Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
Altmannstein

Er wirkt fast ein bisschen verwunschen, der Garten von Rosi und Helmut Meier. Die gepflegte Rasenfläche wird von Blumenbeeten und Natursteineinfassungen umrahmt, von alten, liebevoll bepflanzten und umwachsenen Haushaltsgeräten durchbrochen und von sauber aufgeschlichteten Holzstößen in einzelne, verwinkelte Räume unterteilt, die neugierig machen, was wohl darin liegt. In einem Beet recken sich Blumen, unzähmbar bunt, in einem Kampf um den besten Platz an der Sonne nach oben.

Der Garten stammt aus dem Jahr 1960, erzählt Helmut Meier. Damals kümmerten sich seine Eltern darum – später übernahmen er und seine Frau diese Aufgabe. „Wir teilen die Liebe zum Garten“, bemerkt Rosi Meier – und ihr Mann fügt hinzu: „Wir fahren eh nicht so gerne weg, wir sind Gartler.“ Sein Vater habe auch schon immer gerne im Garten gearbeitet – „und das kriegt man von daheim mit“.

Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
Altmannstein

Knallrote, aber auch noch grüne Tomaten hängen an weit über 20 Stöcken, die Rosi Meier jedes Frühjahr selbst zieht. Zucchinipflanzen überwachsen mit ihren großen Blättern weite Flächen, Zwiebeln stecken fein säuberlich angeordnet nebeneinander in der Erde, daneben folgt ein Beet mit Karotten. Es gibt Lauch, Mangold, Salat, Kohlrabi und vieles mehr zu entdecken. „Wir sind beinahe Selbstversorger“, sagt Rosi Meier dazu und schmunzelt. „Und alles nicht gespritzt.“ Ist ein Teil der Beete abgeerntet, pflanzen die Meiers Zuckerhut-Salat, den sie dann den ganzen Winter über bis in den März hinein essen können.

Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
Altmannstein

Nur mit dem Obst hat es in diesem Jahr nicht so gut geklappt. „Es war einfach kein Obstjahr“, sagt Helmut Meier. Kirsch- und Zwetschgenbaum hätten kaum Frucht getragen – nur an den Apfelbäumen hängen einige Früchte. Auch Himbeer-, Johannisbeer- und Stachelbeersträucher sind im Garten zu entdecken – und ein Blaubeerstrauch soll noch dazukommen.

Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
Altmannstein

Doch so viel sie ihn auch nutzen, um darin Obst und Gemüse anzubauen, ihr Garten ist für die Meiers noch viel mehr als nur ein Nutzgarten. Rosi Meiers Lieblingsplatz liegt schräg vor dem Haus. Ein großer Flieder beschattet die kleine Oase. Ein besonders großer Ast wird von einem Pfosten gestützt, immerhin wächst der Flieder schon seit 1960 an diesem Fleck. Darunter stehen zwei Liegestühle, ein kleines Windrad dreht sich zwischen Blumen und Farnen. Solarlampen stecken zwischen Gräsern und Töpfen mit Agaven in der Erde. Liebevolle Details machen den eingewachsenen Platz zu etwas Besonderem. Da steht ein altes Sieb, bepflanzt mit Hauswurzen neben den Rosen. Daneben klettert eine eiserne Echse über einen Stein vor einer japanischen Zierkirsche. „Das ist mein Platz, es ist einfach idyllisch“, schwärmt Rosi Meier.

Katze Lea im Garten von Helmut Meier in Altmannstein
Helmut Meier
Altmannstein

Um ihre Füße streicht Lea, die weiß-schwarze Katzendame, die sich in die Herzen des Ehepaars geschnurrt und geschlichen hat. Als abgemagertes, krankes Kätzchen lief sie den Meiers zu. Am Anfang durften die Menschen sie nicht berühren, zu scheu war das Tier, doch inzwischen weicht Lea kaum mehr von Rosi Meiers Seite. „Sie tut mir gut“, weiß die Altmannsteinerin – und streicht durch das seidige Katzenfell. An der Wand neben ihr hängt eine zierliche Tafel mit dem Spruch: „Leben heißt nicht zu warten, dass der Sturm vorüberzieht, sondern lernen im Regen zu tanzen.“

Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
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Um die 1000 Quadratmeter hat das Grundstück – und jeder davon ist gut genutzt. In einer uneinsichtigen Ecke haben die Meiers den Funktionsbereich eingerichtet, mit großem Regenwassertank zum Gartengießen und einem Komposthaufen. Im Schuppen und in der kleinen Werkstatt ist Helmut Meier der Hüter über die Ordnung. Jedes Gerät hat seinen ganz genauen Platz. Ebenso ist es mit dem Holz, das sich in langen Stapeln durch den Garten zieht. Jeder Scheit greift perfekt in den nächsten. „Das muss ich ganz langsam anrichten“, beschreibt Meier, aber das mache ihm auch Spaß. Und doch: Zu akkurat darf es auch nicht sein. „Der Garten muss ein Leben haben, ich möchte keinen Garten, in dem nichts rumsteht.“ Das alte Leiterwagerl, das den Rasen ziert, freut besonders die Enkelkinder der Familie: vier Buben, da ist was geboten. Dahinter reihen sich Nistkästen an der Garagenwand – für Vögel, aber auch für Insekten. Auch ein Vogelbad gibt es, gleich neben einem kleinen Bankerl.

Der Garten der Familie Meier in Altmannstein
Ammer, Isabel, Waidhofen
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Und abends, wenn die Arbeit des Tages getan ist, freut sich Helmut Meier auf ein Gläschen Wein im Freisitz. Auch dann, wenn es schon kühler wird, denn dort kann er ein Feuerchen im Kamin einschüren. Ein Leben ohne Garten, das könnten sie sich nicht vorstellen, da sind sich die Meiers einig. Seit 45 Jahren sind die beiden inzwischen verheiratet. „Am 13. Juni 1965 hab ich sie bei einem Spaziergang einfach bei der Hand genommen“, erinnert sich Helmut Meier genau an den Tag, seit dem er seine Rosi nicht mehr losgelassen hat.

Nicht mehr lange, dann wird das Ehepaar anfangen, den Garten einzuwintern. Das sei auch schön, wenn die ganze Gartenarbeit im Winter wegfalle – aber eben nur, wenn es für eine begrenzte Zeit ist, weiß Helmut Meier. Denn: „Im Frühjahr juckt es dann schon wieder in den Fingern und wir wollen raus.“