Sehr geehrter Herr Irlstorfer, was würden Sie sagen, wenn alle Besucher eines Fußballspiels in der Allianz-Arena am Eingang Antibiotika nehmen müssten, weil zwei oder drei Husten haben? Und wenn bei jedem Spiel das Immunsystem aller Besucher pauschal platt gemacht würde, damit niemand angesteckt wird? Was würden Sie sagen, wenn Sie in der Allianz-Arena auf den Rängen leben müssten und jeden vierten Tag mit dem Essen oder Trinken Antibiotika bekommen würden? Und irgendwann würden dann die Antibiotika nicht mehr wirken, weil sich resistente Bakterienstämme gebildet haben, sogenannte Antibiotika-Resistenzen. Genau das passiert tagtäglich in der Massentierhaltung. Es werden heute mehr Antibiotika für die Massentierhaltung eingesetzt als für den Menschen. Sogar Reserveantibiotika sind in der Massentierhaltung zugelassen. Dabei sind sie eigentlich für Menschen gedacht, für Fälle, in denen gar nichts mehr hilft. Das Ergebnis sind multiresistente (sogenannte) Killerkeime, die für geschwächte Menschen zum Beispiel in Krankenhäusern den Tod bedeuten können. Wenn jetzt nicht schnellstens etwas unternommen wird, könnten nach einer Studie des Universitätsklinikums Berliner Charitè in wenigen Jahrzehnten mehr Menschen an antibiotika-resistenten Keimen sterben als an Krebs! Der Gegensatz zwischen dem Umgang mit gequälten Tieren in der Massentierhaltung und dem liebevollen Umgang mit unseren Haustieren könnte nicht größer sein. Es ist schon fast zynisch, dass auch das Futter für die Haustiere oft aus Massentierhaltung stammt.

Der Papst hat in der Enzyklika "Laudato si'" dazu aufgerufen, alle Mitgeschöpfe würdig zu behandeln. Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Verbrauchsware. Die meisten Landwirte sehen das sicher ebenso. Durch die momentanen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft und Politik werden sie aber fast gezwungen, auf Tierwohl und Nachhaltigkeit wenig Rücksicht zu nehmen, wenn sie den Hof rentabel weiterführen wollen.

Aus all diesen Gründen fordern wir, die ökologischen Demokraten, Sie, die christlichen, und ebenso die sozialen, grünen und liberalen Demokraten auf, aktiv zu werden und zwar möglichst schnell: Wirksame Maßnahmen zu wesentlicher Verbesserung des Tierwohls durch artgerechte Haltung. Sofortiges Verbot von Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung. Erhöhung der Auflagen beim Einsatz von Antibiotika und anderen Chemikalien in Mastbetrieben. Verbot der Vergabe von Medikamenten an gesunde Tiere. Kennzeichnung von Tierprodukten bezüglich Antibiotika-Einsatz zum Schutz der Verbraucher. Förderung von nachhaltiger und ökologischer Futtermittelproduktion (Kreislaufwirtschaft).Verbot von gentechnisch veränderten Futtermitteln. Wirksame Unterstützung der Landwirte, die ihre Tiere bereits artgerecht halten und nachhaltig wirtschaften, oder ihren Betrieb darauf umstellen wollen. Schluss mit der Förderung von Großmastanlagen. Global denken und lokal mit Lebensmitteln versorgen, sollte die Prämisse der Politik sein. Das heißt, wir brauchen keinen Fleisch-Tsunami und noch mehr Tierquälerei durch CETA. Und eines noch mal ganz klar: Es kann nicht sein, dass Naturschutzverbände, Landwirte und Verbraucher etwas in Ordnung bringen sollen, wofür die Politik zuständig ist.