Am Beispiel des geplanten Neubaus des Café Hipp kann man deutlich erkennen, dass es sehr wohl möglich ist, Altes mit Neuem zu verbinden. Und wirtschaftliche Erfordernisse müssen dabei auch nicht auf der Strecke bleiben. Der Bauherr und seine Architektin haben sich zusammengesetzt und intensiv um eine bestmögliche Lösung gerungen. Herausgekommen ist eine sehr ansprechende Fassade, die hervorragend zum Gesamtensemble am Rathaus passt.

Hausfassaden sind nämlich wie Gesichter, in die man blickt, und ihre Fenster sind wie Augen, die uns ansehen. Auf Plätzen mit schönen Fassaden fühlt man sich wohl und heimisch. Dieses persönliche Empfinden wird von Nicole Küster untermauert, die in Ihrer Doktorarbeit ("Schönheit und Wert von Immobilien", TU Chemnitz 2014) zu dem empirisch fundierten Ergebnis gekommen ist, dass es hohe Übereinstimmungswerte bei dem gibt, was Menschen als schön empfinden - und dies über alle Alters- Einkommens- und Geschlechtergruppen hinweg -, nämlich harmonisch gestaltete Häuserzeilen. Und daran sollte sich auch die Bauweise am Pfaffenhofener Hauptplatz orientieren.

Umso verwunderlicher ist daher der Entwurf zur Fassade des benachbarten ehemaligen Eisen-Urban. Solche Fassaden haben durchaus ihre Berechtigung, zum Beispiel in der äußeren Ingolstädter oder Türltorstraße, aber bitte nicht am Hauptplatz. Hier wäre es sehr wünschenswert, dass sich Bauherr und Architektin noch einmal zusammensetzen und vor allem die Fenster neu überplanen, am besten mit Sprossenfenstern und insgesamt reduzierten Fensterflächen, damit auch dieses Gebäude dem Gesamtensemble in Rathausnähe gerecht werden kann. Die bereits begangenen Bausünden aus der Vergangenheit, angefangen mit dem Sündenfall "Landratsamt" zu Beginn der 1970er Jahre oder dem vor einigen Jahren errichteten C&A-Gebäude - um hier nur zwei Negativbeispiele zu nennen - sollten vor allem am Hauptplatz nicht fortgesetzt werden.

Der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen verfolgt hierbei keinen Zuckerbäckerstil, wie ihm von manchen Verantwortungsträgern gerne unterstellt wird; er will einfach nur die Erhaltung eines harmonischen Gesamtensembles, in dem man sich auch in den nächsten Jahrzehnten noch wohlfühlen kann. Allen Verantwortlichen - insbesondere den Bauherren, Architekten und politische Entscheidungsträgern - sei diese Zielsetzung dringend ans Herz gelegt.

Günter Helmbrecht, Pfaffenhofen