert: eines der "Bürger gegen Fluglärm"-Schilder, die zum Teil jahrzehntelang den Protest der Bürger nach draußen transportierten. Peter Forstner, der BN-Kreisvorsitzende, hatte eine Zusammenstellung mit diversen Bildern des neuen Naturerbes mitgebracht. Er zeigte sich glücklich, dass die 273 Hektar mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna nun unter Schutz stehen.

Ganz zu Ende ist Wolfdietrich Rading mit seiner Arbeit aber noch nicht. Mit seiner Unterschrift beim Notar ist zwar die offizielle Auflösung der BI gegen Fluglärm besiegelt. Aus seinem umfangreichen Fundus will er allerdings noch eine Dokumentation der 39-jährigen Geschichte der Organisation mit allen ihren Höhen und Tiefen erstellen. "Das soll dann auch so etwas wie ein Schlussstrich unter dieses Kapitel meines Lebens sein", sagte er unserer Zeitung.