Sturm der Zigeuner aufs Riedenburger Rathaus.
Schmied, Kathrin, Schwabstetten
Riedenburg

Gott sei Dank hängt im Sitzungssaal eine Funkuhr. Denn den richtigen Moment zu verpassen, dass wäre am 11.11. dann doch ziemlich fatal. Schließlich geht es an diesem Samstag um nichts weniger als um den Auftakt der fünften Jahreszeit, den Fasching, die Hochsaison für die Narren in der Großgemeinde Riedenburg. Und so liegt der Blick von Protokollmeister Willi Jetten, der am Vorabend mit seinen Zigeunerfreunden seinen Geburtstag gefeiert hat, auf den Uhrzeigern. "Es ist soweit, ich rufe hiermit die närrische Zeit aus", schmettert er mit sonorer Stimme dem fesch gewandeten Zigeunervolk entgegen.

Auch Lösch hat sich selbstredend in Schale geworfen. Er habe zwar jetzt bis Aschermittwoch nichts mehr zu sagen im Rathaus. Ein Spielverderber ist er aber auch nicht. Im Gegenteil. "Du hast ja heute Namenstag", schickt er in Richtung Martin Neumeyer. Der Kelheimer Landrat ist heuer zum ersten Mal in Riedenburg beim Faschingsauftakt dabei. Als kleine Aufmerksamkeit reicht ihm Lösch eine halbe Martinsgans zum sofortigen Verzehr. Aber Halt - das Geflügel kommt irgendwo doch etwas klein daher. "Eine Gans haben wir nicht für dich, dafür bekommst du den weltersten Martinsgockel", erläutert Lösch gut gelaunt. Der Landrat dankt lachend. "Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Faschingsfreund bin", sagt er. Ein Tusch. Die Stimmung ist ausgelassen.

"Ich werde die Baronin der wenigen Worte sein."

Claudia Raffelt

 

Für Andrea Dietz jedoch ist nun der Moment des Abschieds gekommen. Ein Jahr lang hat sie das Zigeunerreich regiert. Nun entledigen sie Protokollmeister Jetten und Faschingschef Bernd Schmid entledigen sie ihrer Amtsinsignien. Landrat Neumeyer geleitet die neue Baronin Claudia Raffelt bei schmissiger Blasmusik nach vorne, wo ihr Jetten und Schmid den Gürtel, der ihren Faschingsadel kennzeichnet, um die Hüfte schnallen. Und auch Kinderbaronin Antonia Dietz, die auf Leon Moor folgt, wird mit ordentlichem Applaus in ihrem Amt willkommen geheißen. Eine Einstandsrede wird nun gefordert.

Sturm der Zigeuner aufs Riedenburger Rathaus.
Schmied, Kathrin, Schwabstetten
Riedenburg

"Bernd hat mir Redeverbot erteilt. Ich werde die Baronin der wenigen Worte sein", sagt Claudia Raffelt mit ernstem Blick. So ganz abnehmen mag man ihr das ja nicht. Und irgendwie lässt sie es sich dann auch nicht nehmen, den obligatorischen Tanz mit dem Rathauschef einzufordern. "Entweder wir tanzen heute. Oder wir legen am Faschingsdienstag eine heiße Sohle aufs Parkett", fordert sie Lösch auf. So richtig glücklich ist der damit nicht. Bis jetzt hat es keine Baronin geschafft, den Bürgermeister für ein Tänzchen zu gewinnen. "Wenn ich jetzt anfange, wäre das ja unfair gegenüber den früheren Baroninnen", meint er mit einem Augenzwinkern. Sei's drum. Dann schnappt sich Claudia Raffelt eben Vize-Faschingschef Klaus Mayer für den ersten Discofox der närrischen Saison.

Kinderbaronin Antonia stellt derweil die ersten Zigeuner-Visa aus. Wer sich per Daumenabdruck registriert, dem ist ein Freigetränk beim Zigeunerfasching am Faschingsdienstag sicher. "Absolut fälschungssicher", preist Bernd Schmid das Dokument an. Und sogar limitiert. "Wir haben 100 Stück. Und jeder bekommt nur ein Exemplar", verrät er. Nachdem sich alle mit Gulaschsuppe gestärkt haben, die Musiker zünftig aufspielen und die Uhr weit über die Mittagszeit hinaus zeigt, verlegen die Zigeuner den Schauplatz des Geschehens. Jetzt geht es auf Tour durch die Wirtshäuser. Und der wird dauern. So ein Faschingsauftakt will schließlich ausgiebig gefeiert werden.