In: Eine Kirche für Anna Schäffer in Kasachstan
Erzbischof Tomash Peta begann die Einweihung der neuen Kirche in Kasachstan vor den noch verschlossenen Türen.
Thoma
Schamhaupten

Etwa 150 Kilometer nördlich von Astana, der Hauptstadt Kasachstans, liegt der Ort Petrovka. Rundherum pfeift der Buran durch die kasachische Steppe. In Zeiten des Kommunismus trug der Ort keinen Namen, sondern nur die Nummer 22. Ein Dorf, in dem Vertriebene unterschiedlicher Völker zusammentrafen, die auf Geheiß Stalins ihre Heimat hatten verlassen müssen. Was sie oftmals verband, war ihr Glaube. Das Einsatzgebiet von Pater Pawel Kucharski, dem dortigen Vinzentiner Missionspriester, ist über 40.000 Quadratkilometer groß. 18 Millionen Einwohner hat das Land, das rund siebenmal so groß ist wie Deutschland. Bernhard Thoma aus Schamhaupten, stellvertretender Vorsitzender von "Kirchen für den Osten", beziffert den Katholikenanteil auf rund drei Prozent.

"Die Situation für die Pfarrei ist schwierig, die jungen Leute ziehen vermehrt in die Städte, was bleibt, ist eine depressive Stimmung", beschreibt Thoma die Ausgangssituation. "Für die Jungen, die gerne bleiben wollten, war deswegen umso mehr eine Perspektive wichtig - und eine Kirche gibt da geistige Unterstützung." Pater Pawel Kucharski wandte sich deshalb hilfesuchend an das Hilfswerk "Kirchen für den Osten". Ihm zur Seite stand Erzbischof Thomash Peta, der Metropolit von Astana.

Zwar hatte die Initiative aus Deutschland in den Jahren 1996 und 1997 bereits vier Holzkirchen im Norden Kasachstans gebaut, doch nachdem sich Bernhard Thoma als technischer Leiter des Hilfswerks und der Erzbischof beraten hatten, standen Baukosten von rund 125.000 Euro im Raum. Deutlich mehr, als der Ort und das Hilfswerk stemmen konnten. Es sah nicht gut aus für den Kirchenbau.

Und dann kam die Rettung wie aus heiterem Himmel: "Eines abends hat mich ein Mann aus Landshut angerufen und gefragt, ob wir noch Kirchen bauen", erinnert sich Bernhard Thoma. Der Anrufer hatte die Initiative schon einmal unterstützt und wollte nun für einen Kirchenbau 50.00 Euro spenden. Zusammen mit dem Geld des Ordens von Pater Pavel und den Einnahmen aus einer Weihnachtsaktion von "Kirchen für den Osten", stand dem Bau damit nichts mehr im Wege. Bernhard Thoma aus Schamhaupten übernahm die Planungsarbeit und koordinierte die Finanzierung.

In Polen wurde sogar eine Anna-Schäffer-Glocke gegossen mit dem Bildnis der Heiligen darauf, die nun im kleinen Turm der Kirche läutet. Und das nicht ohne Grund: In der Kirche findet sich eine Reliquie der Heiligen aus Mindelstetten. Pater Pawel hatte Anna Schäffer schon von seinen Eltern aus Polen gekannt und erkundigte sich als Verehrer der Heiligen nach einer Reliquie für seine neue Kirche. Verwaltet werden diese Reliquien vom Bistum Regensburg. Vor der Heiligsprechung der Mindelstettenerin waren einige Reliquien aus ihrem Grab entnommen worden. Es handelt sich um Teile von den Gebeinen der Heiligen, die dann gereinigt, desinfiziert und konserviert wurden. Im Mai 2014 übergab Mindelstettens Pfarrer Johann Bauer eine Reliquie, die er von Bischof Rudolf Voderholzer erhalten hatte, an Pater Pawel Kucharski.

Inzwischen sind die Arbeiten an der Kirche in Kasachstan abgeschlossen. Eine polnische Designerin war für die Innenarchitektur des Gebäudes zuständig. Viele Balken sind mit eingefrästen Mustern verziert, riesige Fenster hinter dem Altar durchfluten das Gotteshaus mit Licht. Die Außenwände bestehen aus gekalktem Eichenholz. "Wir haben viele Jahre so sehr gebetet, dass wir hier in unserem kleinen Dorf eine Kirche bekommen", dankte eine russlanddeutsche Babuschka, also eine Oma, Pater Pawel und den Unterstützern aus Deutschland, wie sich Thoma erinnert.

Den Tag, an dem die neue Kirche geweiht wurde, begingen die Gläubigen als große Feier mit viel Musik. "Bei uns erlebt man so selten eine Kirchenweihe", weiß Thoma, deswegen sei es etwas ganz Besonderes. Mit dabei waren neben der Delegation aus Deutschland mit Thoma selbst, Florian Huber aus Freising und Georg Holzapfel aus Altmannstein auch der Generalsuperior der Vinzentiner, Tomaz Mavric aus Rom, Bischof Schneider aus Astana und über 50 Ordensschwestern. Beim Einzelsegen küssten die Dorfbewohner das Reliquiar der heiligen Anna Schäffer, deren Wunsch in die Mission zu gehen nun auf diese Weise weiter verwirklicht wird.