Altmannstein: "Man muss langfristig denken"
Sie haben ein neues Pflanzverfahren gesucht: Die staatlichen Förster Michael Wittl (v. l.) und Andrea Mayer sowie Josef Lohr, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Altmannstein.
Altmannstein

Fichte, Douglasie, Bergahorn, Stieleiche, Vogelkirsche: Die Vielfalt der Baumarten, die die Altmannsteiner Waldbesitzervereinigung und die staatlichen Förster derzeit auf insgesamt fünf Hektar Waldfläche ausbringen, ist groß. Doch das Besondere an dem Wald, der auf den abgeholzten Flächen nachwachsen soll, ist nicht sein hoher Laubholzanteil, sondern vielmehr die Höhe der jungen Bäume. Die Stämme, die eine Baumschule aus der Fränkischen Schweiz derzeit fachmännisch einsetzt, sind bereits 1,2 bis 1,8 Meter hoch.

Die beiden staatlichen Förster Andrea Mayer und Michael Wittl stehen zusammen mit Josef Lohr, dem Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Altmannstein, auf einer rund 1,5 Hektar großen Fläche in der Nähe des Viehhausener Kreisels. Hohe Bäume wachsen hier nur noch an den Rändern, der Rest des Waldstücks ist dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Brombeerranken liegen auf dem Boden. "Wir haben die Brombeere großflächig abgemäht, aber sie treibt wieder", beschreibt Lohr eine der Herausforderung auf der verunkrauteten Fläche. Die Wurzeln der jungen Bäumchen müssen dort mit den Wurzeln der Brombeersträucher in Konkurrenz treten. "Durch die Größe erhoffen wir uns einen Vorsprung", beschreibt Lohr das Ziel mit Blick auf die Stämme, die gerade eingesetzt werden.

Ein Bagger gräbt eine keilförmige Spitze in den Boden, lockert die Erde auf. Drei Arbeiter setzen die Bäumchen tief in die Erde hinein. So soll sich das dicke Wurzelpaket, über das jedes Stämmchen verfügt und das selbst von Erde umschlossen ist, leichter ausbreiten können. Durch ihren etwa dreijährigen Wachs- und damit auch Größenvorsprung gegenüber Bäumchen, die normalerweise auf Waldflächen gepflanzt werden, brauchen die Bäumchen auch keinen Zaun mehr, um sie vor Rehverbiss zu schützen. "Somit ist kein Kunststoff im Wald", verdeutlicht Andrea Mayer. Dadurch falle viel Arbeit weg, gerade was das Anbringen von Zäunen angeht. "Das Verfahren bedeutet viel weniger Aufwand und wegen des Fachkräftemangels haben wir sowieso wenig Personal", beschreibt Mayer einen weiteren Vorteil des Pflanzens älterer Bäume. Um die Stämme auch unten zu schützen, sind sie von einer Hartwachsschicht umgeben.

3600 Bäume pflanzen die Arbeiter momentan auf der 1,5 Hektar großen Fläche, um die 1200 Stück schaffen sie mit dem Auflockerungsverfahren durch den Bagger am Tag. Natürlich sind die Kosten für den Waldbesitzer erst einmal höher: Die älteren Bäume sind in der Anschaffung teurer als kleinere Exemplare - und das Pflanzverfahren kostet pro Baum noch einmal etwa 1,50 Euro. "Wir erhoffen uns trotzdem einen finanziellen Vorteil", sagt Lohr mit Blick in die Zukunft. Zwar seien die Anschaffungskosten bei der Wiederaufforstung höher, doch es falle beispielsweise eine teure Unkrautbekämpfung weg. Auch der Pflegeaufwand sei geringer, außerdem haben die Bäume bereits einen Wachsvorsprung, sie sind also auch früher wieder abholzbar.

"Durch den Wurzelballen mit Erde daran und die Tiefe, in die er gesetzt wird, haben sie bessere Startbedingungen", beschreibt Michael Wittl, warum die Experten auch jetzt noch, nach der eigentlichen Pflanzzeit, die Bäume setzen können. Zudem falle durch die Wurzeln mit Erde daran der Pflanzschock voraussichtlich weitgehend weg, der sonst stärker ausfalle, je höher die Pflanzen sind. Insgesamt sollen in diesem Frühjahr 10 000 Stück auf Privat- und Gemeindewald in Altmannstein, Mindelstetten und Pförring nach diesem System gepflanzt werden.

In und um Altmannstein ist das Verfahren neu, doch in anderen Regionen und Bundesländern werde es schon seit Jahren getestet. "Es hat gute Kritiken, deswegen haben wir uns darauf eingelassen. Wir probieren es aus - und werden die Entwicklung beobachten, bevor wir es unseren Mitgliedern empfehlen", so Lohr. Doch das dauert, denn im Wald sehe man nicht so schnell wie im Garten ein Ergebnis. Über Jahre hinweg sollen auch immer wieder die Wurzelsysteme überprüft werden. Auch bei Stürmen müsse man erst sehen, ob die Wurzeln den Baum richtig halten. Doch die Experten sind zuversichtlich, denn andere Waldbauern, die das Verfahren seit Jahren anwenden, seien sehr zufrieden damit.

Ein Grund, warum sich Waldbesitzervereinigung und Förster nach einem neuen Pflanzverfahren, zusätzlich zu den verschiedenen Systemen, sie sie ebenfalls verwenden, umgesehen hatten, sind die schweren Schäden durch Borkenkäfer. Die Fichtenbestände haben sich in weiten Teilen der Wälder gelichtet - und obwohl die Mitarbeiter der WBV, die staatlichen Förster und viele Waldbesitzer den ganzen Winter gearbeitet haben, um das Käferholz hinauszuschaffen, stehen noch immer betroffene Stämme in den Wäldern. Deshalb auch der Appell an die Waldbesitzer, das anfallende Käferholz unbedingt außerhalb des Waldes an den vorgesehenen Lagerplätzen abzuladen. Lohr weiß: "Der Borkenkäfer frisst schnell."

Auch mit Blick auf den Klimawandel sagt Andrea Mayer: "Reine Fichtenwälder sind nicht mehr zukunftsfähig." Auf den gerodeten Flächen werden deshalb Mischwälder gepflanzt - ein Drittel davon sind Nadelhölzer, zwei Drittel Laubhölzer. Zwar gebe es momentan den Markt für Laubholz noch nicht - von der Verwendung als Brennholz einmal abgesehen -, doch daran werde intensiv geforscht, weiß Lohr. Und die Bäume, die sie jetzt pflanzen, wachsen erst einmal 80 bis 100 Jahre, bis sie wieder gefällt werden. "Man muss langfristig denken."