Pfaffenhofen: Liebeserklärung zum Hochzeitstag
Feiern heute zehnten Hochzeitstag: Alexander (rechts) und Florian Prats Nacher, die 2002 die erste eingetragene Lebenspartnerschaft in Pfaffenhofen geschlossen haben. - Foto: Semet
Pfaffenhofen
„Das Wort homosexuell möchte ich aber in dem Artikel nicht lesen“, grinst der mittlerweile 37 Jahre alte Alexander. „Wir bezeichnen uns lieber als schwul, das klingt weniger nach einer Krankheit, an der man leidet und die man heilen muss. Und wir sind auch nicht mehr oder weniger glücklich als ein heterosexuelles Pärchen.“

Lässt man die vergangenen zehn Jahre Revue passieren, so scheint sich im Leben der beiden nicht viel geändert zu haben: Florian (33) ist nach wie vor als Zahntechniker in einem Münchener Dentallabor angestellt und Alexander arbeitet noch immer bei einem Elektronik-Unternehmen in Pfaffenhofen. Und doch hat sich einiges im Leben der beiden getan: „Wir sind erwachsener geworden“, erklärt Florian. „Wir haben einige schwierige Phasen durchlebt und den Ernst des Lebens gespürt.“ Besonders einschneidende Erlebnisse seien der Tod von Florians Großmutter und Alexanders Vater im letzten Jahr gewesen. Anders als bei manch anderen Paaren sind die „Hasen“, wie sie liebevoll von Freunden genannt werden, dadurch aber nur noch mehr zusammen gewachsen. Sie seien dem anderen immer zur Seite gestanden und hätten sich gegenseitig unterstützt. „Letztlich gibt es uns eben nur im Doppelpack – wir haben gemeinsame Freunde, gemeinsame Interessen und gehen fast überall zusammen hin“, erklärt Alexander. „Es gibt kein Ich und Du, sondern nur ein Wir“, ergänzt Florian.

Dass das nicht nur leere Phrasen sind, wird besonders an der Tatsache deutlich, dass Florian seine größte Leidenschaft für seinen Mann geopfert hat. Vor zehn Jahren befand sich der begeisterte Hobbytänzer auf Turniertanzniveau, Alexander zuliebe verbrachte er seine freien Stunden aber lieber vor dem heimischen Schwedenofen als in der Tanzschule. „Ich sehe das weniger als Verlust, als es zunächst aussehen könnte. Wir gehen ja regelmäßig zusammen tanzen, und das genieße ich dann mehr, als auf irgendwelchen Turnieren Preise zu gewinnen.“

Am liebsten genießen die beiden Pfaffenhofener die traute Zweisamkeit bei den regelmäßigen Flohmarktbesuchen oder zu Hause am Gartenteich bei einer Tasse Kaffee. „Es gibt nichts Schöneres, als den Tag neben unserer Terrasse bei den Fischen zu beginnen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen“, lächelt Alexander. Ihre Freizeit verbringen die beiden aber nicht nur im Garten, sie engagieren sich zusätzlich ehrenamtlich im Tierschutzverein Pfaffenhofen. „Die Damen der Schöpfung brauchen ab und zu die Hilfe von handwerklich begabten Männern“, lacht Alexander. „Aber natürlich helfen wir auch wegen der Tiere – schließlich haben wir selbst auch zwei Schlangen daheim.“

Ihren zehnten Hochzeitstag wollen die beiden nicht mit einem großen Fest feiern, eine kleine Reise soll genügen. „Wir möchten einfach zusammen ein paar Tage fernab vom Alltagsstress verbringen und nur wir selbst sein“, freut sich Alexander. Die Zwei unternehmen allgemein sehr gerne Reisen in fremde Länder und lernen völlig andersartige Kulturen kennen. „Nach unserer Hochzeit haben wir uns eine gemeinsame Wohnung gekauft und diese fast allein ausgebaut und renoviert. In dieser Zeit mussten wir meist auf Urlaube verzichten. Mittlerweile haben wir wieder die Zeit, uns ab und zu ein paar Tage nur für uns zu gönnen.“

Für die Zukunft erhoffen sich die beiden, dass die Gesellschaft offener wird und Schwule und Lesben nicht mehr als gesellschaftliche oder rechtliche Randgruppe angesehen werden. Direkt seien die beiden zwar noch nie angefeindet worden, aber in bestimmten Situationen stoßen Schwule und Lesben oftmals noch auf rechtliche Widerstände. „Würden wir heute heiraten wollen, könnten wir unsere Lebenspartnerschaft wenigstens auf dem Standesamt eintragen lassen – damals war das bei uns noch anders. Wir haben uns das Ja-Wort in der Bibliothek beim Notar gegeben“, denkt Florian zurück. Für die Zwei gibt es außerdem auch keinen Unterschied zwischen einer eingetragenen Lebensgemeinschaft und einer tatsächlichen Ehe: „So etwas existiert nur auf dem Papier und hat keine Bedeutung für unsere Beziehung“, erklärt Alexander.

Das Thema Heiraten wirft automatisch die Frage auf, wie Alexander und Florian zur Kirche stehen. Schließlich schwören sich Verliebte klassischerweise vor dem Altar die ewige Liebe. „Wir sehen den Glauben durchaus positiv“, betont Florian. „Aber zur Kirche haben wir ein gespaltenes Verhältnis, was unserer Meinung nach auch durchaus verständlich sein sollte.“

Glücklich sind die beiden aber trotz des gesellschaftlichen Gegenwindes noch immer. Entscheidend seien im Leben nie die anderen, sondern immer nur das Verhältnis zwischen den Liebenden. „Und ob Männer und Frauen überhaupt zusammenpassen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden.“