Im Artikel heißt es "die Naturschützer loben seine Qualitäten". Diese Aussage ist mir zu einseitig. Leider gibt es diese einseitige Sicht auch innerhalb des Bund Naturschutzes, bei dem ich Mitglied bin.

Wir leben heute in einer vom Menschen umgestalteten Natur. So sind die 28 Weiher zwischen Geisenfeld und Manching keine 100 Jahre alt und verdanken ihre Existenz dem Kiesabbau für Flugplatz und Autobahn. Spätestens seit der Industrialisierung gab es in unserer Gegend keine Biber mehr (bibermanagement.de). Dafür immer mehr Agrarfläche, Straßen und Gebäude, und wenn überhaupt noch Wald, dann Holzacker in Fichtenmonotonie. Ein natürlich vorkommender Laubbaum ist selten geworden und ich bin dankbar für jedes ältere Prachtexemplar, das an Ilm, Paar und auf unseren Fluren (noch!) steht. Leider sind sie in Gefahr.

Als ich im Jahr 2015 den Altmühlradweg entlangfuhr, musste ich die Tour fast abbrechen, weil mich die vielen toten Baumriesen am Ufer schockten - alles Biberschäden. Auf dem Freizeitgelände am Baggersee im Ingolstadt entwaldeten ab Sommer 2016 die Nager das Ufer radikal. Weihnachten 2017 mussten wir an zwei Weihern in Forstwiesen feststellen, welches Ausmaß die Biberschäden inzwischen in nächster Umgebung erreicht haben. Ich bin froh, dass bei den zuständigen Behörden und Gemeindechefs die Alarmglocken läuten! Und es wird Zeit, die stur wiederholten Argumente des Bund Naturschutzes konkret für unsere Region und unsere Zeit zu hinterfragen.

1. "Der Biber fällt weniger Holz, als in Deutschland nachwächst". Kann es sein, dass die hier angeführten nachwachsenden Festmeter aus dem Fichtenholz der Holzäcker errechnet wurden? Laubbäume wachsen nicht so schnell nach und bei ständigem Verbiss der Austriebe entwickelt sich maximal Buschwerk.

2. "Der Biber fällt vorzugsweise ,wertlosere' Baumarten wie Weiden und Pappeln". Der übel zugerichtete Baumriese auf meinem Foto war eine 80 Jahre alte Weide. Warum sollte sie "wertloser" sein? Abgesehen davon stellt Baumexperte Alan Whittaker aus Rohrbach klar: "Der Biber fällt alle Laubbaumarten und in jedem Alter oder Zustand, er meidet nur jene, die Gerbsäure enthalten, wie beispielsweise Eichen." Sind wir es nachkommenden Generationen nicht schuldig, wenigstens ein paar der Pflanzen zu erhalten, die die Bezeichnung "Baum" noch verdienen?

3. "Der Biber verjüngt den Wald". Dafür müsste erst mal ausreichend Waldbestand gegeben sein und das noch gealtert! Baumexperte Alan Whittaker warnt: "Ein Elefant in Afrika kann auf seinem 1000 Quadratkilometer großen Revier einfach ausweichen, das kann aber ein Biber nicht, der an das Wasser gebunden ist. Für so eine konzentrierte Beanspruchung haben wir in unserer Gegend nicht genug Bäume." Laut BN-Website fällt ein Biber pro Winter zehn Bäume, eine Biberfamilie somit 50 und wir haben derzeit im Landkreis Pfaffenhofen bereits 500 Biber. Das macht 5000 gefällte Bäume pro Winter! Wo sollen sie herkommen? Und vor allem, wie sollen sie in Ruhe über Jahrzehnte nachwachsen, zumal wenn sich diese 500 Biber auch noch vermehren?

Was tun? Eines jedenfalls sicher nicht: Die natürlichen Feinde des Bibers auch noch einschleppen: Bären und Wölfe! Dann kämen zu den teuren Biberschäden in den Feldern und am Hochwasserschutz noch weitaus größere Präventions- und Schadensersatzkosten hinzu, mal abgesehen von der Gefahr bei jedem Aufenthalt in der Natur. Die romantische Vorstellung, dass insbesondere Wölfe keine Menschen angreifen, kann uns die britische Wanderin in Griechenland, die im Herbst 2017 dort zerfleischt wurde, widerlegen. Und dass es in der EU Politiker gibt, die sich zur kostspieligen Wiedereinführung problematischer Tierarten entschieden haben, ist für mich genauso lebensfern wie die Begradigung von Gurken. Jetzt fehlt bloß noch, dass wir alle Autobahnen abzäunen und untertunneln, damit die Wisentherden - Futter für Wolf und Bär - ungehindert durchs ehemalige Germanien galoppieren können ...

Fazit: Ich wünsche mir vom Bund Naturschutz mehr Offenheit für Diskussion in den eigenen Reihen, mehr Anpassung pauschaler Forderungen an die lokalen Gegebenheiten und mehr Konzentration auf die Gegenwart, anstatt einem Zustand aus Zeiten vor der Industrialisierung hinterherzulaufen. Damit zusammenhängend weniger Verklärung von Biber, Bär oder Wolf, stattdessen einfach nur Respekt. Mehr Weitsicht für alles, was besser mit der modernen Zeit zusammenpasst, aber jetzt unseren Schutz braucht. Nach vorne denken! Agrarwende unterstützen! Bienen, Bäume und die letzten Flecken freier Natur retten!

Und von den lokalen Entscheidungsträgern wünsche ich mir die zügige Anbringung eines Drahtschutzes für alle Bäume an Ilm, Paar und den Weihern (Bevölkerung mithelfen lassen). Die Beschränkung von Biberburg und -lehrpfad auf die Stadt Pfaffenhofen. Sorgfältige Prüfung der Bibertauglichkeit des künftigen Nationalparks an der Donau. Und schließlich systematischer, schneller Abschuss der leider viel zu naiv eingeschleppten Biber - zugunsten eines zeitgemäßen Naturschutzes. 5000 gefährdete Laubbäume pro Jahr in unserem Landkreis sind Grund genug.

Annette Hartmann

Geisenfeld