: Pilgerpfad ebnet Weg zu Freundschaft
Besuch einer Legende: Heinrich Harrer im Gespräch mit Bürgermeister Adam Dierl (links) und Werner Engelmann (rechts) bei seinem Besuch 1998 auf der Burg Altmannstein. - Foto: Binder
Geschaffen wurde er von dem Mann, der die ersten Fäden nach Hüttenberg knüpfte und dem die guten Kontakte letztlich zu verdanken sind: Werner Engelmann.

Der Lingkor wurde am 4. Juni 1994 eröffnet und am 23. Oktober 2002 von dem XIV. Dalai Lama nochmals geweiht. Die Idee dazu hatten Heinrich Harrer, Anneliese Sutter und Hüttenbergs damaliger Bürgermeister Rudolf Schrater, der Vorgänger von Josef Ofner. Für die künstlerische Gestaltung sorgte der damals in Steinsdorf und nun in Sollern lebende Künstler Werner Engelmann. Seit der Eröffnung des Lingkors ist die südliche Ortseinfahrt von Hüttenberg durch ein Erscheinungsbild geprägt, das für eine Ortschaft in Kärnten höchst untypisch ist: Gebetsfähnchen, Gebetsmühlen, Tempelmauern, Götter- und Heiligendarstellungen am Felsen sind dort zu sehen. Der Pilgerpfad befindet sich an der Felswand gegenüber des Harrer-Museum. Der Hüttenberger Ehrenbürger Heinrich Harrer wird als der letzte große Forscher und Entdecker gefeiert. Er gehörte unter anderem zu den Erstbesteigern der berühmt berüchtigten Eiger-Nord-Wand und war nach seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager Ende des Zweiten Weltkrieges nach Tibet gelangt. Sieben Jahre war er dort Lehrer des jungen Dalai Lama. Diese Zeit wurde unter dem Titel "7 Jahre Tibet" schon öfters verfilmt, eine der bekanntesten Filmgeschichten überhaupt. Harrer starb im Alter von 93 im Januar 2006. Zuvor besuchte er im Jahr 1998 auf Vermittlung von Werner Engelmann Altmannstein.

Eben dieser Heinrich Harrer war es auch, der 1993 nach der Fertigstellung des Museums die Idee hatte, den Pilgerpfad anzulegen, unterstützt von Anneliese Sutter aus Hüttenberg, die mit ihrer Förderung das Projekt ermöglichte. Die Verwirklichung bescherte einiges Kopfzerbrechen. Es war ein Gestalter gefragt, der nicht nur bei der inhaltlichen, sondern auch bei der naturbestimmten Wegführung ganze Arbeit leistet.

Werner Engelmann hielt sich zu dieser Zeit zur Gestaltung des Museums in Hüttenberg auf. In zahllosen Gesprächen wurde die Idee greifbar und der Pfad dem Jogi und Dichter, Mila Repa, gewidmet. Die technische Ausführung übernahm der Görtschitztaler Schmied Helmut Unterweger.

Werner Engelmann schuf – teilweise wochenlang am Seil hängend – die Felsenmalereien und in seinem Atelier die Götter- und Heiligendarstellungen der Straßenfront, das Steinrelief der "Grünen Tara" und die Riesenthangka mit der Darstellung des Padmsambhava. Diese ist 140 Quadratmeter groß und hängt vom Fels herab. "Über 60 Freiwillige halfen bei der Wegführung und der Säuberung der Felswand", blickt Engelmann zurück. Unterweger fertigte die Stufen, eine Wendeltreppe und eine Kettenhängebrücke im Stil des tibetischen Schmiedes Thang-thong Gyalpo.

Ein schriftlicher Begleittext befasste sich mit dem Hintergrund dieses Pilgerweges. "Im Gegensatz zu den Touristen ist für die Hüttenberger der Pilgerweg aus Tibet längst nicht mehr außergewöhnlich. Kulturen zu verbinden, sie erlebbar zu machen, Brücken zu schlagen – das ist es, was der Lingkor von Hüttenberg bewirken soll", so Engelmann. Jedes Jahr kommen Hunderttausende von Besuchern.