"Sobald die Regierung mitkriegt, dass da noch Plätze sind, werden sie wohl nachbelegt", sagt Landratsamtssprecherin Petra Preis. Damit steigt die Asylbewerberzahl in Altmannstein in den kommenden Monaten auf 133 Personen - untergebracht in Wohnhäusern, die Privatleute an das Eichstätter Landratsamt vermieten. "Die Objekte sind schon sicher angemietet", erklärt Preis. Doch es gibt noch weitere Vorhaben.

"Vertraglich gesichert sind 80 weitere Plätze, in Verhandlung steht das Landratsamt wegen noch mal rund 50 oder 60 Plätzen", weiß Bürgermeister Norbert Hummel (CSU). Die angestrebten zwei Prozent Asylbewerber in der Bevölkerung - das wären für die Gemeinde Altmannstein 140 Flüchtlinge - wären damit überschritten. "Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Jahres, wenn das so weiter geht, auf jeden Fall 200, vielleicht sogar etwas mehr als 200 Asylplätze haben", sagt Hummel. Mit den Mietverträgen, die das Landratsamt schließt, hat er nichts zu tun: "Ich bin da außen vor." Er werde nur darüber informiert, denn die Vermieter sind Privatpersonen.

Die 72 Asylbewerber, die aktuell in Altmannstein wohnen, sind dezentral in fünf Häusern in der Hauptgemeinde selbst, in zwei Häusern in Neuenhinzenhausen, einem in Berghausen und einem in Hangenhill untergebracht. Dazu kommen demnächst wohl weitere Unterkünfte in Altmannstein, Hagenhill, Berghausen und Neuenhinzenhausen. Diese seien vertraglich schon abgesichert, so Hummel.

2014 hatte die Gemeinde mit dem Landratsamt außerdem einen Vertrag für Container abgeschlossen. "Da bin ich jetzt aber dabei, diesen Mietvertrag zurückzufordern, weil wir meiner Meinungen nach die Leute auch ohne Container unterbringen", so der Bürgermeister. Im Landratsamt Eichstätt hat man allerdings andere Pläne: "Im April ist ein Container in Altmannstein geplant", heißt es auf Nachfrage - mit insgesamt wohl rund 30 Plätzen.

Unter den aktuell 72 Asylbewerbern, die bereits in Altmannstein leben, sind zwei Familien mit Kindern und ansonsten Männer zwischen 18 und 40 Jahren - aus Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Eritrea und Myanmar. Flüchtlinge aus Syrien sind keine darunter. Kein Wunder, dass es da auch mal Ärger gibt. "Es hat natürlich hier schon Streitigkeiten und Raufereien gegeben, die aber im normalen Rahmen abgelaufen sind", bestätigt Hummel - und lobt zugleich den sehr aktiven Helferkreis in Altmannstein. "Wir haben außerdem eine Bevölkerung, die in der breiten Masse akzeptiert, dass man friedlich nebeneinander lebt", sagt er weiter. Bisher habe das gut funktioniert - aber es sei nur bis zu einem gewissen Grad möglich. "Ich könnte mir nicht vorstellen, wenn der Anteil auf 20 Prozent ansteigen würde, dass man dann noch von Integration sprechen könnte", so Hummel. Der ehrenamtliche Helferkreis lasse sich schließlich auch nicht unendlich ausweiten. "Wir sind im Bereich der Asylunterbringung immer noch im Krisenmodus. Aber es fehlt an allen Ecken und Enden."

Wie weit sich der Helferkreis ausweiten lässt, erprobt momentan Leiterin Elisabeth Riegler. "Im ersten Moment waren wir verzweifelt", erzählt sie über die Nachricht, dass 80 weitere Asylbewerber in die Marktgemeinde kommen. "Aber jetzt müssen wir eben etwas Neues erfinden." Die Asylhelfer in Altmannstein sind gerade dabei, in den Orten, die zur Gemeinde gehören, eigene Helferkreise aufzubauen. "Wir können die Erfahrung aus vier Jahren, Informationen und Unterlagen weitergeben und wir bleiben natürlich in Kontakt", erklärt Riegler das Konzept. Der Zuspruch in der Bevölkerung sei gut - in Schamhaupten habe sich zum Beispiel schon ein Kreis gegründet und auch in Hagenhill seien die Leute dabei, sich zusammenzutun. "Natürlich gibt es immer welche, die meckern und schimpfen", stellt Riegler klar - doch das Thema gehe alle etwas an. "Die Probleme schaffen wir uns, wenn wir die Menschen alleine lassen, wenn sie nur ihre Kultur von zu Hause kennen." Rieglers Meinung nach darf niemand sagen: "Das geht uns nichts an." Sie sieht vielmehr die einzige Chance, die Lage in Altmannstein zu meistern, darin, den persönlichen Kontakt zu den Flüchtlingen so eng wie möglich zu halten.

Insgesamt lobt sie die Bürger der Marktgemeinde aber in den höchsten Tönen: "Die Leute sind alle sehr flexibel." Und das sei auch nötig, denn die Asylhelfer wissen vorab zum Beispiel noch nicht einmal, wer zu ihnen kommen wird: Sind es Syrer oder Nigerianer? Familien oder einzelne junge Männer? "Wir gehen hin zur Begrüßung und sehen dann, auf wen wir uns einrichten müssen", erzählt Riegler. Und auf die Frage, wie lange das noch machbar ist, antwortet sie nur: "Die Frage stellt sich nicht, wir müssen es eben machen und erfinderisch sein."