Altmannstein: Firmen in der Schule
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Altmannstein

Ein wenig verunsichert steht Leona Stadler an diesem Freitag um 10 Uhr vor den Schülern der Klasse 8 M. Vor wenigen Wochen hat die 17-Jährige hier noch selbst die Schulbank gedrückt. Doch nun soll die junge Frau, die erst vor fünf Jahren mit ihrer Familie aus Ungarn gekommen ist, berichten, wie sie zu ihrem Ausbildungsplatz beim Holzmarkt Riegelsberger in Hexenagger gekommen ist und welche Aufgaben sie dort erfüllt. Je länger Leona Stadler spricht, desto sicherer und überzeugender wird sie. Es ist mucksmäuschenstill im Klassenzimmer. Konzentriert hören die Jugendlichen zu. Denn obwohl die Schüler erst die achte Klasse besuchen, ist der Tag nicht mehr so fern, an dem sie entscheiden müssen, welchen Beruf sie ergreifen.

Thomas Riegelsberger ist danach stolz auf seine Auszubildende und froh, dass er sie mitgenommen hat: "Leona kommt bei den Schülern sehr gut an und berichtet authentisch von ihrer Arbeit." Das Format, in der Mittelschule direkt auf die Schüler zuzugehen, habe sich auf alle Fälle bewährt, weiß der Vorsitzende des Altmannsteiner Gewerbevereins nach zwei Stunden. In einer achten, zwei neunten und einer zehnten Klasse haben Thomas Riegelsberger, die Ausbildungsleiterin Katja Kleineicken und natürlich Leona Stadler erläutert, wie eine Ausbildung zu Kauffrau oder -mann beziehungsweise zur Fachkraft für Lagerlogistik im Unternehmen abläuft. Sie haben dabei Schwellenängste abgebaut und direkten Kontakt geknüpft. "Man hat mehr Zeit, die Tätigkeit zu beschreiben, und die Auszubildende konnte einfach aus ihrem Arbeitsalltag erzählen", sagt Riegelsberger.

Er ist überzeugt, dass das vom Gewerbeverein gemeinsam mit der Schulleitung entwickelte Konzept, direkt mit den Schülern zu sprechen, besser ist als die üblichen Ausbildungsmessen, bei denen sich Firmen an Ständen präsentieren. Angesichts des demografischen Wandels und der Konkurrenz durch Ingolstädter Großfirmen müssen die örtlichen Betriebe neue Wege beschreiten, um die Jugendlichen von einer Ausbildung an den Heimatorten zu überzeugen. "Es gehen mehr Leute in Rente als auf den Ausbildungsmarkt kommen", beklagt Riegelsberger. Die Teilnehmer an der Azubi-Börse verdeutlichen zudem, welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sich in kleineren Firmen am Land eröffnen.

Das gilt auch für die jungen Mitarbeiter der Kreissparkasse und der Raiffeisenbank Riedenburg-Lobsing, sobald sie die Ausbildung erfolgreich absolviert haben. Die beiden örtlichen Banken machen beim Berufsorientierungstag ebenso mit wie Lothar Kubitzky, der Eigentümer und Betreiber von drei Edeka-Märkten, und die im Riedenburger Ortsteil Nußhausen ansässige Heizungsbaufirma Klein.

Vor allem gegenüber den fast gleichaltrigen Auszubildenden zeigen die Schüler wenig Scheu. So wird Julia Graumann, die eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Raiffeisenbank durchläuft, munter gefragt, wie hoch denn eigentlich ihr Monatslohn sei. Mit dem Bruttosalär von 930 Euro könne die Genossenschaftsbank durchaus mit dem Azubi-Gehalt eines Ingolstädter Autokonzerns mithalten, heißt es. Allerdings seien die Anforderungen an der Berufsschule schon hoch, betont die Ausbildungsleiterin Anna Rockermeier.

Dass die unmittelbare Nähe zwischen Firmen und Schülern Früchte trägt, ist auch die feste Überzeugung von Richard Feigl, dem Rektor der Grund- und Mittelschule. In ihrer Klasse, also ihrem gewohnten Lebensraum, seien die Schüler besser ansprechbar, erläutert er. Feigl hat sich die Aktion in den Klassen persönlich angesehen und sieht einen klaren Vorteil gegenüber den üblichen Ausbildungsmessen. Denn bei Letzteren würden die Schüler oft nur Kugelschreiber und kleine Geschenke einsammeln, weiß Feigl aus Erfahrung.