Altmannstein: Newcomer begeistert Altmannstein
100 Gäste begrüßte KLJB-Vorstandsmitglied Christian Hummel aus Altmannstein zur Kabarettveranstaltung von Ralf Winkelbeiner. Margit Fackler, Mutter der kleinen Miriam, informierte die vielen Gäste über das Schicksal ihrer Tochter. - Fotos: Waltinger
Altmannstein

Die Katholische Landjugend Altmannstein wollte Miriam Fackler, die am Rett-Syndrom leidet, helfen und möglichst viele Spenden sammeln. Deshalb organisierten die Jugendlichen eine Benefizveranstaltung im Hoferstadel in Altmannstein. Margit Fackler schilderte auch das Schicksal ihrer Tochter (siehe eigener Text). Der Newcomer in der Kabarettbranche, Ralf Winkelbeiner aus Manching, ließ sich davon überzeugen, für die gute Sache aufzutreten. Auch sein Freund und Comedian Michi Mauder aus München war sofort dabei und trat als Warm-up für Winkelbeiner auf. 100 Gäste begrüßte KLJB-Vorstandsmitglied Christian Hummel aus Altmannstein zum neuen Programm von Ralf Winkelbeiner mit dem Titel "Habedere". Und soviel vorweg: Es war ein sehr gelungener und humorvoller Abend, bei dem viele der Gäste im voll besetzten Hoferstadel vor lauter Lachen ihre Tränen kaum mehr unterdrücken konnten.

Der Humorist, wie sich Ralf Winkelbeiner selbst bezeichnet, ein 40-jähriger Manchinger, ist ein absoluter Newcomer im Bereich Kabarett. Hauptberuflich arbeitet er als Fachberater bei einer Bekleidungsfirma in Manching. Auf der "großen" Bühne steht er erst seit gut einem Jahr. Doch in Manching kennen ihn viele. Er war der Stargast bei Vereinsfesten oder trug bei Starkbierfesten die Fastenpredigt vor. Er stammt aus einer sehr lustigen und humorvollen Familie, wie er verriet. "Bei uns ging es schon immer sehr griabig zu."

Eine Weltpremiere, so bezeichnete er sein Programm "Habedere". Als waschechter Bayer war das komplette Programm in bayrischem Volldialekt. Besonders lobte er den "griabigen" Hoferstadel. "So was Schönes findet man selten", konnte er sich begeistern - obwohl er gerade einen Trauerfall hatte. Sein Kampfhund wurde von einer Katze umgebracht. Mit ein paar "kracherten" Witzen brachte Winkelbeiner die Zuschauer schon früh auf seine Seite. Er ist gerade im "Zack-Alter", verriet er: Auf das Kanapee und zack - schon eingeschlafen. Weiter outete er sich als Flüssig-Veganer, wo er sich flüssig nur mit natürlichem Weizenbier und Obstler ernährt.

Spätestens jetzt war allen klar, dass es ein sehr lustiger Abend wird, bei dem es um die absurdesten Welten des Alltags und Gegebenheiten aus dem richtigen Leben ging. Auf alle Fälle wurden bei seinen Standups keine Lachmuskeln geschont. So erzählte Winkelbeiner von Erfahrungen aus seinem Leben, bei denen er auf der Toilette Einhornklopapier mit Zuckerwatteduft vorfand oder eines mit Sudoku. "Hier kann man sich auf dem stillen Örtchen sehr lange aufhalten." Auch als schüchterner und unentschlossener Typ bezeichnete er sich. "Ich hab mich nie entscheiden können, trink ich Cola oder gelb's Limo; das Spezi gibt's bloß wegen mir."

Auch über die Teilnahme an einer Esoteriktagung erzählte der Humorist. Negative Erfahrungen musste er mit der Kirche machen. Als aktiver Engeldarsteller in einem Krippenspiel ging einiges schief. Auch sein Bruder wurde ins Programm mit aufgenommen, der nach acht Weizen immer in Steno spreche. Lustig machte Winkelbeiner sich über die Handyopfer, für die man die Ampel sogar schon in den Boden integriere. Was er nicht verstehen kann, ist, dass man bei der Landung eines Flugzeugs immer applaudiere. "Das ist sein Job. Ich klatsche auch nicht, wenn mir die Metzgereifachverkäuferin 100 Gramm Gelbwurst unfallfrei runterschneidet." Auch die übertriebene Hygiene sprach Winkelbeiner an. "Früher erkannten wir jeden Spielplatz am Geruch. Heute haben die Kinder Sandallergie oder Sandkornphobie." Auffällig sei auch, dass fast in jedem Garten ein Trampolin steht. Als Kind war Winkelbeiners Hüpfgelegenheit geteert, als man auf der Straße Himmel und Hölle hüpfte.

Winkelbeiner war sichtlich überrascht, dass nach der Pause doch der ganze Stadel wieder gefüllt war. Im zweiten Teil seines neuen Programmes stand die bayrische Sprache im Vordergrund. "Schließlich kann diese nicht mal die NSA ausspionieren. Manches ist nicht übersetzbar."Ein Beispiel: "Du bist am Depp sei Brezensalzer" konnte er nur mit "You are Donald Trumps Donutmaker" übersetzen.

Winkelbeiner erzählte auch von seinen Kindheitsalpträumen, als er bei den Martinsumzügen immer die kratzende Strumpfhose seines Bruders tragen musste oder dem analogen Twittern (das Ratschen mit der Zenz). "Des ist aber ois ned so schlimm, da es bei uns in Bayern nur ein Servus oder Habedere gibt."

Mit seinem Soloprogrammtitel verabschiedete sich Winkelbeiner von den Gästen. Doch dem riesigen Applaus und kräftigen Zugaberufen konnte der Manchinger natürlich nicht widerstehen- und kam nochmals zurück auf die Bühne.

Bevor Winkelbeiner mit seinem ersten Soloprogramm begonnen hatte, unterstützte ihn sein Freund und Kabarettkollege Michael Mauder aus München mit dem Vorprogramm. "Schließlich hat fast jeder Künstler seine Vorband." Michael Mauder ist seit 24 Jahren überzeugter Single und steht seit September 2016 mehrmals im Monat auf der Bühne. Er verriet den Gästen, wie es so in der Clubszene für Singles zugehe und dass er nicht auf One-Night-Stands steht. Mit viel Applaus wurde auch er für seinen humorvollen Auftritt belohnt.