"Abensberg soll Bewerbung zurückziehen"
Kelheim (DK) Eine intensive Debatte um den künftigen Standort der Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) ist am Freitag in Kelheim geführt worden. Die Diskussion gipfelte in der Forderung von Kelheims Bürgermeister Fritz Mathes (FW) an die Stadt Abensberg, ihre Bewerbung zurückzuziehen.

Engagierte Runde: Über den bestmöglichen Standort für die FOS/BOS diskutierten am Freitag unter anderem (von links) Landrat Hubert Faltermeier, Wolfgang Gural (CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag), Franz Samulowski (Elternbeiratsvorsitzender der FOS), Angela Steinberger (stellvertretende SPD-Fraktionschefin), Daniela Ulmer-Speck (Elternbeirat der Johann-Simon-Mayr-Realschule) sowie die beiden Vertreter der Schüler, Sabina Fichtner und Kilik Hüseyin. - Foto: Brunner
Eingeladen zu dem Dialogforum "Das Berufliche Schulzentrum Kelheim – Zukunft für unsere Schüler" hatte der Förderverein der Staatlichen Berufsschule, Fachoberschule und Berufsoberschule im Landkreis Kelheim. Dessen Vorsitzender, Anton Parzefall, konnte neben den Bürgermeistern von Kelheim, Mainburg, Painten, Ihrlerstein und Bad Abbach etwa 20 Kreisräte, die Rektoren der Realschulen in Riedenburg beziehungsweise Abensberg sowie eine stattliche Anzahl von Schülern, Eltern und Lehrern begrüßen.
Landrat Hubert Faltermeier (FW) meinte zunächst ironisch, es sei "viel, fast zu viel der Ehre", wenn das Ministerium die Entscheidung in die Hände des Kreistages lege, schließlich dürfe dieses Gremium auch nicht über die Ansiedlung eines Gymnasiums in Neustadt oder einer Realschule in Mainburg entscheiden. Wichtigstes Entscheidungskriterium müssten "die Schüler, die Schüler, die Schüler" sein, denn: "Wir bauen Schulen nicht für Bürgermeister, sondern für Schüler", sagte Faltermeier.
Anschließend stellte Bernd Moser, der Schulleiter von Berufsschule, FOS und BOS, den Ist-Zustand vor. Anhand einer Grafik zeigte er auf, aus welchen Teilen des Landkreises sich die mehr als 500 Schülerinnen und Schüler von FOS/BOS kommen. Hier sei ein eindeutiges Übergewicht der Gemeinden des nördlichen Landkreises mit 250 Schülern festzustellen, so Moser. Hinzu kämen aus den angrenzenden Landkreisen weitere 37 Jugendlichen. Gleichzeitig verliere der Landkreis in dieser Region 67 Schüler an Schulen im Landkreis Regensburg, was zusätzliche Gastschulbeiträge – zurzeit insgesamt 1,8 Millionen Euro pro Jahr – verursache. Demgegenüber stellten die Mitte und der Süden des Kreises nur 220 Schüler, auch der Zuspruch aus den dort angrenzenden Kreisen sei mit sechs deutlich geringer als im Norden.
Nicht außer Acht gelassen werden darf nach Meinung Mosers auch eine mögliche Gefährdung beider Standorte. Falls die FOS/BOS nach Abensberg verlagert werde, drohe die Berufsschule in Kelheim auf der Strecke zu bleiben: "Das Streben nach Selbstständigkeit führt zu kleineren Schulen, die dann später aus Kostengründen unter Umständen geschlossen werden." Für den FOS/BOS-Standort Kelheim sprächen aber nicht nur die dort in den vergangenen Jahren getätigten Investitionen in Höhe von 2,6 Millionen Euro, sondern auch die "Verhinderung einer weiteren Schülerabwanderung sowie Synergieeffekte", betonte Schuldirektor Moser.
Eine besondere Situation sah der Rektor der Riedenburger Johann-Simon-Mayr-Realschule, Bernd Aschenbrenner, für seine Schule. Denn falls der Standort Kelheim in Frage gestellt sei, würden viele Eltern ihre Kinder auf andere Realschulen schicken. Eine Umfrage in den 10. Klassen habe ergeben, dass etwa ein Drittel anschließend die FOS besuchen wolle, das gelte auch für die St.-Anna-Realschule, ist sich Aschenbrenner sicher.
Für die SPD-Kreistagsfraktion stellte die stellvertretende Vorsitzende, Angela Steinberger fest, dass sich diese in der Standortfrage noch nicht endgültig festgelegt habe. Sie persönlich spreche sich aber klar für Kelheim aus. Dem stimmte auch der Sprecher der Freien Wähler, Jörg Nowy, zu. Die Grünen im Kreistag, so deren Fraktionsvorsitzende Christiane Lettow-Berger, würden mehrheitlich für den Standort in der Kreisstadt votieren. Auch die Stadt-Land-Union tendiert nach den Worten des Fraktionssprechers Alois Schweiger in Richtung Kelheim
"Ich finde es unmöglich", kritisierte Daniela Ulmer-Speck, die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Staatlichen Realschule Riedenburg, "einen bestehenden Standort neu zu diskutieren." Ihr Kollege, der Elternbeiratsvorsitzende der FOS, Franz Samulowski, forderte einen Ersatz für die zehn Container-Klassenzimmer. Es müsse in Kelheim "schleunigst" ein Neubau her, der sich aber durch die "unnütze Standortfrage" verzögere.
Die Vertreterin der Schülermitverantwortung (SMV), Sabina Fichtner, berichtete von einer "heftigen Debatte" innerhalb der Schülervertretung. Bei einer Abstimmung hätte sich aber eine deutliche Mehrheit – nicht zuletzt wegen der Praktikumsmöglichkeiten im technischen Zweig der FOS – für den Standort Kelheim ausgesprochen.
"Enttäuscht" zeigte sich die Bildungsreferentin der Stadt Abensberg, Judith Wintersberger, "dass die Abensberger ihren Standpunkt nicht darstellen konnten". Schulleiter Moser verwahrte sich gegen den Vorwurf, bei der Veranstaltung einseitig zu informieren und bot ihr einen Platz auf dem Podium an. Das Abensberger Argument, die FOS/BOS als Ersatz für das Amtsgericht zu bekommen, bügelte Christian Eichenseher, der Elternbeiratsvorsitzender der Riedenburger Realschule St. Anna, mit dem Hinweis ab, das sei kein sachliches Argument, sondern ein "parteipolitisches Machtspiel".
Die ganze Diskussion überhaupt nicht verstehen konnte Bad Abbachs Bürgermeister Ludwig Wachs (FW). Deshalb schlug er unter starkem Beifall augenzwinkernd seine Stadt als künftigen Standort vor.
"Es war zu erwarten, dass die in dieser Runde vorgetragenen Argumente für Kelheim sprechen", monierte der CSU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Wolfgang Gural. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass ihn "einige Argumente für den Standort Kelheim überzeugt" hätten. Kelheims Bürgermeister Fritz Mathes (FW) forderte "eine schnellstmögliche Entfristung und Sanierung". Das sei am schnellsten zu bewerkstelligen, "wenn Abensberg die Bewerbung zurückzieht".
"Sehr zufrieden" mit dem Verlauf und der Resonanz der Veranstaltung zeigte sich Anton Parzefall im Gespräch mit dem DONAUKURIER. Die Teilnehmer hätten endlich zu einer "sachlichen Auseinandersetzung gefunden, anstatt die Entfristung und die nötigen Investitionen parteipolitischen Interessen zu opfern".
Von Johann Brunner
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