Beinahe wäre in den vergangenen Jahren im niederbayerischen Pocking eine große sportliche Tradition zu Ende gegangen: Die dortige Speedwaybahn durfte jahrelang nicht mehr genutzt werden. Eine Anwohnerin in unmittelbarer Nähe zur Bahn fühlte sich vom Lärm der Speedway-Motorräder belästigt. Während die Sache diverse Gerichte beschäftigt und es deshalb jahrelang keine Rennveranstaltung mehr gegeben hatte, haben das Landratsamt Passau, die Stadt Pocking sowie der ortsansässige Motorsportclub gemeinsam leidenschaftlich für den Erhalt des Sports in der niederbayerischen Kleinstadt gekämpft. Nach einem mittlerweile 15 Jahre andauernden Rechtsstreit sowie einigen kostspieligen Baumaßnahmen der Stadt steht jetzt fest: Der Rennbetrieb in den kommenden Jahren ist gesichert!

Ähnlich war die Sachlage in Olching: In der Stadt westlich von München hat der Speedwaysport ebenfalls eine große Tradition. Auch hier konnte eine einzelne, neu zugezogene Anwohnerin den Lärm angeblich nicht ertragen, und verlangte die Einstellung des Rennbetriebs. In allen Stadtratsfraktionen, den ortsansässigen Vereinen sowie beim Landratsamt war man sich einig: Speedway gehört zu Olching wie der Kirchturm – man würde gemeinsam alles was möglich ist unternehmen, um die Speedwaybahn und somit den Sport zu erhalten. Letztendlich musste die Anwohnerin erkennen, dass sie mit ihrer Klage völlig isoliert war und ihr kaum eine andere Möglichkeit blieb, als einem Kompromiss zuzustimmen. Somit kann es in Olching auch zukünftig (mit kleinen Einschränkungen) Rennveranstaltungen geben.

Derartige Vorgänge wie in Pocking und auch in Olching sind leider Begleiterscheinungen unserer Zeit, in der sich Gerichte damit befassen müssen, wie laut ein Hahn krähen darf, ob die Glocken einer Kirche noch stündlich läuten dürfen, oder ob in der Ortsmitte eines Dorfes noch ein Maibaum stehen darf.

Was haben die beiden Sachverhalte mit Pfaffenhofen zu tun, mögen sich manche Leser fragen. Nun, auch in Pfaffenhofen gibt es seit vielen Jahrzehnten eine Speedwaybahn. Der MSC Pfaffenhofen mit seiner 85-jährigen Tradition veranstaltet hier einmal im Jahr sein internationales Speedway-Rennen. Die Ausrichtung, die nur durch die unermüdliche Arbeit von vielen ehrenamtlichen Helfern möglich ist, ist meiner Meinung nach ein Geschenk für die Stadt: Keine andere Sportveranstaltung in der Kreisstadt verfügt über einen vergleichbaren sportlichen Wert, wie das jährliche Speedway-Rennen. Denn hierbei handelt es sich nicht etwa um ein Sportereignis von regionaler Bedeutung, sondern meist um Welt- und Europameisterschaftsläufe. Diese werden in steter Regelmäßigkeit bei erfolgreicher Bewerbung des MSC durch den Motorradsport-Weltverband FIM nach Pfaffenhofen vergeben. Bahnsport-Fans aus allen Teilen Deutschlands sowie auch aus dem Ausland kommen jährlich hierher, um die spannenden Rennen auf dem Pfaffenhofener Oval zu sehen.

Bei uns, so möge man meinen, ist die Welt noch in Ordnung. Bisher hat sich noch niemand über die Lärmbelästigung während der Rennveranstaltungen oder den Trainingseinheiten beschwert. Somit sollte der Fortbestand des Speedwaysports in Pfaffenhofen nicht gefährdet sein. Ist er auch nicht. Von Gefährdung kann wirklich keine Rede sein – sein Ende ist nämlich besiegelt! Es sind keine Anwohner, die Probleme bereiten, nein, in Pfaffenhofen ist es die Stadtregierung, die höchstpersönlich die Motoren sprichwörtlich „abwürgt“! Das Speedway-Rennen 2014 wird das letzte für immer () sein.

„Rückbau der Speedwaybahn“ – so wird eine der ersten vorbereitenden Maßnahmen in den Plänen zur kleinen Landesgartenschau 2017 beschrieben. Man hat wohl bewusst diese scheinbar harmlose Formulierung gewählt. „Rückbau der Speedwaybahn“ bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass man dem MSC, ungeachtet der jahrzehntelangen Verdienste um das Ansehen der Stadt sowie der geleisteten Jugendarbeit, die Existenzgrundlage entreißt. Durch den Verlust dar Speedwaybahn wird dem MSC auch die wirtschaftliche Voraussetzung für die erfolgreiche Jugendarbeit im Kartsport entzogen. Damit steht auch die erfolgreichste Kartgruppe in Südbayern ohne die jährliche Speedwayveranstaltung vor dem Aus.

„Rückbau der Speedwaybahn“ hat wohl auch zu bedeuten, dass nach dem Trabrennsport eine weitere traditionsreiche Sportart aus Pfaffenhofen verschwindet. Die Bahn, auf der sich schon Weltmeister wie Ivan Mauger und Egon Müller vor mehr als 7000 Zuschauern harte Fights lieferten, muss für ein einmaliges Ereignis weichen. Der kleinen Landesgartenschau wird scheinbar alles untergeordnet. Da spielt scheinbar selbst die Wertschätzung für einen Verein wie den MSC keine Rolle mehr – unfassbar für mich!

Dass man sich um ein solches Großereignis bemüht, ist legitim, dass man auch noch den Zuschlag erhält, ist erfreulich. Aber dass man dafür bereit ist, den Preis zu zahlen, dass ein Verein und dessen Sportart sowie eine große Tradition einfach ausgelöscht wird, halte ich für höchst unanständig! Als langjähriger Speedway-Fan und Besucher von Rennveranstaltungen im In- und Ausland, habe ich aus Gesprächen Kenntnisse darüber, wie viele Bahnsport-Fans über die Vorgänge in Pfaffenhofen denken: Man ist schockiert und schüttelt den Kopf!

Erhard Wallenäffer

Riebergweg

Pfaffenhofen