Altmannstein: Ort der Trauer und des Gesprächs
Dank Rosmarie Besel und ihrem Mann Ludwig ist der Hagenhiller Friedhof stets sauber und gepflegt. Auf die freie Fläche könnte noch eine Urnenwand kommen. - Foto: Ammer
Altmannstein

"Es gibt so gut wie keine Tageszeit, um die man niemanden auf dem Hagenhiller Friedhof trifft", weiß Rosmarie Besel. "Da ist immer etwas los." Der Friedhof ist in ihrem Dorf viel mehr als ein Ort für die Gestorbenen. "Es ist ein Umschlagplatz, da erfährt man etwas vom Dorf", erklärt Rosmarie Besel. Und dieser wichtige Ort, der als Treffpunkt wie als Stätte des Gedenkens fungiert, will natürlich gepflegt sein.

Seit dem Jahr 2014 übernehmen Rosmarie und Ludwig Besel diese Aufgabe in Hagenhill. Der frühere Friedhofspfleger musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören und der örtliche Marktrat Bernhard Arbesmeier wandte sich mit der Aufgabe an die Besels. "Meine Eltern haben das früher auch schon gemacht, deswegen war es nichts Ungewöhnliches", erzählt Rosmarie Besel. Für eine kleine Aufwandsentschädigung der Gemeinde kümmert sich das Ehepaar seither ganzjährig um den Gottesacker.

Am Anfang sei es schwierig gewesen mit der großen Fläche, erinnert sich die Friedhofspflegerin, doch nach und nach hätten sie sich eingearbeitet. Auch einige neue Werkzeuge hätten sie bei der Gemeinde angefordert. "Die Schneeschaufel war 20 Jahre alt", berichtet Rosmarie Besel. Doch das sei viel besser geworden.

Wogegen sie noch ankämpfen, ist der Müll auf dem Friedhof. "Wenn jeder seine Blumentöpfchen mit heimnehmen würde, könnte man sich ganze Tonnen sparen", weiß Rosmarie Besel. Gerade zu den Stoßzeiten vor Allerheiligen oder Ostern würden die Tonnen überquellen. "Wenn es gar nicht anders geht, nehmen wir auch schon mal Müll mit nach Hause." Worüber sich die Besels wirklich ärgern ist, wenn Leute die Grablichter und Plastiktöpfe auf den Komposthaufen werfen. Dann muss Ludwig Besel sie mühsam mit einem Haken wieder herausfischen.

Die meiste Arbeit gibt es im Sommer, wenn der Rasen oft gemäht werden muss, die Pflanzen viel Wasser brauchen und das Laub zu fallen beginnt. Und dann natürlich in Wintern, in denen viel Schnee fällt. Die Besels räumen dann die Hauptwege frei - und bei Beerdigungen natürlich den Weg zum jeweiligen Grab. Auch bei frischen Gräbern halten sie den Zugang frei, damit sich Trauernde nicht erst durch den Schnee kämpfen müssen. "Es gibt auch Leute, die kommen und schaufeln sich ihre Wege frei", erzählt Rosmarie Besel. Wichtig ist es dem Ehepaar, die Arbeit nicht vor sich herzuschieben, sondern den Friedhof akkurat in gutem Zustand zu halten. Schließlich wisse man nie, wann jemand stirbt - und gerade dann habe man vielleicht nicht die Zeit, noch einmal den ganzen Friedhof vom Schnee zu befreien.

Oft treffen Rosmarie und Ludwig Besel auch auf Trauernde. Dann sitzen sie manchmal auf der Bank und hören einfach nur zu. "Zuhören ist für viele ein Trost. Die Zeit muss man haben, das gehört dazu." Meistens kennt Rosmarie Besel die Angehörigen, sie teilt selbst die Krankenkommunion aus und betet Sterberosenkränze. "Da weiß man oft schon, wie es steht." Nur wenn es junge Leute sind, die begraben werden, verkrafte sie es selbst nicht so gut.

Zwei Sitzbänke stehen auf dem Friedhof, in einigem Abstand zu den Gräbern. Rosmarie Besel hätte gerne noch eine dritte, die nicht so sehr in der Sonne steht. "Es sind überwiegend Ältere auf dem Friedhof unterwegs", weiß sie. Beide Besels sind in Hagenhill geboren, "sie kennen uns alle".

Für ihre Arbeit auf dem Friedhof bekommt das Ehepaar immer wieder Anerkennung. "Wegen dem bisschen Geld braucht man es nicht machen", weiß Rosmarie Besel, die Anerkennung sei viel mehr wert. Und die Aufgabe macht ihnen auch Spaß. "Im Urlaub schauen wir uns in jeder Ortschaft den Friedhof an", erzählt Rosmarie Besel lachend. Und man erkenne gleich den Unterschied, ob ein Friedhof gepflegt wird. Auch die Leute aus dem Dorf würden sich über den aufgeräumten und sauberen Friedhof freuen. Und wenn die Besels bei größeren Projekten Hilfe brauchen, ist immer jemand bereit zu helfen. Dann, wenn zum Beispiel die Friedhofsmauer gestrichen werden muss.

Für die beiden ist es auch eine Möglichkeit, in der Rente mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen und zu bleiben. "Wir sind unter Leuten, halten Anschluss, stehen im Leben", sagt Rosmarie Besel. Und das Schöne: "Man kann etwas für Alle machen." Wie es in anderen Orten niemanden geben kann, der sich des Friedhofs annimmt, versteht sie nicht. "Das ist ein Nebenjob für das ganze Dorf, es hat jeder was davon."